
Ein Film von Lars von Trier
Mit John Hurt, Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg
(Frankreich, Dänemark, Schweden, Deutschland / 2011)
Offizieller Wettbewerb

Deutsche Romantik als Rahmen der Apokalypse
Nein, in diesem Film geht es nicht um das Ende der Welt, es geht – keinen verwundert es bei Lars von Trier – um Frauen und - noch weniger verwunderlich – um Lars von Trier selbst.Zu Beginn ein bildgewaltiger, Wagner unterlegter Prolog. Die Apokalypse in Form eines riesigen Planeten löscht die Lichter. Eine Hochzeitsgesellschaft als Metapher für die Hoffnungslosigkeit des Lebens in einer hoffnungslosen Welt bildet den Rahmen am Anfang des Films. Unsicherheit und Angst treffen auf Wertelosigkeit und Größenwahn im verzweifelten Kampf um ein kleines bisschen Glück. Eine Braut, im Leben orientierungslos und depressiv, hofft sich durch den Bund der Ehe zu erden und Sichherheit zu gewinnen. Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, John Hurt, Kiefer Sutherland, Charlotte Rampling und Stellan Skarsgard reißen brillant inszeniert den Schlund des Abgrunds auf, der sich im zweiten Teil des Films, vom Spiel von Kirsten Dunst und Charlotte Gainsbourg dominiert, in eine Intimität zuspitzt, die uns in einer Dreifaltigkeit aus zwei Frauen und einem Kind dem Ende entgegentreten lässt.
Vermeintlich Schwaches wendet sich im Anblick des Unausweichlichen zum Starken, das weibliche Geschlecht bewährt sich in der Katastrophe gegenüber dem männlichen Totalversagen. Dieser Film ist der cineastische Beweis dafür, dass Lars von Trier aus seinem eigenen persönlichen Abgrund der Depression in seine tiefen Täler der Melancholie zurückgekehrt ist, mit sichtlicher Freude darüber. Eine intensive Schauspielarbeit zwischen von Trier und den Akteuren, eine überwältigende Kameraarbeit dank eines beeindruckenden Lichtdesigns. Eine bei von Trier gewohnte Zweigleisigkeit zwischen Plot und Inhalt.
Und einmal mehr muss das Bild der deutschen Romantik zumindest farblich als Rahmen der Apokalypse herhalten. "Melancholia" hat sich als ein verdienter Anwärter auf eine der zu vergebenden Palmen präsentiert.
Text und Bericht: Moritz Wulf






per E-Mail verschicken






Facebook
Twitter
RSS

