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Essen, aber richtig

Auf einem Erdteil werden die Menschen immer dicker, auf dem anderen herrschen Hungersnöte.

Essen, aber richtig

Donnerstag, 9. April 2009 um 21.00 Uhr - 08/04/09

Super Size Me

Die sprichwörtliche Fettleibigkeit der Amerikaner nimmt der Regisseur Morgan Spurlock zum Anlass für einen masochistischen Selbstversuch: Einen Monat lang isst er nur bei McDonald's, mit der Auflage, nichts übrig zu lassen...

  • Super Size Me - Trailer

Mehr als ein Drittel der amerikanischen Kinder und Jugendlichen hat Gewichtsprobleme. Bei den Erwachsenen leiden sogar zwei Drittel unter Übergewicht oder Fettsucht. Warum sind viele Amerikaner so fett? Häufig werden dafür die Fast-Food-Ketten verantwortlich gemacht, doch Schadensersatzklagen krankhaft übergewichtiger Verbraucher wurden mangels Beweisen mehrfach abgeschmettert.

Morgan Spurlock will mehr in Erfahrung bringen über die Folgen dieser Ernährung und die Auswirkungen von Junkfood auf die Gesundheit. Er befragt dazu Fachleute in über 20 Städten der USA, von New York bis Houston: einen ehemaligen Gesundheitspolitiker, Fitnesstrainer, Schulkantinenköche, Marketingprofis, Rechtsanwälte und Lobbyisten. Während seiner Nachforschungen entscheidet sich Morgan Spurlock für einen Selbstversuch: Er wird unter fachkundiger Überwachung durch drei Ärzte 30 Tage lang ausschließlich bei McDonald's essen und in dieser Zeit möglichst oft mit dem Taxi fahren, um höchstens 5.000 Schritte täglich zurückzulegen - die durchschnittliche Gehstrecke eines Amerikaners.

Seine selbst auferlegten Regeln: Frühstück, Mittag- und Abendessen müssen täglich bei McDonald's eingenommen werden. Jedes Gericht auf der Karte muss mindestens einmal gegessen werden. Keine Ausnahmen. Gegessen wird nur, was es bei McDonald's gibt. Wasser darf dort getrunken werden. Super-Size-Menüs, die extragroße Variante, müssen immer dann gegessen werden, wenn sie ihm von den Mitarbeitern am Counter angeboten werden.

In den 30 Tagen nimmt er 13 Kilogramm zu. Die Ärzte raten ihm zum vorzeitigen Abbruch des Experiments, doch er ist fest entschlossen, es bis zum Ende durchzustehen ...

Spurlocks Film, eine Mischung aus subjektiver Kritik und harter Recherche, Reality-TV, trashigem Tagebuch und masochistischem Selbstversuch à la Jackass, ist witzig aber auch erschreckend, wenn man die Fakten betrachtet: Fettsucht ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Todesursache in Amerika. Nach Aussagen des Rechtsanwaltes zweier adipöser Mädchen in einem Gerichtsverfahren, das diese gegen den Fast-food-Marktführer angestrengt hatten, sind die Fast-food-Restaurants in hohem Maße für diese "nationale Epidemie" mitverantwortlich. McDonald's weist diese Vorwürfe nicht nur vehement zurück, sondern stellt sogar lobend die ernährungsphysiologischen Vorzüge des eigenen Speisenangebots heraus. Die offenkundige Absurdität dieser Aussage nutzt Spurlock für seinen Film, indem er sie immer wieder mit der Wirklichkeit der Fast-food-Welt kontrastiert und so die Widersprüchlichkeit dieser Behauptungen der Fast-food-Restaurants aufdeckt.

Er entlarvt die Marketingtricks, mit denen Kinder "angefüttert" werden, die Gier nach immer mehr Essen und die Junkfood-"Kultur" in den Schnellrestaurants und Schulkantinen zwischen New York und Texas. Und gleichzeitig macht er sich selbst zum Versuchskaninchen eines Fressexperiments im Stil einer Body-Art-Performance. Tag für Tag fordert er seinen Körper, stopft sich voll bis zur Übelkeit, schonungslos beobachtet von der Kamera. Die Folgen der Big-Mac-Diät sind bald unübersehbar: Bauchschmerzen, Erbrechen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, depressive Verstimmung, verminderte Libido, erhöhte Cholesterinwerte, Bluthochdruck, krankhafte Leberveränderungen, gesteigerte Esslust und vor allem eine enorme Gewichtszunahme. 14 Monate brauchte er anschließend, um die Kilos wieder abzuspecken. Fazit: Essen kann ein Vergnügen sein, aber schlechtes Essen eine tödliche Gefahr.

Der Dokumentarfilm erhielt 2005 eine Oscarnominierung als bester Dokumentarfilm sowie den Preis für die beste Regie in der Kategorie Dokumentarfilm beim Sundance Filmfestival 2004. Außerdem bekam er den Preis des Verbandes der amerikanischen Drehbuchautoren für das beste Dokumentarfilmdrehbuch (2005) und zahlreiche weitere Auszeichnungen.


Super Size Me
Samstag 11. April 2009 um 15.40 Uhr
Keine Wiederholungen
(USA, 2004, 98mn)
ARTE F

Erstellt: Tue Apr 07 00:00:00 CEST 2009
Letzte Änderung: Wed Apr 08 09:03:49 CEST 2009