Zweitens sind aufgrund dieser Konflikte rund 40000 Kongolesen nach London geflüchtet, wo die Künstler leben. Diese arbeiten seit einigen Jahren mit den Moderatoren der Radiosendung „Nostalgie Ya Mboka“ zusammen, die wöchentlich von dem Londoner Sender Resonance FM für die kongolesische Exil-Community ausgestrahlt wird. Hierbei wurde u.a. das soziale Telefonnetz „Telephone Trottoire“ entwickelt: Im Kongo werden Informationen mündlich auf der Straße übermittelt, um der staatlichen Kontrolle über die Medien zu entgehen. Nach diesem Vorbild bietet „Telephone Trottoire“ den Kongolesen in London und anderswo vom Radioteam gesammelt Informationen, Berichte und Meinungen in ihrer Muttersprache, die weitergeleitet und kommentiert werden können. Das Netzwerk umfasst über 2000 Telefonnummern, und die Nachrichten werden von kongolesischen Communities in aller Welt empfangen.
Der dritte Aspekt ist die Geschichte des Telefons, die mit mechanischen Anlagen begann. Die Installation arbeitet mit elektromagnetischen Schrittschaltwählern, die heute veraltet sind (seit den 1990er Jahren funktionieren Telefonanlagen mit digitaler Technik). Die Erfindung dieser Schalter durch den amerikanischen Bestattungsunternehmer Almon Brown Strowger ermöglichte automatisch arbeitende Telefonvermittlungsstellen ohne menschlichen Vermittler. Es heißt, Strowger sei zur Entwicklung eines automatischen Systems angeregt worden, weil die Ehefrau seines örtlichen Konkurrenten als Telefonvermittlerin arbeitete und Anrufe von Kunden an ihren Mann durchstellte.
In „Tantalum Memorial“ zeigen die Bewegungen und Geräusche der Schalter an, wenn die Nummern von „Telephone Trottoire“-Teilnehmern angewählt werden.
Das in Berlin vorgestellte Werk ist eine Teil-Rekonstruktion einer automatischen Telefonzentrale. Die Installation wird – außer auf der transmediale – stets in einem bestimmten Kontext vorgestellt. Auf der Manifesta in Bozen (Italien) im vergangenen Sommer wurde sie in einer ehemaligen Aluminiumfabrik aufgebaut; die Künstler verwendeten die alte Telefonanlage des Werks und arbeiteten mit der Person zusammen, die sie früher bediente. In London restaurierten sie Schalter aus der Sammlung des Science Museum und schufen einen spezifischen Telefonserver in gemeinsamen Workshops mit Schulkindern aus Greenwich und kongolesischen Asylbewerbern.
„Tantalum Memorial“ ist ein subtiles Mahnmal für einen Misstand, zu dem alle Handynutzer ungewollt beitragen. Die Installation thematisiert auch verschiedene Kommunikationslevels sowie die Frage, was mit verschiedenen Technikgenerationen möglich ist und was nicht.
Harwood, Wright und Yokokoji gehören dem Kollektiv Mongrel an, das seit den 90er Jahren zahlreiche künstlerische Projekte verwirklicht hat. Gemeinsam mit anderen Künstlern arbeiten sie derzeit an dem Projekt MediaShed, einem Raum für freie Medien in der Nähe von London.
Links
>> Tantalum Memorial auf der Website von MediaShed>> Telephone trottoire
>> Die Website von MediaShed
>> Die Website des Kollektivs Mongrel






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