Sozialer Wohnungsbau
Mehr als fünf Millionen Wohnungen fehlten nach Kriegsende 1945 und noch 1950 teilten sich 60 Prozent aller Haushalte die Wohnung mit anderen Haushalten. Die Schaffung von Wohnraum war zwingend notwendig und hatte höchste Priorität. Städtebau bedeutete vor allem Wohnungsbau, den der Staat mit großem Ehrgeiz vorantrieb. Das 1950 verabschiedete erste Wohnbaugesetz legte den Grundstein für den Sozialen Wohnungsbau und versprach dem Volk 1,8 Millionen Wohnungen innerhalb der nächsten sechs Jahre. Bis Ende der 50er Jahre wurden mehr als fünf Millionen Wohnungen gebaut, von denen rund 60 Prozent Sozialwohnungen waren. Allerdings kamen vor allem Beamte, Angestellte und Facharbeiter in den Genuss einer solchen Neubau-Mietwohnung. Für die wirklichen „Sozialfälle“ war die Lage weiterhin oft düster. Bereits 1956 begann der Staat, sich aus der Förderung zurückzuziehen, was schnell Mieterhöhungen zur Folge hatte. Wer es sich leisten konnte, investierte dann lieber gleich in die eigenen vier Wände und zog weg. Wer blieb, konnte sich nichts anderes leisten. Die Wohnämter reagierten auf den sich entwickelten Leerstand Mitte der 1970er Jahre mit der Zuweisung von Mietern, die bisher nicht von der öffentlichen Förderung profitierten: Ausländer, Einkommensschwache und Problemmieter. Dieser „soziale Abstieg“ veranlasste viele alteingesessene Bewohner auszuziehen und verschärfte damit die Image- und Sozialprobleme. In den letzten 50 Jahren ist die Zahl der Sozialwohnungen kontinuierlich gesunken: Rund 1,9 Millionen Sozialwohnungen gibt es heute noch, Tendenz fallend um 100.00 Wohnungen jährlich. Auch die Förderungspraxis hat sich inzwischen geändert: man fördert nicht mehr objekt- sonder subjektorientiert. Von dem seit Januar 2002 in Kraft getretenen Wohnraumförderungsgesetz sollen besonders Menschen mit Behinderungen, Arbeitslose oder Geringverdiener profitieren.

Geschichte des Wohnungs- und Städtebaus nach 1945
EU-Projekt URBAN II
Das Projekt Soziale Stadt
Quartiersmanagement Berlin

Raus aus der Stadt, rein in die Stadt
Die Zerstörungen des Krieges, die in einigen Städten bis zu 90 Prozent der ursprünglichen Bebauung betrafen, eröffneten den Stadtplanern fast unbegrenzte Möglichkeiten der Neu-Gestaltung der Städte. Das Idealbild war das der gegliederten und aufgelockerten Stadt, in der Wohnung, Arbeit und Freizeit räumlich getrennt sind. Die Ansicht, dass Wohnen in der Stadt unzeitgemäß sei und ebenso die starke Zunahme des Personenverkehrs ließen die Städte allmählich ins Umland ausufern. Der Umbau der Innenstädte erfolgte meist durch Kahlschlagsanierungen, die Platz machten für den Bau von Sozialwohnungen, während am Stadtrand die Reihenhaussiedlungen aus dem Boden sprossen. Das eigene Häuschen im Grünen war Symbol für Aufschwung, Wohlstand und Modernität, das vor allem einkommensstarke Mittelschichtfamilien ansprach. Bis Mitte der 1970er Jahre zogen immer mehr Menschen aufs Land, nicht nur, weil es mehr Menschen gab, sondern vor allem, weil sie es sich leisten konnten, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen.
Derweil wurden die zentralen Mietshäuser mit Altbauwohnungen kaum nachgefragt. Was nicht abgerissen wurde, blieb doch zumeist unsaniert, weswegen diese Art Wohnung erst aus einer Mangelsituation heraus wieder vermehrt Zuspruch fand. Mitte der 70er Jahre zogen vor allem Arbeitsemigranten und die geburtenstarken Jahrgänge in die Städte. Allmähliche Modernisierungsmaßnahmen werteten die Quartiere auf und lockten mehr Mieter an. Das Stadtleben wurde in den 1980er Jahren erst für Anhänger der Grün-Alternativen-Szene interessant und später in den 90er Jahren für die Yuppies unabdingbar. Beide wandten sich vom bürgerlichen Lebensmodell der Eltern in den Vorstädten ab und neuen Freiheiten zu, mit denen die Stadt lockte: Wohngemeinschaften, räumliche Nähe von Wohn-, Arbeits- und Kulturort, Vernetzungsmöglichkeiten mit Gleichgesinnten u.v.m.
URBAN und die Soziale Stadt
Durch die Zunehmende Sanierung von Gründerzeitvierteln setzte auch die Gentrifizierung ein, d.h. die Verdrängung der angestammten Bewohner durch höher qualifizierte und besser verdienende. In der Folge weisen die betroffenen Stadtteile eine immer homogenere Bevölkerungsstruktur auf, die explodierenden Mietpreise entscheiden Ein- oder Auszug. Wer es sich leisten kann, bleibt, wer nicht, geht. Die mangelnde Durchmischung führt gerade in weniger wohlhabenden Stadtvierteln zu immensen Problemen. Durch den Wegzug von Geschäften, Restaurants und Kulturstätten erstirbt das Leben im Viertel, Perspektivlosigkeit frustriert die Anwohner, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Kriminalität nehmen zu.
An dieser Stelle setzten verschiedene Projekte auf lokaler, nationaler und EU-Ebene an. Die 1994 eingeleitete Gemeinschaftsinitiative der Europäischen Union URBAN unterstützt Städte und Stadtviertel bei der Entwicklung von innovativen Strategien, mit denen sie der Krise begegnen wollen. Zwischen 1994 und 1999 wurden 118 Städten und Stadtvierteln 900 Millionen € zur Verfügung gestellt und für den Zeitraum von 2000 bis 2006 standen noch einmal 730 Mio. € bereit.
Seit 1999 besteht das Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“, das allein im letzten Jahr mehr 390 Projekte gefördert hat. Ziel des Programms ist es, die Wohn- und Lebensbedingungen zu verbessern. Dazu werden den Stadtteilbewohnern zusätzliche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen vermittelt, mit denen sie die Selbsthilfe angehen können.
Text: Christiane Wächter







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