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Durch ihr klar definiertes Profil und ihre festen Sendeplätze zweimal pro Woche sind die Themenabende bei ARTE ein unverwechselbares Markenzeichen.Thema - eine andauernde HerausforderungDie Moderatoren

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Durch ihr klar definiertes Profil und ihre festen Sendeplätze zweimal pro Woche sind die Themenabende bei ARTE ein unverwechselbares Markenzeichen.Thema - eine (...)

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01/09/08

THEMA - eine mutige Idee

Hans Robert Eisenhauer über Entstehung und Entwicklung eines anfänglich sehr gewagten Fernsehexperiments.

Hans Robert Eisenhauer leitete von 1991 bis 2004 die Redaktion Themenabende in Straßburg. Er gehört zu den Pionieren des heutigen Markenzeichens von ARTE. 1993 ist er mit dem Deutschen Fernsehpreis "Telestar" für die Programminnovation Themenabende ausgezeichnet worden. Seit Januar ist er der Redaktionsleiter der Themenabende beim ZDF.

Wie ist die mutige Idee 1991 entstanden, einen Sendeplatz mit einem Thema bis zu dreieinhalb Stunden zu belegen und das gleich dreimal die Woche?

H.R. Eisenhauer: Die Idee ist im ZDF entstanden, in der Redaktion das Kleine Fernsehspiel, das seinerzeit von dem legendären Eckart Stein geleitet wurde. Die ersten Titeltage, wie diese Programmform damals hieß, waren auf 3sat zu sehen, im wahrsten Sinne des Wortes 12- 15-stündige programmliche Wundertüten über die großen Themen und Konflikte des Alltags, die Liebe zum Beispiel oder das liebe Geld.
Nach der Gründung von ARTE war es wieder Eckart Stein, der mit seinem Team, einigen Kollegen aus der ARD und von La Sept darüber nachdachte, wie sich der deutsch-französische Kulturkanal in seinem Angebot von den übrigen Sendern, auch von 3sat, unterscheiden könnte.
Grundsätzlich war man sich darüber einig, dass jeder Abend eine eigene Programmfarbe erhalten sollte. Wir, ab August 1991 war ich mit von der Partie, einigten uns darauf, dass die Idee der Thementage beibehalten werden sollte, aber mit einer für das Publikum überschaubaren Länge, also zwischen drei und vier Stunden an drei Wochentagen, sonntags, dienstags und donnerstags. Darüberhinaus gab es im ersten Programmschema einen Kinoabend und einen Musik- bzw. Theaterabend.

Anfänglich herrschte große Skepsis über das Experiment der Themenabende. Wie haben Sie es damals geschafft, die Entscheidungsträger von dieser sehr gewagten Programmidee zu überzeugen?

Sicher mussten damals einige zum Jagen getragen werden, auf beiden Seiten des Rheins. Aber, um ehrlich zu sein, auch ich selbst war ein wenig skeptisch. Denn bei 3sat waren die Thementage gelegentliche Ereignisprogramme und ich hatte doch die Befürchtung, dass es schwer sein könnte, dreimal in der Woche ganze Abende thematisch so zu gestalten, dass es für das Publikum spannend bleibt und immer wieder aufregend und neu.
Aber ich habe die Kreativität, das Engagement und den Wagemut der Kolleginnen und Kollegen bei ARD, ZDF und bei La Sept vielleicht ein wenig unterschätzt. Denn es stellte sich schnell heraus, dass dieses neue Programm das eigentliche neue Fernsehabenteuer war, die wirkliche Herausforderung an alle Programmprofis, die der täglichen Routine des Formatfernsehens entkommen wollten, weit über die rein technische Umsetzung hinaus.

Welche großen Herausforderungen galt es zu bestehen, um die Themenabende aus der Experimentierphase heraus zu führen und zum Markenzeichen zu entwickeln?

