Asia Argento
mit Asia Argento, Jimmy Bennett, Cole & Dylan Sprouse, Peter Fonda, Ornella Muti, Marilyn Manson, Michael Pitt, Winona Ryder
Quinzaine des réalisateurs
Kritik: „The Heart is Deceitful Above All Things and desperately wicked: Who can know it?“ Jeremiah 17:9 // „Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?“ Jeremia 17, 9.
Mit diesem Bibelzitat beginnt Asia Argentos äußerst getreue filmische Adaption des gleichnamigen Romans von J. T. Leroy – Schwefelgeruch und Verdammnis schwingen hier mit. Ein kleiner Junge, den seine leibliche Mutter seiner Adoptivfamilie entrissen hat, kämpft ums Überleben. Sarah ist ein „white trash girl“, die ihren Körper am Rand der Autobahn verkauft, um sich ihren täglichen Schuss zu finanzieren, und gerät dabei an einen üblen Typen nach dem anderen.
Jeremy hat sie dabei immer im Schlepptau, ob er will oder nicht. Zwischen dem Stoff, der seiner Mutter, wie sie sagt, den „Ausdruck eines verirrten Kaninchens mit runden Augen“ verleihen, den perversen Gürtelhieben der einen und den unsäglich gewalttätigen sexuellen Misshandlungen der anderen versucht der Junge sich durchzuschlagen. Zwischen zwei Gefängnisaufenthalten nehmen ihn die Großeltern zu sich in ihr fundamentalistisch-katholisch geprägtes Heim, dessen Atmosphäre zwischen Gruselschloss und Kerker der spanischen Inquisition angesiedelt ist. Peter Fonda in der Rolle des Großvaters mimt einen einerseits nervtötenden, andererseits sehr charismatischen Knecht Ruprecht.
Um in die Figur der Sarah zu schlüpfen, hat sich Asia Argento selbst in eine Courtney Love, einen Engel mit Borderline-Syndrom verwandelt, der ständig zwischen Grausamkeit und überbordender Liebe hin- und herschwankt. Geschickt vermeidet sie die Fallen, die den Film leicht in totale Verwerflichkeit hätten absinken lassen können. In einer Szene, in der Jeremy sich mit seiner Mutter identifiziert und deren Freund anzündet (Marilyn Manson ist hier ohne sein gewöhnliches Bühnen-Make-up kaum wiederzuerkennen), spielt sie selbst ihren Sohn – sowohl für die Figuren als auch für die Kamera eine libidinöse Halluzination im rosa Negligé.
In Visionen dieser Art flüchtet sich auch das Kind in den Momenten unerträglicher Gewalt: Blutrote Raben aus Pappmaché greifen ihn an, imaginäre Satinlaken umschließen ihn, um ihn vor dem Wahnsinn oder dem sicheren Tod zu bewahren. In diesen Szenen zeigt Asia Argento das, was sie am besten beherrscht, was einzigartig an ihrem Schaffen ist. Mit derselben jugendlichen Wut wie in „Scarlett Diva“, mit einem inneren Feuer und einer großen Portion Rock ’n’ Roll macht die Regisseurin die ungeschickteren Elemente ungesehen.
Delphine Valloire






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