13/04/12
"Heimweh nach der Gasse" (Gribiche)
Montag, 29. August 2011 um 23.30 Uhr
Ein kleiner Arbeiterjunge wird von einer reichen amerikanischen Familie adoptiert. Trotz des Wohlstands, der ihn umgibt, vermisst der Junge sehr schnell seine natürliche Umgebung und flieht zurück zu seiner richtigen Mutter.
Erstausstrahlung der zusammen mit der Pariser Cinémathèque restaurierten Fassung des Stummfilms von Jacques Feyder (Frankreich 1925)
Nachdem der kleine Gribiche die im Kaufhaus vergessene Handtasche voller Geld an seine Besitzerin - eine reiche Amerikanerin - zurückgegeben hat, entschließt sich diese, ihn zu adoptieren. Schweren Herzens lässt ihn seine Mutter, eine Fabrikarbeiterin, ziehen. Sie hofft, ihm so eine bessere Zukunft zu bieten. Einen Vater hat der Kleine seit dem Krieg nicht mehr. Die Mutter hat in Philippe Gavary, Vorarbeiter in derselben Fabrik, einen galanten Verehrer ...
Für Gribiche beginnt ein neues Leben. Madame Maranet sorgt sich um das Wohl des Jungen und er bekommt einen straffen Tagesplan, der eingehalten werden muss. Er lernt nun Mathematik und Literatur, muss merkwürdige Dinge essen und darf nicht mehr viel spielen. Eingesperrt in einem goldenen Käfig versucht Gribiche, diesem immer wieder zu entkommen, was Madame Maranet nicht gerne sieht. Als ihm sogar der Besuch seines Lieblingsvolksfestes verweigert wird, beschließt er zu fliehen. Er schreibt einen Abschiedsbrief und schleicht sich unbemerkt aus dem Haus. In einem Bistro trifft er jedoch auf zwei Angestellte von Madame Marenet und muss diesen entkommen.
Gribiche findet den Weg zu seinem Zuhause und seiner Mutter, die in der Zwischenzeit Phillippe Gavary geheiratet hat. Der sieht die Rückkehr von Gribiche mit Wohlwollen. Auch Madame Maranet hat mit dem kleinen Ausreißer ein Nachsehen, lässt ihn bei seiner Mutter leben und finanziert ihm trotz allem seine Ausbildung.
Die neu restaurierte Fassung des Films wurde auf dem 28. Festival in Pordenone „Le Giornate del Cinema Muto“ 2008 gemeinsam mit dem Film „Les Nouveaux Messieurs“ desselben Regisseurs aufgeführt. Nach jahrelanger Recherchearbeit wurde der Film von der Cinemathèque Française restauriert. „Gribiche“ ist der Erste von drei Filmen, die Feyder mit dem französischen Produzenten Albatros realisierte.
Nach seiner Militärausbildung begann Jacques Feyder 1908 im Theater zu arbeiten. Vier Jahre später war er in Filmen von Georges Méliès, Louis Feuillade, Victorin Jasset und Gaston Ravel als Statist zu sehen. Von 1912 bis 1915 war er Assistent von Ravel. Zwischen 1915 und 1917 drehte er 15 kürzere Filme für die Gaumont. Erst mit „L’Atlantide“ (1921) nach einem Roman von Pierre Benoît erhielt Feyder gröβere Aufmerksamkeit, einem Film in dem er mit großer Kreativität die Möglichkeiten des Stummfilms nutzte.
Feyder drehte Filme für alle Schichten und klammerte keine Bevölkerungsgruppe aus seinen Geschichten aus. Er verstand es, Avantgarde und kommerzielles Kino in seinem Werk zu versöhnen. Feyder war der Ansicht, dass nur Filme mit einer nationalen Prägung wirklich international erfolgreich sein könnten. Dass nur das künstlerisch Singuläre das Interesse der Menschen auf den fünf Kontinenten wecken könnte. Dies war in der Zeit der kosmopolitischen Ansätze höchst revolutionär. Oft drehte er nach literarischen Vorlagen, da diese für ihn am besten die Menschen und die Atmosphäre der Zeit charakterisierten.
Während seiner Zeit in Hollywood hat er mit Greta Garbo ihren letzten Stummfilm „Der Kuss“ (1929) realisiert sowie die deutsche und schwedische Version ihres ersten Tonfilms „Anna Christie“.
"Heimweh nach der Gasse"
(Gribiche)
Spielfilm, Frankreich 1925
125 Min. / Stummfilm
ARTE France
Regie: Jacques Feyder; Drehbuch: Jacques Feyder;
Kamera: Roger Forster, Maurice Desfassiaux; Musik: XX; Schnitt: XX; Produktion: Films Albatros; Produzent: Alexandre Kamenka
Mit: Françoise Rosay (Madame Maranet), Jean Forest (Antoine Belot alias Gribiche), Cécile Guyon (Anna Belot), Rolla Norman (Philippe Gavary), Armand Dufour (Fahrer) u.a.
Gribiche
Dienstag 27. März 2012 um 00.30 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 1925, 125mn)
ARTE F
Erstellt: 26-08-11
Letzte Änderung: 13-04-12