Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > DVD-News > DVD News > Sturz ins Leere

DVD-News

Die ARTE DVD-Empfehlungen im Überblick

DVD-News

14/01/05

Sturz ins Leere

Ein Film von Kevin Macdonald


Dokudrama einer
lebensgefährlichen Bergbesteigung

Externe Links

Synopsis

1985 besteigen die beiden Kletterfreunde Joe Simpson und Simon Yates in drei Tagen als erste die 6356 Meter hohe Westwand des Siula Grande in den peruanischen Anden. Beim Abstieg stürzt Joe und zerschmettert dabei sein Kniegelenk. Bei einer spektakulären Ein-Mann-Rettungsaktion stürzt Joe in eine Wand direkt über einer Gletscherspalte und hängt stundenlang hilflos über dem Abgrund. Simon kappt das Seil, als er sich selbst kaum mehr halten kann …
Wie durch ein Wunder überleben sie beide.

Die Kritik zum Film

Darf ein Bergsteiger das Seil kappen, an dem sein Kamerad hängt? Hätte der damals 21-jährige Simon Yates das Seil nicht durchgeschnitten, sie wären beide gestorben. In dieser extremen Notsituation entschloss sich Yates jedoch, diesen absoluten Tabubruch der alpinen Regeln zu begehen. Diese Tat ist ihm seitdem häufig vorgeworfen worden. Joe Simpson schrieb ein Buch über das für ihn fast tödliche Abenteuer. Er widmete es Simon Yates und hoffte ihn damit zu entlasten. Das Buch wurde zum Bestseller und der britische Produzent John Smithson beschloss es als Dokudrama zu verfilmen.

Ursprünglich jedoch kaufte ein Hollywoodstudio die Rechte, und wollte die Geschichte mit Tom Cruise in der Hauptrolle verfilmen. Doch die Studiobosse wussten zum Glück nicht, wie man einen mehrtägigen inneren Monolog verfilmen kann, und gaben die Rechte wieder frei.

Der britische Produzent John Smithson hat eine zwar sehr ungewöhnliche, aber in diesem Fall sehr effektive Art und Weise gefunden, das Bergsteigerdrama filmisch umzusetzen: Joe Simpson und Simon Yates erzählen jeweils aus ihrer Perspektive mit Blick in die Kamera ihre Geschichte. Dazwischen wird die Besteigung und der Abstieg von Schauspielern und einem Stuntdouble nachgestellt. John Smithson war es extrem wichtig, dass die gefilmten Szenen extrem realistisch wirken: „Jeder, der selbst schon mal Berge bestiegen hat, soll sagen: ‚Genau so ist es.’“ Die Gründlichkeit seiner Inszenierung gibt ihm Recht. Der Film wurde weltweit und auch in seinem Heimatland Großbritannien zu einem ungeahnt grossen Erfolg.

Der bereits mit einem Oscar für seinen Dokumentarfilm EIN TAG IM SEPTEMBER (über das Geiseldrama bei den Olympischen Spielen 1972) ausgezeichnete Regisseur Kevin Macdonald inszenierte souverän diesen ungewöhnlichen Film. Obwohl der Zuschauer bereits zu Beginn weiß, dass das Drama ein Happy End finden wird, bleibt STURZ INS LEERE bis zuletzt spannend, was nicht zuletzt an den atemberaubenden Bildern der Schnee- und Eiswüste liegt. Dieser Film ist nicht nur für Freunde der Berge zum empfehlen, denn sein Thema ist universell: Es geht um den Willen zu Überleben, trotz oder grade in besonders aussichtslosen Situationen.

