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Mode in Berlin

Ein ausschließlich weibliches Trio offenbart uns den Bezug, den die Berliner zur Kleidung und zur Mode haben.

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Ein ausschließlich weibliches Trio offenbart uns den Bezug, den die Berliner zur Kleidung und zur Mode haben.

Mode in Berlin

Mode in Berlin - 05/07/10

Talente : Lala Berlin, Kostas Murkudis und C-Neeon

Kostas Murkudis, Lala Berlin und C-Neeon über ihre Arbeit, ihre Inspirationsquellen und Berlin.
Foto Galerie


BEGEGNUNG MIT LALA BERLIN




BEGEGNUNG MIT KOSTAS MURKUDIS




BEGEGNUNG MIT C-NEEON



C-Neeon: „Es ist ganz wichtig, unsere Identität zu finden“
Farbe, geometrische Motive, eine recht sportliche und bewusst anti-konformistische Mode. Das experimentelle, aber tragbare Label C-Neeon wurde 2002 von der Westberlinerin Clara Leskovar und der Thüringerin Doreen Schulz gegründet. Das selbstbewusste Designer-Duo (beide Frauen sind Mütter) eröffnete sein Atelier zusammen mit anderen Künstlern in einer ehemaligen Kinderkrippe in Berlin-Lichtenberg, dem Stadtbezirk mit dem zum Stasi-Museum umfunktionierten ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit, mit den vielen Plattenbauten und einigen örtlichen Skinheads. 2005 wurde C-Neeon mit dem Grand Prix des 20. Internationalen Mode- und Fotografiefestivals von Hyères (Südfrankreich) ausgezeichnet. Das war der Startschuss für die Marke. Clara und Doreen begannen sofort, eine Kollektion für die englische Modefirma Topshop zu entwerfen, und H&M beauftragte sie 2008 mit dem Entwurf einer limitierten T-Shirt-Serie. Ein Auftrag folgt dem anderen, und C-Neeon wird seither in Rom, Tokio und New York vertrieben.

Welches sind Ihre Inspirationsquellen?

DS: Verschiedene. Zum Teil das Atelier und die Leute, die mit uns arbeiten. Und auch Japan oder die Flohmärkte. Kunst im Allgemeinen.
CL: Die Wiener Werkstätte, der russische Konstruktivismus, das Bauhaus, Sonia Delaunay und Tamara Lempicka. Mode beschränkt sich nicht auf Kleidung: Auch das ganze Umfeld, Geschichte, Musik, Videos, Bücher gehören dazu.

Seit wann kennen Sie sich?

DS: Seit der Studienzeit. Wir haben beide unser Studium im Jahr 2000 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee begonnen. Clara ist in Berlin geboren, ich komme aus der ehemaligen DDR, vom Lande, und lebe seit zehn Jahren in Berlin. Aus unserer Begegnung erwuchs dann die gemeinsame Realisierung unsere Studienprojekte. Nach dem Diplom haben wir 2004 C-Neeon gegründet.

Streiten Sie sich niemals?

DS: Nicht über die Arbeit (Lachen).

Wer macht was?

CL: Doreen entwirft Form und Schnitt für unsere Kollektion und leitet die Näharbeiten. Ich kümmere mich um Textildesign, Materialien, Stoffdrucke, Grafik und Produktion.

Wo sitzen Ihre Kunden?

DS: Wir verkaufen ziemlich viel nach Tokio und New York und leben insgesamt von unserem Auslandsabsatz. Die Japaner mögen die jungen Designer sehr, vor allem die der neuen Berliner Modewelle. Sie sind aufgeschlossen für Neues, während die Leute in Deutschland Angst haben, Farben zu kaufen. Das ist manchmal schwierig für unseren Vertrieb. Wer unsere Sachen kauft, dem müssen sie wirklich gefallen.

Wo stellen Sie Ihre Stücke her?

CL: Wir entwerfen die Modelle hier, aber hergestellt werden sie in Sachsen und Italien.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Ihrer Arbeit und der Stadt Berlin?

DS: Clara ist, wie gesagt, in Berlin geboren, unsere Familien leben auch hier. Ich liebe die Stadt sehr. Ich kann mir gar nicht vorstellen, anderswo zu arbeiten. Derzeit ist das der Ort unserer Wahl. Ich habe in Antwerpen und Paris gelebt, aber hier hat man viel mehr Platz. In London und New York sind die Mieten weitaus höher. In Paris habe ich mich immer gefragt, wie es den Designern gelingt, in so kleinen Ateliers zu arbeiten. In Berlin erlebt die Modeindustrie gerade einen Neuanfang: Nach dem Krieg verließen alle Modeschöpfer das Land, und mehrere Fabriken machten dicht. Heute ist da ganz viel Bewegung drin.
CL: Berlin ist eine ständige Inspirationsquelle: Durch all die Leute, die aus den verschiedensten Richtungen kommen und sich hier niederlassen, verändert sich die Stadt so schnell, dass der Stil bunt gemischt und kreativ ist und sich ständig weiterentwickelt.

Ist Berlin die neue Modehauptstadt?

DS: Wir brauchen noch Zeit. Die Londoner und New Yorker Designer sind auch nicht von heute auf morgen bekannt geworden. Entscheidend ist, dass wir unsere Identität finden: Es nützt gar nichts, die Fashion Weeks von São Paulo oder Paris zu imitieren.
CL: Da Berliner Potenzial ist enorm. Die Ideen sprudeln nur so, auch wenn das Geld fehlt. Wir haben noch keine sehr zahlungskräftige Kundschaft. Das beweisen allein schon all die Ausländer, die nach Berlin kommen, um billiger zu leben!

Prune Antoine

Erstellt: 18-06-09
Letzte Änderung: 05-07-10


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