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Rugby Weltmeisterschaft 2007 in Frankreich und die Deutschen spielen nicht mit...

Wie kommt es, dass obwohl die Rugby-Weltmeisterschaft, neben den olympischen Spielen und der Fußball Weltmeisterschaft, eines der größten Sportereignisse der Welt ist, sie aber in Deutschland keine Beachtung findet? Wird in Deutschland überhaupt Rugby gespielt? Was ist Rugby überhaupt ?

Seit 1987 findet die vom IRB International Rugby Board organisierte Rugby-Weltmeisterschaft alle vier Jahre statt. Deutschland war bisher noch nie dabei. Dieses Jahr treten vom 7. September bis 20. Oktober 2007 die 20 besten Teams für ihre jeweiligen Nationen in Frankreich an. Gibt es keine Beachtung der WM in Deutschland, wie all die Franzosen zu glauben scheinen?

Aber zuerst einen kleinen historischen Überblick über Rugby in Deutschland.

Rugby ist ein Spiel, das zwischen 1820 und 1823 am Internat der mittelenglischen Stadt Rugby entstand, bei dem der Ball, anders als beim Fußball, in den Händen getragen wird. Ziel ist es, den Rugbyball, welcher durch seine ovale Form enger am Körper getragen werden kann und auch besser weitergegeben werden kann, hinter die Linie der Torstangen zu legen.

So ertaunlich es auch sein mag, gab es in Deutschland bereits um 1850 eine deutsche Rugby-Mannschaft am Neuenheim College, heute das Heidelberg College. Dank des britischen Einflusses an renommierten Privatgymnasien, aber auch schlicht durch britische Studenten in Heidelberg und Hannover, entwickelte sich dieser neue dynamische Sport. 1872 wurde mit dem HRK 1872 der erste deutsche Rugby-Verein in Heidelberg gegründet. Weitere Städte und Vereine folgten wie z.B. Hannover mit dem DSV 1878 und Frankfurt mit dem FC 1880 (heute SC 1880).

Erst im November 1900 wurde auf dem 6. Deutschen Rugby-Tag der Deutsche-Rugby-Fußball-Verband innerhalb des Deutschen Fußballbundes mit 19 Rugby Vereinen gegründet. Ein Jahr später machte sich der Rugby-Verband vom Fußballbund unabhängig und nannte sich Deutscher Rugby-Verband (DRV). 1988 wurde der DRV in den International Rugby Board aufgenommen. Seitdem konnte sich die deutsche Mannschaft nicht für die WM qualifizieren. Dem IRB wohnen heute 95 Nationalverbände bei. Zurzeit liegt Deutschland in der offiziellen IRB-Weltrangliste auf Platz 26.


Keine Beachtung der WM in Deutschland?

Obwohl Rugby seinen Anfang in Deutschland bereits 1850 fand, ist es dem Rugby-Sport bis heute nicht gelungen, sich in der deutschen Gesellschaft neben Fußball, Basketball oder Handball zu etablieren. Hauptgrund ist, dass im Gegensatz zu anderen Ballsportarten, Rugby keinen Platz in den deutschen Schulen fand - anders als beispielsweise in Frankreich oder Großbritannien, wo es an den meisten Schulen als Schulsport und oft auch mit Schulmannschaften vertreten ist. Wahrscheinlich weil es als zu grob eingestuft wurde.

Dabei gibt es beim Rugby keine körperlichen Einschränkungen, egal ob dünn, dick, groß oder klein, Männlein oder Weiblein, alle haben ihre Berechtigung, sich mit ihren verschiedensten Charakteren auf dem Rugbyfeld einzubringen und sich zu ergänzen.
Rugby ist ein Teamsport, bei dem immer nur die Mannschaft dauerhaft Erfolg haben kann, die gut zusammen spielt und den Ball geschickt hin- und herpasst, um am Gegner vorbei zukommen. Es fördert die soziale Interaktion. Respekt, Kameradschaft, Solidarität und Kreativität sind wichtige Werte bei diesem Spiel.