Das Bonusmaterial
Für den Film STURZ INS LEERE gibt es eine eigene DVD mit über einer Stunde Bonusmaterial. Eine reichhaltige Fundgrube für jeden interessierten Zuschauer, der weitere Informationen sowohl zur Geschichte als auch zum Dreh haben möchte.
Bei der 25-minütigen, deutsch eingesprochenen englischen Kurzdokumentation RÜCKKEHR ZUM SIULA GRANDE führte ebenfalls Kevin Macdonald Regie. Hier erfährt man Details über die unglaublich schwierigen und aufwendigen Dreharbeiten. 70 Esel schleppen 6 Tonnen Ausrüstung den Berg hinauf. Das Team besteht aus 7 Bergsteigern, einem 6-köpfigen Filmteam, 12 peruanischen Helfern, Joe Simpson und Simon Yates. Ziel ist es, in den peruanischen Anden Landschaftsaufnahmen und Totalen zu filmen, während die Nahaufnahmen in den französischen Alpen gedreht werden. Das Filmteam muss dieselben klimatischen Widrigkeiten durchstehen wie die Kletterer damals – Unterkühlungen, Erfrierungen und technische Ausfälle sind an der Tagesordnung. An einigen Tagen können nur wenige Minuten gedreht werden.
Für Joe ist die Rückkehr teilweise eine traumatische Erfahrung. Manchmal ist er knapp vor einem Panikanfall, weil seine Erinnerungen an die furchtbarsten Erlebnisse seines Lebens erneut auf ihn einbrechen. Simon zeigt keine emotionale Regung wenn er sagt: „Ich bin Abenteurer. Dies war ein Abenteuer. Wenn ich wieder zu Hause bin, schicke ich Ihnen gerne meinen Lebenslauf, in dem alle meine Abenteuer stehen.“
WHAT HAPPENED NEXT berichtet – ebenfalls deutsch eingesprochen – wie traumatisch die Rettungsaktion Joe Simpsons weiterging, nachdem er sich zum Basislager zurückschleppen konnte. Nachdem er zwei Tage festgezurrt auf einem Muli verbracht hatte, musste er eine ihm endlos erscheinende Autofahrt mit einem Alkoholiker am Steuer hinter sich bringen, um schließlich in Lima im Krankenhaus zu landen. Doch dort wollte man ihn nicht behandeln, weil er nicht die richtige Versicherung hatte. Er hatte aber auch kein Geld, um eine Behandlung vorab zu bezahlen. Das Drama wollte nicht enden…
Im Interview (englisch mit deutschen Untertiteln) bestätigt Produzent John Smithson, dass STURZ INS LEERE die mit Abstand schwierigste Produktion seines Lebens war. Er selbst litt unter Höhenangst und der Bergführer forderte ihn auf, vorauszugehen, auf einem Pfad, bei dem es rechts und links 3000 Meter abwärts ging. John Smithson jubelt: „ Ich schaffte es, ich habe meine Höhenangst kuriert!“ Auch sonst kann der mutige Produzent stolz sein, er investierte in den erfolgreichsten britischen Dokumentarfilm aller Zeiten. Brian Hall, der als leitender Bergführer engagiert war, berichtet über die aufwendigen Sicherheitsvorrichtungen des Drehs. Brendan Mackey, der den Joe Simpson in den Nahaufnahmen und einigen einfachen Szenen verkörperte, erzählt etwas nichtssagend, wie stolz er drauf ist, mitspielen zu dürfen. David Cuthbertson wurde eigentlich als Sicherheitsmann während des Drehs engagiert – endete aber schließlich als Double für die gefährlichen Szenen. Er berichtet sehr überzeugend von seinem 25 Meter tiefen Sturz, der nur knapp vor einer Gletscherspalte endete. Während des Falls schrie er lauthals vor Angst. Hilflos am Seil hängend hörte er daraufhin über das Walkie Talkie des Regisseurs, dass dieser gerne einen zweiten Sturz hätte, weil ihm der erste „zu kontrolliert“ ausgesehen habe…
Nana A.T. Rebhan
Sturz ins Leere
Regie: Kevin Macdonald
Mit Joe Simpson, Simon Yates, Richard Hawking, Brendan Mackey u.a.
Großbritannien 2003, 106 Minuten
Sprachen: Englisch mit deutschen Untertiteln, bzw. deutsch eingesprochen
Extras:
- Rückkehr zum Siula Grande
- What Happened Next
- Interview mit dem Produzenten, John Smithson
- Interview mit dem Schauspieler Brendan Mackey
- Interview mit dem Leitenden Bergführer, Brian Hall
- Interview mit dem Stunt Double, David Cuthberson

Erstellt: 14-01-05
Letzte Änderung: 14-01-05