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ARTE Reportage

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Samstag 8. Januar 2011 um 18.15 Uhr - 04/01/11

Sudan: Ein Land zerbricht ...

Von Thomas Dandois, David Geoffrion und Alexandra Kogan – ARTE GEIE / Camicas Productions  - Frankreich 2010
 
« Der Südsudan – das neue Land. Ein freies Land », rufen die Menschen in den Straßen der Hauptstadt seit Wochen. Am 9. Januar werden die Sudanesen in einem Referendum darüber abstimmen, ob die autonome Region Südsudan sich künftig als eigenständige Nation ganz vom Sudan lösen darf. Nach 22 Jahren Bürgerkrieg und vielen politischen Wirrungen droht dem Land damit die Spaltung zwischen arm und weniger arm: Denn im Südsudan liegen die Erdölquellen – ohne das Öl versänke der Norden in tiefe Armut.

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Schon die Organisation des Referendums stößt auf logistisch schwer überwindbare Schwierigkeiten : Sechs Monate im Jahr tränkt der Regen die Pisten und tiefer Schlamm macht sie unpassierbar - in den sechs Monaten der Trockenheit zerreißt es die Erde auf tausenden Kilometern und verwandelt die Straßen in Rüttelpisten. Die Wahlbeobachter der UNO fliegen in die entlegenen Dörfer im Inneren des Landes per Hubschrauber. Nach den Jahren des Bürgerkriegs ist es schwer, die Menschen dazu zu bewegen, sich in die Wählerlisten einzutragen und dann auch noch wählen zu gehen. 75 Prozent der Sudanesen sind Analphabeten. Ihre „Unterschrift“ leisten sie per Fingerabdruck. Das einzige Kommunikationsmittel ist hier noch die Mund-zu-Mund-Propaganda.
 
Die ehemaligen Rebellen verwandeln sich auf der Suche nach einer Zukunft zu tausenden in Polizeischüler, reguläre Soldaten oder künftige Gefängniswärter. Die besten unter ihnen werden vom Staat auserwählt, um die Sicherheit beim Referendum zu gewährleisten. Ehemalige Kindersoldaten haben ihre Waffen gegen Mikrofon und Lautsprecher getauscht, um die Wähler zur Abgabe ihrer Stimme beim Referendum aufzurufen.
 
Und über allem schwebt der Kampf um die Ölreserven im Süden, auf dem Gebiet der möglichen neuen Nation. Sollte der Südsudan nach dem Referendum wirklich unabhängig werden vom Gesamtstaat Sudan, dann könnte dies zu neuen Ausbrüchen von Gewalt führen. Die Menschen an der Grenze zwischen Norden und Süden aber sehnen nichts so sehr herbei wie einen dauerhaften Frieden.

ARTE Reportage
Samstag 15. Januar 2011 um 06.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2010, 42mn)
ARTE

Erstellt: 22-12-10
Letzte Änderung: 04-01-11