ARTE: Kinder und Jugendliche verbringen heutzutage einen Großteil ihrer Freizeit mit Computerspielen. Woher kommt diese Faszination ?
Thomas Feibel: Computerspiele sind eine Art Tagtraum mit digitalen Mitteln. Im Gegensatz zu anderen Medien wird nicht nur konsumiert, sondern auch selbst in den Ablauf eingegriffen. Computerspiele haben schon immer Spaß gemacht - und faszinieren: sie ermöglichen es, in Rollen zu schlüpfen und Abenteuer zu erleben, die einem in der Realität verwehrt bleiben. Man kann Armeen führen, in den Weltraum fliegen, Autorennen fahren und Schätze finden – alles ohne die Hilfe eines Erwachsenen. Nicht zuletzt geben Spiele den Kindern auch das Gefühl, ernst genommen zu werden – und es spielt auch keine Rolle, ob man groß, klein, dick oder dünn ist, eine Zahnspange oder eine Brille trägt.

- Deutscher Kindersoftwarepreis TOMMI
2002 von Thomas Feibel mitbegründeter Preis. Mit ausführlichen Beschreibungen der ausgewählten Spiele und weiteren Informationen zum Thema - FEIBEL.DE
Das "Büro für Kindermedien Berlin" setzt sich mit dem Thema Kind, Computer und Medien auseinander.
- Datenbank für Kindersoftware
Internetseite von Thomas Feibel mit hilfreicher Datenbank der in den letzten Jahren prämierten Spiele sowie auführlichem Kindersoftware-Ratgeber.

Der Computer ist heute vielfach zu einer Art Kommandozentrale im Kinderzimmer geworden, auf der sämtliche Interessen der Kinder zusammenlaufen. Es wird gespielt, gesurft, gechattet, telefoniert, Musik gehört oder Filme angesehen – häufig mehrere Dinge gleichzeitig. Der Computer bietet den Kindern per Knopfdruck eine ganze Welt. Deshalb wird es immer schwieriger, ihnen bei zu bringen, den Computer auch einmal auszulassen. Für die gegenwärtige Kindergeneration ist es umso wichtiger, sich auch mal zu langweilen und gar nichts zu machen. Es kann gut tun, auch mal als Familie gemeinsam eine Medienpause zu einzulegen und "abzuhängen".
Die Debatte um Computerspiele ist aktuell sehr negativ konnotiert. Wie können Eltern den Medienkonsum kontrollieren, ohne den Spaß zu verderben?
Man sollte nicht vergessen, dass Computerspielen in erster Linie eine Form des Spiels ist. Aber wie bei vielen anderen Aktivitäten sollte es auch hier Regeln geben. Eltern können sehr gut sehr gut verhindern, dass der Computer zu viel Raum einnimmt. Feste Medien-Zeiten sind zum Beispiel wichtig. Ab 10/ 12 Jahren können Eltern ihren Kindern eine täglich neunzigminütige Medienzeit anbieten. Die Kinder entscheiden dann selbst, ob sie lieber Computer spielen, fernsehen oder ein Buch lesen.
Für viele Eltern sind Computerspiele ein „Buch mit sieben Siegeln“, sie lassen ihre Kinder selbst entscheiden…
Ja, leider entscheiden Kinder immer öfter alleine, was und wie lange sie spielen. Eltern, die lieber drei Stunden nichts von ihrem Kind hören, als sich mit ihm zu beschäftigen, fördern dadurch natürlich auch eine mögliche Sucht.
Auch wenn es harsch klingt: Wer sich nicht für die Medienerlebnisse seiner Kinder interessiert, interessiert sich nicht für seine Kinder. Für sie ist es gar nicht so schlimm, wenn ihnen mal ein Spiel verboten wird, denn sie haben dann zumindest das Gefühl, dass sich die Eltern um sie kümmern. Natürlich muss ein 12jähriger keinen Shooter spielen, aber dann müssen wir ihm eine Spielalternative benennen.
Wann wird der Medienkonsum problematisch?
Häufig beginnen die Probleme in der Übergangphase von der Kindersoftware zum Computerspiel. Software für Kinder im Grundschulalter finden Eltern oft ganz toll und nachvollziehbar. Im Alter zwischen elf und zwölf entspricht dieses Angebot aber nicht mehr den Bedürfnissen dieser Kinder. Wenn sie sich dann Spiele von älteren Freunden besorgen oder untereinander tauschen, verlieren Eltern schnell den Überblick und wissen irgendwann nicht mehr, was ihre Kinder spielen. Diesen Wechsel sollten Eltern unbedingt begleiten und für Qualität sorgen. Sicher werden die Jugendlichen auch das eine oder andere Ballerspiel nach Hause bringen, aber solche Spiele werden ihnen dann schnell wieder langweilig. Denn sie haben eine Qualität kennengelernt, zu der sie dann auch wieder zurückkehren.
Spielen Sie selbst auch privat?
Ich muss natürlich aus beruflichen Gründen auch selbst Computer spielen. Mir macht das schon Spaß, aber ich war nie ein richtiger "Gamer" und habe dadurch natürlich den Vorteil einen gewissen Abstand zu haben. Ich sehe Computerspiele eher aus einer feuilletonistischen Sicht. Ich kann gut schlafen auch wenn ich nicht Level 13 erreicht habe und einige Spiele finde ich sogar total langweilig.

- Killerspiele im Kinderzimmer. Was wir über Computer und Gewalt wissen müssen
von Thomas Feibel
Walter-Verlag 2004
- Was macht der Computer mit dem Kind?
von Thomas Feibel
Velber 2002
- Großer Kinder-Software-Ratgeber
von Thomas Feibel
Rowohlt Tb. 2003
- Crashkurs. Kind und Computerspiele. Medien-Fit in 90 Minuten
von Marek Klingelstein,K.-Peter Gerstenberger, Thomas Feibel
Klett 2005

Können Sie sich noch an Ihr erstes Computerspiel erinnern?
Ich war damals Autor der Frankfurter Rundschau und hatte gerade meinen ersten Artikel verkauft, als ich mit einer Redakteurin ins Gespräch kam. Wir haben uns über Computerspiele unterhalten und dabei kam heraus, dass wir beide gerade „Indianer Jones“ spielten. Eines Abends rief mich die Redakteurin gegen zehn an und sagte: „Es tut mir leid, dass ich Sie störe, aber ich komme aus dieser verdammten Höhle nicht mehr raus.“.
Wie kann ich für mein Kind das richtige finden? Sind die Altersangaben auf den Spielen eine Orientierung?







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