- Synopsis
Bud Clay (Vincent Gallo) fährt Motorradrennen mit seiner 250cc Formel II Maschine. Er hat fünf Tage Zeit, von New Hampshire nach Californien zu fahren. Auf dieser Reise versucht er vor allem eines: seine Freundin Daisy (Chloe Sevigny) zu vergessen. Doch seine Erinnerungen an sie machen ihm das Leben schwer.

- Der Kommentar zum Film
Vincent Gallo ist ein Narzist, aber zum Glück ein vielfach talentierter. Er will nur mit Menschen arbeiten, denen er völlig vertrauen kann, und in dessen Gegenwart er sich wohl fühlt. Davon gibt es nicht viele, und so kommt es, dass er bei seinem neuen Film The Brown Bunny die meisten Arbeiten selbst übernommen hat. Vincent Gallo ist Drehbuchautor, Regisseur, Hauptdarsteller, Kameramann, Szenenbildner und Cutter in Personalunion. Auch der seltsame Titel des Films lässt sich auf Gallos Egozentrik zurückführen. In seinem Film kommt der braune Hase nur vor, "weil er sich in Gegenwart dieser Tiere wohl und sicher fühlt." Gallo geht es in erster Linie darum, eine gewisse Atmosphäre zu kreieren, sowohl bei den Dreharbeiten als auch im Film selbst. Und so ist sein Biker bestimmt der sensibelste Biker der Filmgeschichte. Ganz allein tritt er seine Reise nach Californien an, und all die Frauen, die er auf dem Weg dorthin trifft, können ihm nicht über seine verlorene Liebe hinwegtrösten. Einige Male versucht er, Intimität mit ihnen aufzubauen. Eine Nähe, die nie über Worte oder Blicke, sondern stets über Berührungen funktioniert. Doch diese Nähe macht ihm schmerzlich bewusst, was er verloren hat und nirgendwo sonst finden kann.
In einer der irritierendsten Szenen des Films gelingt es Gallo, diese verlorene Intensität in einer Vision Buds einzufangen. Daisy gibt ihm einen Blow Job, und die Kamera zeigt dies explizit. Währenddessen versuchen die beiden über die komplexe Situation zu reden, die zur Trennung von ihnen geführt hat. Die Kombination aus extremer Intimität in der sexuellen Handlung und seinen verbal geäußerten Zweifeln an ihrer Liebe ist von eindringlicher, verstörender Intensität. Gallo versteht es, die Melancholie Buds in einigen sehr stimmungsvollen Szenen mit wenig Handlung zu verdichten. So fährt er etwa im Regen den Highway entlang, wir sehen verschwommen als Silhouette sein Gesicht im Anschnitt und die Scheibenwischer bewegen sich rhythmisch hin und her, unterlegt mit einem wunderschönen melancholischen Song. Doch leider übertreibt Gallo es auch mit seiner Reduktion auf Stimmungen, und hat dann eigentlich gar nichts zu erzählen. So gibt es etwa eine Einstellung, in der Bud das Auto parkt, aussteigt und das nur, um einen Pullover anzuziehen. Das ist affektiert und narzistisch. Die Meinung des Publikums scheint ihm egal zu sein, Hauptsache er fühlt sich wohl. Deshalb gehört die letzte Einstellung auch einer Großaufnahme des legendären braunen Hasen.
Nana A.T. Rebhan
Nach der Pressevorführung seines zweiten Wettbewerbsfilms The Brown Bunny erntete Vincent Gallo von den aus aller Welt angereisten Journalisten Pfiffe und spöttisches Gelächter. Doch man muss zugeben, dass die Vorführung etwas unglücklich begann, denn als auf der Leinwand im Vorspann „Produktion/Drehbuch/Regie: Vincent Gallo“ erschien, waren hie und da schon die ersten ironischen Bemerkungen zu hören: Das versammelte Publikum war nur allzu bereit, den ausgeprägten Narzissmus, für den der junge Regisseur bekannt ist, mit Buh-Rufen zu quittieren. Mehr als eine Stunde lang liefert „The Brown Bunny“ angesichts der vielen Ungeschicklichkeiten dann auch noch jede Menge Vorlagen. Darüber hinaus ist der allgegenwärtige Vincent Gallo aus jedem auch nur erdenklichen Blickwinkel in Großaufnahme zu sehen: Vincent Gallo unter der Dusche, Vincent Gallo auf seinem Motorrad, Vincent Gallo im Auto, Vincent Gallo halb nackt auf dem Bett liegend; dabei erfährt der Zuschauer bis auf die Tatsache, dass Bud sehr unglücklich ist, leider fast gar nichts über den von Gallo verkörperten Bud. Schließlich macht sich Bud auf den Weg nach Kalifornien. Einige Momente lang wird der Film zum beschaulichen Roadmovie mit guter Musik und weckt die Sehnsucht nach dem unabhängigen amerikanischen Kino der 70er-Jahre. Unterwegs macht Bud eine weibliche Bekanntschaft, und die darauf folgende Szene ist von großer Schönheit und Ruhe. Dann erreicht Bud den Ort, an dem Daisy wohnt, und Gallo enthüllt die Ursache von Buds Trauma in einer explosiven Erzählung voller Gewalt und Pornographie. Für den Zuschauer klingt die „Lösung“ allerdings eher überflüssig und pseudo-provokativ. Das Ende des Films ist so stümperhaft, wie man es sonst nur bei Anfängern erlebt, und so erlischt auch der letzte Funke Hoffnung, vielleicht doch noch die Genialität eines hypersensiblen Künstlers zu erleben. The Brown Bunny ist ein Trauerspiel und eine herbe Enttäuschung.
Olivier Bombarda
The Brown BunnyLand/Jahr: USA 2005
Genre: Drama, Erotik
Darsteller: Vincent Gallo, Chloe Sevigny
Regie: Vincent Gallo
Produktion: Vincent Gallo
Laufzeit: ca. 89 Minuten
Auf DVD erhältlich: ab 10.01.2006
Technische Angaben Bildformat: 16:9 Widescreen (1.66:1)
Tonformat: Dolby Digital 5.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
FSK: ab 16 Jahren






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