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ARTE Journal - 12. September 2011 - 29/09/11

Szenario: Staatsbankrott

In der Diskussion um die Eurokrise und die Situation Griechenlands wird inzwischen auch das Szenario des Staatsbankrotts nicht mehr ausgeschlossen: es soll im Bundeswirtschaftsministerium erörtert worden sein, auch Bundeswirtschaftsminister Rösler hat als erster in der Regierung eine "geordnet Insolvenz" in Erwägung gezogen. Doch was würde das für einen Staat bedeuten? ARTE Journal erklärt das Szenario.


Was ist ein Staatsbankrott?
Er tritt dann ein, wenn ein Staat kann seine Schulden im In- und Ausland nicht mehr bezahlen kann. Das könnte im Fall Griechenlands drohen. (Eine Regierung kann aber auch die politische Entscheidung treffen, ihre Verbindlichkeiten nicht mehr zu zahlen.)


Wie kommt es dazu?
Ursache ist meist Überschuldung, der Staat hat deutlich mehr Ausgaben als Einnahmen. Der Staat hat etwa viel Geld in Konjunkturprogramme gesteckt, in Unternehmen, oder in die Rettung seiner Banken. Das über Jahre oder Jahrzehnte angestaute Defizit wird durch die Einnahmen des Staates, etwa aus Staatsanleihen, die er an Finanzmärkten ausgibt, nicht ausgeglichen.


Ratingagenturen, welche die Kreditwürdigkeit des Staates einschätzen, also dessen Fähigkeit, seine Kreditzinsen und Tilgungsraten zurückzuzahlen, stufen einen überschuldeten Staat in der Regel herab. Damit wird es für ihn noch schwieriger und teurer, sich neues Geld zu leihen.


Was wären die Folgen eines Staatsbankrotts?
Der betroffene Staat würde weiter herabgestuft, und hätte es noch schwieriger, sich Geld zu leihen. Damit wäre der Staat vor allem auf Staatseinnahmen angewiesen, vor allem Steuern. Die Wirtschaft käme in noch größere Schwierigkeiten.


Die Folgen für die Banken
Inländische Banken, die Staatsanleihen besitzen, also dem Staat Geld geliehen haben, verlören dies zumindest teilweise, und gerieten ihrerseits in Schwierigkeiten. Dies könnte eine Panik unter den Sparern auslösen, die versuchen werden, ihr Geld abzuheben. Dadurch könnte die Banken ihrerseits in Gefahr geraten und einige bankrott gehen. Dann würde kaum eine Bank den Unternehmen noch Geld leihen, diese würden ihrerseits in Schwierigkeiten geraten – und kaum neues Personal einstellen. Im Ausland würden Gläubiger zumindest einen Teil ihrer Forderungen verlieren. Das könnte auch die Wirtschaft anderer Staaten beeinflussen.


Die Folgen für die Bevölkerung
Für die Bevölkerung würde der Bankrott mehr Arbeitslosigkeit und Armut bedeuten, da sie auch zumindest Teile ihrer Ersparnisse und Geldanlagen verlieren würden. Das Land hätte aber auch immer weniger Geld für Bildung, für Straßenbau, oder für das soziale Netz.

Interview


Links


Ifo-Institut: Stichwort Staatsbankrott

Wikipedia-Artikel Staatsverschuldung

Zeit.de: Staatsbankrott - Was passiert, wenn ein Land Pleite macht

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Interview






Erstellt: 12-09-11
Letzte Änderung: 29-09-11