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22/05/2007 - Jazz - 28/08/08

Stefano Battaglia

„Re: Pasolini“


Der Musiker Stefano Battaglia befasst sich auf seinem aktuellem Album mit Italiens provozierendsten und meistdiskutierten Schriftsteller und Regisseur, mit Pier Paolo Pasolini.

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Pasolini ist aufgrund seiner kompromisslosen künstlerischen und ideologischen Haltung, einer der zentralen Vertreter der italienischen Literatur- und Filmszene der Nachkriegszeit. Er hat Literatur und Kunstgeschichte studiert und zunächst als Lehrer gearbeitet, bis er aufgrund seiner Homosexualität aus dem Schuldienst und auch aus seiner Partei, der KP ausgeschlossen wurde. Neben Gedichten schrieb Pasolini neorealistische Romane und Theaterstücke und war Drehbuchautor für Federico Fellini. Ab 1961 begann er als Regisseur Filme zu realisieren, in denen er meist christliche, marxistische und psychoanalytische Elemente zu metaphysischen Parabeln vereinigte. Wie kann man sich einer solch eindrücklichen Künstlerpersönlichkeit und seinem komplexen Werk musikalisch nähern?
Der 1965 in Mailand geborene Pianist Stefano Battaglia interessiert sich vor allem für die Koexistenz der vielfältigen Gegensätze in Pasolinis Werk. Battaglia greift in seinen Kompositionen diese extrem verschiedenartigen Stimmungen auf und kombiniert sie mit biografischen Referenzen aus Pasolinis Leben und dem seiner Schauspieler oder stellt musikkulturelle Bezüge zu den Drehorten her. Um die voneinander divergierenden Atmosphären herausstellen zu können, hat Battaglia „Re: Pasolini“ als Doppelalbum konzipiert. Die erste CD hat der Pianist mit den Musikern von Pietra Lata Sestetto eingespielt. Sowohl Battaglias Improvisationen, als auch die seiner Mitmusiker sind von einer melancholischen, sehr melodischen Stimmung geprägt, die vereinzelt nostalgische Züge trägt. Die zweite CD wurde mit Musikern aufgenommen, die bereits mit Louis Sclavis (s. Arte-Cd-Tipps 20.03.07 und 15.01.04) zusammengearbeitet haben, mit Dominique Pifarély, Bruno Chevillon und Vincent Courtois. Durch die eher düsteren und schweren Stücke ziehen sich die acht Variationen der Komposition „Lyra“ hindurch, wie ein Filmmusikthema. Battaglia wendet sich auf der zweiten CD Pasolinis konfliktreicher Beziehung zur Kirche und seiner radikal politischen Einstellung zu, als auch seinem gewaltsamen Mord 1975 in Ostia.

Stefano Battaglia ist eine eindrucksvolle musikalische Reminiszenz an die Künstlerpersönlichkeit Pier Paolo Pasolini gelungen. Mit viel Feingefühl und einem ausgeprägten Gespür für die verstörend schönen Momente in Pasolinis Filmen, gelingt es ihm diese musikalisch zu interpretieren und darüber hinaus, sowohl die Kraft im Werk des Künstlers zu portraitieren als auch seine Brüchigkeit.



Matthias Schneider

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Stefano Battaglia
"Re:Pasolini"
ECM / Universal France

www.ecmrecords.com
www.jazzecho.de

Erstellt: 21-05-07
Letzte Änderung: 28-08-08


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