Das sind Werte, die auch in den Zuschauerrängen wieder zu finden sind. Schaut man sich ein Spiel der 1. französichen Division in Paris an, sitzen über 50.000 begeisterte Zuschauer friedlich und fröhlich beisammen, ganz egal für welche Mannschaft seine Nebensitzer sind. Am 09. Juni 2007 wurde ich von meinem guten Freund Olivier zum Endspiel um die französische Rugby-Meisterschaft nach Paris eingeladen. Es spielten Paris "Le Stade Français" und "Clermont Ferrand" um die Meisterschaft. Olivier scherzte noch vor dem Spiel, dies würde ein Heimspiel für Clermont Ferrand in Paris sein. Es gäbe, so schätzte er, ca. 200.000 Einwohner in Clermont Ferrand und jeder Einwohner hätte versucht, eine Karte fürs Endspiel zu bekommen. Er hatte Recht: 88.000 Zuschauer waren beim Endspiel und es sah wirklich so aus, als sei die Mehrzahl der Zuschauer nicht für Paris. Paris lag zur Halbzeit deutlich hinten und konnte erst in den letzten 10 Minuten des Spiels aufholen und gewann sogar phänomenal in den letzten fünf Minuten das Spiel und somit die Meisterschaft. Beide Mannschaften wurden gleichermaßen von den Zuschauern gefeiert. Die Atmosphäre war einfach atemberaubend! Merci Olivier!


Das schöne am Rugby ist, dass es Menschen näher bringt.
Es ist einfach, es ist ehrlich.

Ich habe auf verschiedenen Reisen an den unterschiedlichsten Orten mit mir fremden Menschen Rugby gespielt. 1998 in Peru bei einer Uni-Mannschaft in Lima. 1999 war ich in Sydney (Australien) und habe dort mit Menschen aus Samoa, Fidschi, Neuseeland und Papua-Neuguinea (Papua-Neuguinea!!!!!!) im Park gespielt. Im Februar 2006 war ich für zwei Wochen in Peking (China) und selbst dort fand ich einen Rugby-Verein, die Beijing Devils! Überall wurde mit vollem Einsatz und voller Begeisterung Rugby gespielt. Danach gab es fast immer die legendäre „dritte Halbzeit“, bei der man gemeinsam bei Essen und Trinken über Gott und die Welt sprach und ein bisschen feierte…

Ich hoffe, dass eines Tages Deutschland bei einer Rugby Weltmeisterschaft teilnimmt und Deutschland dann auch etwas an der Welt des Rugbys teilhat.

Zum Glück und zur Freude der Rugby-Fan-Gemeinde in Deutschland mit immerhin 98 Rugby-Vereinen wird trotz geringer Medienpräsenz ein Teil der WM Spiele in diesem Jahr vom Sportkanal DSF übertragen. Sportartikel zur WM sind allerdings selbst auf Anfrage wie z. B. bei der Marke mit den drei Streifen in Berlin nicht zu finden. Wobei man doch durchaus die Rugby-Werbespots zu Gesicht bekommt. Na ja, ich schaue mir jedenfalls dank meiner Freundin eins der WM-Spiele live im Stadion an.

Neben der „Rugby Union“ (Rugbyvariante), die bei der WM in Frankreich mit jeweils 15 Spielern auf dem Platz gespielt wird, gibt es noch weitere attraktive Varianten Rugby zu spielen.

7er-Rugby (Rugby Sevens):
Hier stehen sich nur jeweils sieben Spieler auf dem Rugby-Feld gegenüber, wobei die Spielfeldgröße (ca. 60 m x 110 m) wie beim Rugby Union bestehen bleibt. Dies bringt mehr Schnelligkeit, Dynamik und für den Zuschauer mehr Übersicht ins Spiel.
Seit 1986 finden jährlich Hochschulmeisterschaften statt.

Touch-Rugby:
Touch-Rugby wird ohne Kontakt, d.h. ohne tacklings (fest-/ tiefhalten) des Gegners gespielt. Der Ballträger wird lediglich mit beiden Händen an der Hüfte berührt und gilt damit als gestoppt. Dies fördert den Spielwitz enorm und wird auch gern in mixed teams (Frauen und Männern zusammen) gespielt. Die Anzahl der Spieler sowie die Feldgröße sind variabel.

Beach-Rugby:
Wird barfuß und im Sand gespielt, meistens stehen sich jeweils fünf Spieler gegenüber auf einer Spielfeldgröße von ca.15 m x 30 m. Diese Beach-Variante hat sich in kürzester Zeit sehr beliebt gemacht, und das nicht nur am Strand. Es wird zuweilen auch als Beach-Touch-Rugby gespielt.

In diesem Sinne kann ich abschließend nur sagen:

„Deutschland, spiel Rugby!“



Ein Artikel von Gonzalo Liza Vidaurre.

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Quellen & Links
www.wikipedia.org: Rugby Union in Deutschland
www.scrum.de: World Ranking des IRB
www.rugby-verband.de: Die Gründerjahre des deutschen Rugbysports
Auszug aus dem Sport-Info 2/2001;Rugby Verband Baden-Württemberg: Rugby in der Schule
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Erstellt: 04-09-07
Letzte Änderung: 06-09-07