Ich habe von Beginn an mir selbst und meinen KollegInnen, immer wieder gesagt, Fernsehen ist nicht mit Kino oder Theater zu vergleichen, wo man auf eine Premiere hinarbeitet, sich nach gelungenem Start dann zurücklehnen kann und sich neuen Abenteuern zuwendet. Fernsehen ist täglich, Fernsehen ist immer.
Das heißt, man hat gar keine Zeit, sich auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen. Die grösste Herausforderung war, den Elan, die Kreativität, die Lust am Machen, den Spaß an der Zusammenarbeit mit Kollegen aus der jeweils anderen Kultur, die Neugier zu erhalten und natürlich auch Frusterlebnisse schnell in produktive neue Ideen umzumünzen. Dabei haben uns das hervorragende Presseecho und die gute Zuschauerresonanz entscheidend geholfen.
Um die Übersichtlichkeit und Wiedererkennbarkeit von THEMA, wie wir unser Programm später nannten, zu erhalten und zu verbessern, haben wir jedem der drei Abende eine inhaltliche und thematische Orientierung gegeben.
Die Sonntage sollten einem breiten Familienpublikum gewidmet sein mit einem attraktiven Spielfilm in der Primetime. Dienstags ging und geht es um Politik, soziale und wirtschaftliche Themen. Der Donnerstag war der Kultur vorbehalten, wobei unser Kulturbegriff nicht nur die schönen Künste umfasst, sondern auch Themen, die der sogenannten Alltagskultur zugerechnet werden.
Nach der letzten Schemaänderung findet THEMA Kultur jetzt am Freitag in der zweiten Abendhälfte statt, was uns die Chance eröffnet, das Wochenende mit einem ebenso anspruchsvollen wie erfolgreichen Programm zu beginnen. Dieser Wechsel hat sich sehr gut ausgezahlt. THEMA am Freitag hat die Marke noch einmal stärker im Bewusstsein der Zuschauer verankert. Die Resonanz ist sehr ermutigend und lässt uns hoffen, dass wir die zur Zeit aus meiner Sicht zu kurze Sendedauer verlängern können.
THEMA ist eine andauernde Herausforderung für alle Beteiligten bei den deutschen Sendern, für unsere französischen Kollegen, die vielen Produzenten, Autoren und Regisseure aus ganz Europa, die uns mit guten Ideen und trotz sinkender Budgets mit originellen Filmen beliefern und last but not least auch für die KollegInnen in der Straßburger Zentrale, die das Ganze überzeugend planen und auf den Bildschirm bringen müssen.

Was war für Sie persönlich der größte Augenblick in der bisherigen Geschichte der Themenabende?

Es gab und gibt so viele wunderbare Augenblicke während meiner Zeit in Straßburg und jetzt im ZDF. Deshalb vermag ich nicht einen einzigen hervorzuheben. Was bleibt: die Zusammenarbeit mit Wim Wenders an "Buena Vista Social Club", Pepe Danquart nach dem Bosnienkrieg in Mostar bei den Dreharbeiten zu "Nach-Saison" zu begleiten, die Premieren von "Heimspiel", Moro no Brasil" und "Super8Stories" bei der Berlinale, die Begegnung mit Jeanne-Claude, Christo und Albert Maysles anlässlich des verhüllten Reichtags. Und natürlich auch die besondere Situation nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center , die das THEMA-Team in Straßburg ebenso professionell wie erfolgreich gemeistert und damit ARTE journalistisch konkurrenzfähig gemacht hat. Ein unvergessliches Erlebnis war auch das Gespräch 1994 mit dem Dalai Lama zur Vorbereitung seines Besuches im ARTE-Studio.
Aktuell freue ich mich über die Chance, mit André Heller am Kulturprogramm der Fußball-WM mitarbeiten zu dürfen und auf unser großes Fußballprojekt "The Art of Football" mit John Cleese, das Hermann Vaske in einer internationalen Koproduktion für ZDF/ARTE realisieren wird. Und schließlich bin ich auch sehr gespannt auf die erneute Zusammenarbeit mit Wim Wenders, der 20 Jahre nach dem Dreh von "Paris-Texas" an den Ort der Handlung zurückkehren wird, "Paris-Texas revisited".

Das Interview führte Lucia Göhner

Erstellt: 01-09-08
Letzte Änderung: 01-09-08