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Kino auf ARTE - 17/03/10

The Golden Door

Ein Film von Emanuele Crialese


Sizilien, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Eins mit der Natur und umgeben von den Geistern ihrer Vorfahren, bestellt die Bauernfamilie Mancuso seit Generationen das karge Land. Einzig Geschichten über die Neue Welt durchbrechen die harte Eintönigkeit ihres Lebens: von Kartoffeln so groß wie Kutschen und Bäumen, auf denen Goldmünzen wachsen. Da trifft Salvatore eine Entscheidung: Mit seinen beiden Söhnen und seiner Mutter will er über den Ozean ins Gelobte Land und in ein besseres Leben reisen ...


Sizilien, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Eins mit der Natur und umgeben von den Geistern ihrer Vorfahren, bestellt die Bauernfamilie Mancuso seit Generationen das karge Land. Einzig Geschichten über die Neue Welt - Amerika - durchbrechen die harte Eintönigkeit ihres Lebens: von Kartoffeln so groß wie Kutschen, Karotten so lang wie Kanus, und Bäumen, auf denen Goldmünzen wachsen. Eines Tages trifft Salvatore Mancuso eine Entscheidung: Mit seinen beiden Söhnen und seiner Mutter will er über den Ozean ins Gelobte Land und in ein besseres Leben reisen.
Doch das "Goldene Tor" kann nicht jeder bedingungslos passieren. Um Bürger der Neuen Welt zu werden, müssen die Menschen ein Stück ihrer alten Identität zurücklassen und eine neue annehmen: Einfache Landmenschen haben sich in vornehme Stadtmenschen zu verwandeln. Immer wieder werden die Reisenden an Bord des Überseeschiffes Tests unterzogen, die Zeugnis von ihrer körperlichen und geistigen Eignung für den Eintritt in das Land ihrer Träume geben sollen.
Es gilt, körperlich kraftvoll und geistig befähigt zu sein und - vor allem - zu gehorchen. Auch die Mancusos können sich der erzwungenen Wandlung nicht entziehen, in der Hoffnung, bald ein besseres Leben zu erreichen. Auf der Reise über den Ozean lernen sie, traditionelle Gewohnheiten abzulegen und archaische Glaubenssätze zurückzulassen.
Während der vier Wochen an Bord des überfüllten Schiffes sind die Menschen unter unwürdigen Bedingungen auf engstem Raum zusammengepfercht. Salvatore jedoch hat nur noch Augen für die unnahbare und schöne Passagierin Lucy, die aus besseren Verhältnissen zu kommen scheint. Eine zärtliche Liebesgeschichte entspinnt sich inmitten des Elends und der großen Ungewissheit, die bis zum Ende des Films bleibt.

"Golden Door" ist das neue, vielfach ausgezeichnete Werk des italienischen Erfolgsregisseurs Emanuele Crialese. Zutiefst poetisch gibt das Drama die bedrückende Stimmung auf einem italienischen Auswandererschiff wieder und nimmt den Zuschauer auf eine ungewöhnliche Reise, in der sich fantasievolle mit erschreckend realistischen Momenten vereinen. Der Film erzählt die Geschichte von einer abgelegten Vergangenheit und einem verwandelten Volk - und von einer historischen Leistung. Der 1965 in Rom geborene Regisseur Emanuele Crialese entwickelte sich mit nur drei Kinofilmen innerhalb weniger Jahre zu einem der weltweit renommiertesten Filmemacher Italiens. Nach "Lampedusa" (2002) markiert "Golden Door" bereits die dritte Zusammenarbeit Crialeses mit dem Sizilianer Vincenzo Amato. Beide verbinden Erfahrungen als Einwanderer im modernen Amerika, die ihnen immer wieder als Inspirationsquelle für ihre Filme dienen. Vincenzo Amato hat als Künstler und Architekt nie eine Schauspielausbildung genossen und besticht vor allem durch seine Natürlichkeit und Authentizität. An seiner Seite brilliert die französische Schauspielerin Charlotte Gainsbourg. Der Zauber von "Golden Door" beruht maßgeblich in der außergewöhnlichen ästhetischen Umsetzung, die die Schauspieler niemals erdrückt, sondern im Gegenteil ihr verhaltenes Agieren unterstreicht. Crialese, ein Meister der Bildsprache, inszeniert in seinen Filmen Landschaften und Menschen als einzigartige Kompositionen aus Formen und Farben, die jedoch nie künstlich wirken. In "Golden Door" bedient er sich häufig auch surrealistischer Bilder: Sie spiegeln die Träume und Sehnsüchte der emigrierten Menschen wider.
Die besondere Brisanz des Films liegt darin, dass die gezeigten Szenen als universelle Flüchtlingsszenarien gelesen werden können und damit eine Thematik berühren, die gerade in Italien, als einem Zuwanderungsstaat, von hoher Aktualität ist. Er erinnert an die Flüchtlings- und Einwandererschicksale der Süditaliener zu Beginn des 20. Jahrhunderts und ist zugleich übertragbar auf die Flüchtlinge, die sich heute zu Tausenden von anderen Kontinenten auf die lebensgefährliche Reise nach Europa machen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. "Golden Door" wurde 2006 unter anderem bei den Filmfestspielen in Venedig als beste Neuentdeckung gefeiert und für den Europäischen Filmpreis in der Kategorie "Beste Regie" nominiert.

The Golden Door
Mittwoch 17. März 2010 um 14.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, Italien, 2006, 111mn)
ARTE F / WDR

Erstellt: 05-01-10
Letzte Änderung: 17-03-10