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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 23. März 2005 - 22/03/05

The 3 Rooms of Melancholia

Ein Film von Pirjo Honkasalo


Die Schrecken des Tschetschenienkrieges
in einem neuen Licht

Synopsis: 3 Räume der Melancholie hat die Dokumentarfilmerin Pirjo Honkasalo gefunden, um die Schrecken des Tschetschenienkrieges in ein neues Licht zu rücken – eine abgelegene, von Präsident Putin gegründete Kadettenschule nahe St. Petersburg, wo in ganz Russland aufgelesene Waisenkinder zu linientreuen Soldaten herangezogen werden, die tödlich verwundete Stadt Grozny, in der eine sterbende Mutter Abschied von ihren Kindern nimmt, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen und schließlich ein Flüchtlingslager im benachbarten Inguschetien, wo tschetschenischen Waisen und Halbwaisen mit Hilfe einer Muslimin ein neuer Lebensanfang ermöglicht wird.

Kritik: Vor dem 11. September schien alles noch relativ einfach – der Kommandant der Kadettenschule in Kronburg gab sich erstaunlich kooperativ und erteilte anstandslos eine Drehgenehmigung und auch die Behörden in Tschetschenien und Inguschetien waren bereit, der renommierten finnischen Filmemacherin Pirjo Honkasalo zu helfen bei ihrem Projekt über die, die am meisten unter dem Tschetschenienkrieg zu leiden haben – die Kinder. Dann aber war auf einmal alles ganz anders – um das weltweite Anti-Terror-Bündnis gegen Osama Bin-Laden zu festigen, ließ die internationale Staatengemeinschaft Präsident Putin in Tschetschenien freie Hand und schloss beflissen die Augen trotz eklatantester Menschenrechtsverletzungen. Wer seitdem dennoch mit einer Kamera darüber berichten will, lebt gefährlicher, als mit einer Kalaschnikow in der Hand. Trotz allen Risikos hat Pirjo Honkasalo den Film doch noch fertig gestellt, mit kleinen Digitalkameras und wie eine Guerilla-Kämpferin ohne Genehmigung und Vorabsprachen filmend..

Zuerst die Kinder der Kadettenschule – Waisen oder Halbwaisen allesamt, in deren stumme, gehorsame Gesichtern sich bereits ein ganzes, trauriges Leben eingefurcht hat. Trotz ständiger Anwesenheit eines eigens für sie abgestellten Wachofffiziers schafft es Honkasalo, auch die wenigen freien unbeobachteten Momente einzufangen, in denen sich in die Gesichter der zukünftigen Soldaten ein Hauch von Unbeschwertheit schleicht. Eine zwielichtige Rolle muss man dem russischen Kinderwohltäter-Präsidenten bescheinigen, wenn er schon die 10-jährigen mit dem Hass auf den tschetschenischen Feind imprägnieren lässt. Der geht bereits auf der Kadettenschule soweit, dass ein 14-jähriger, in Grozny geborener Russe, dessen Vater im Krieg von der eigenen Luftwaffe getötet wurde, während des Drills die Schmähungen und Demütigungen seiner Kameraden ertragen muss, wie man in einem Nebensatz erfährt.

Die Agonie seiner Heimatstadt Grozny filmt Honkasalo in Schwarz-weiß. Lange Fahrten vorbei an Ruinenlandschaften, an Menschen, die sich ein paar Rubel in einem Ölbrunnen verdienen, indem sie, lebensgefährliche Gase dabei einatmend, sich mit Eimern in den tiefen Schacht hinunterlassen. Honkasalo zeigt den Krieg, ohne ihn direkt zu zeigen. Das Bild, als die drei kleinen Kinder Abschied von ihrer Mutter nehmen, die von den vielen im Ölschacht eingeatmeten giftigen Gasen zu schwach ist, um sich noch um sie zu kümmern und in ihren ausgebombten Wohnung vor sich hin vegetiert, ist stärker als jedes Fernsehbild von grausamen Menschenrechtsverletzungen oder Bombenangriffen. Hadizhat heißt die Frau, selbst eine Waisin, die sich der Kinder angenommen hat, um sie in ein Flüchtlingslager in Inguschetien zu bringen.

Hier trifft die Filmemacherin auf Hadizhats zusammen gewürfelte Großfamilie, allesamt Kinder, deren Eltern von den Russen ermordet wurden. Am schlimmsten hat es wohl den russischen Jungen mit den vom Klebstoffschnüffeln ausgehöhlten Wangen getroffen, den Hadizhat eines Nachts schon fast erfroren in einem Karton fand. Russische Soldaten hatten ihn zuvor unzählige Male vergewaltigt. So wünscht er sich nun nichts sehnlicher, als in die Gemeinschaft der Muslime aufgenommen zu werden und gegen sein Herkunftsland zu kämpfen. Ob ‚Melancholie’ das richtige Wort ist, um den Gefühlszustand dieser Kinder passend zu beschreiben, muss man allerdings bezweifeln.

Martin Rosefeldt
The 3 Rooms of Melancholia
Regie & Kamera: Pirjo Honkasalo
Finnland, 2004, 106’
61. Internationale Filmfestspiele Venedig 2004. Nebenreihe: Orrizonti

Erstellt: 22-03-05
Letzte Änderung: 22-03-05