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Filmfestival

Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

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Internationale Filmfestspiele Berlin 2008 - Wettbewerb - 01/09/08

Standard Operating Procedure

Ein Dokumentarfilm von Errol Morris


Aufwändiger Dokumentarfilm über die Vorgänge im Abu-Ghraib-Gefängnis, mit fragwürdiger Ästhetisierung.

Synopsis: Der erste und einzige Dokumentarfilm im offiziellen Berlinale-Wettbewerb untersucht die Folterungen und Erniedrigungen irakischer Gefangener durch amerikanische Soldaten im Abu-Ghraib-Gefängnis in Bagdad. Die von den Soldaten selbst aufgenommenen Fotos gingen um die ganze Welt und stehen – zusammen mit Guantanamo – für den kriminellen und inhumanen Umgang des amerikanischen Militärs mit seinen Gefangenen. Errol Morris, der 2003 für seinen Dokumentarfilm über Robert McNamara („The Fog Of War“) einen Oscar erhielt, geht in seinem aufwändig produzierten neuen Film nicht nur der Frage nach, was in Abu-Ghraib wirklich passierte, sondern auch, wie es dazu kam.

Großer Preis der Jury: Standard Operating Procedure
Kritik: Die Bilder der nackten, angeketteten und aufeinander gehäuften Gefangenen sind noch in allen Köpfen präsent, aber verurteilt wurden wieder einmal nur die ausführenden Soldaten, nicht die eigentlich Verantwortlichen. Und diese Soldaten und Soldatinnen waren natürlich nur die letzten und wahrscheinlich schwächsten Glieder in dem unvermeidlichen Prozess der Brutalisierung und Enthumanisierung durch jeden Krieg. Das zeigt der Film anhand erstaunlich offener Zeugenaussagen der Beteiligten und der Untersuchungsbeamten – nur dürfte das für einen einigermaßen politisch informierten Zuschauer keine Überraschung mehr sein. Und der Film zeigt es leider auch auf eine durch künstliche Ästhetisierung und Dramatisierung, durch einen aufdringlichen Musikteppich, durch Zeitlupe und digitale Spielereien höchst fragwürdige Art. Die Zeugen sind in Großaufnahme perfekt ausgeleuchtet, sie sprechen flüssig, teilweise sogar mit dramaturgischer Spannung, und das Erzählte wird in pseudo-dokumentarischen grobkörnigen Bildern nachgestellt, oder in extremen Zeitlupen stilisiert. Zusammen mit der dramatischen Musik ist das eindrucksvoll und stark emotionalisierend, zur Aufklärung trägt es allerdings wenig bei - die Sache selbst verschwindet hinter diesen wuchtigen Bildern.

Dabei sind die Aussagen der Beteiligten durchaus spannend und interessant genug, um sie für sich selbst stehen zu lassen. Wenn z. B. einer der die Vorgänge untersuchenden Beamten beiläufig sagt, es sei einfach dumm gewesen, solche Fotos zu machen, und für diese Dummheit müssten die Soldaten jetzt eben ins Gefängnis, dann ist das erhellender als jede schicke Digital-Montage aus Gefängnis-Bildern, die man fast alle schon oft gesehen hat. Oder wenn ganz sachlich der Unterschied erklärt wird zwischen dem, was noch eine legale Verhörmethode ist (standing operating procedure) und dem Punkt, an dem das Verbrechen anfängt (criminal act): Nackt ausziehen, festbinden, Kapuze über den Kopf – alles noch legal, weil es nur Angst machen soll; schlagen oder zu sexuellen Handlungen zwingen ist dann aber ein krimineller Akt. Gut für diesen Polizisten, dass er immer genau zu wissen glaubt, wo diese Grenze verläuft. Aber auch das wird gleich in Großaufnahme mit einem mächtigen Stempel auf die Akte und großer Sound-Kulisse illustriert, was einen unseriösen Eindruck hinterlässt. Mit zu viel dramatischer Ästhetisierung der Bilder, mit Tricks und Renactement, verrät der Film seinen aufklärerischen Anspruch an seine prätentiöse Form. Der moderne Krieg bestialisiert die Menschen, das wusste man schon vor dem Film, und die Folterung von Kriegsgefangenen ist kein Thema für filmische Spielereien.

Thomas Neuhauser
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Standard Operating Procedure
USA, 2008, 118 min
Regie: Errol Morris

Erstellt: 08-02-08
Letzte Änderung: 01-09-08