Schriftgröße: + -
Home > Die Welt verstehen > ARTE Journal

ARTE Journal

ARTE Journal bietet den europäischen Blick auf die wichtigsten Ereignisse des Tages.

> > Staat und Kirche beenden Streit

ARTE Journal - 15. April 2010 - 16/04/10

Staat und Kirche beenden Streit

Bei der Aufklärung von sexuellen Übergriffen wollen der Staat und die katholische Kirche künftig enger zusammenarbeiten. Und Papst Benedikt XI. ruft in Aachen angesichts der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche erneut zu Reue und Buße auf.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, legten heute in Berlin ihren Streit über den Umgang mit sexuellem Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen bei. In einer gemeinsamen Erklärung dazu heisst es, den Betroffenen sei großes Leid zugefügt worden. Sie hätten ein Recht auf ehrliche Aufklärung.

Zuvor hatte die Justizministerin den Erzbischof erzürnt, weil sie der katholischen Kirche mangelnden Kooperationswillen dabei vorgeworfen hatte. Im Gespräch mit Zollitsch verlangte sie, innerkirchliche Maßnahmen dürften Ermittlungen der Justizbehörden nicht behindern. Diese müssten bei jedem Verdacht auf Missbrauch eingeschaltet werden. Der Erzbischof bekräftigte, der Opferschutz habe eine besondere Bedeutung. Damit soll das Vertrauen in die Kirche wieder hergestellt werden. Die Bischöfe wollen künftig neue Verdachtsfälle sofort an deutsche Strafverfolgungsbehörden melden, was früher nur selten geschah.

Ausgelöst wurde die Lawine von Vorwürfen, als Ende Januar am Canisius-Kolleg in Berlin Missbrauchsfälle bekannt wurden. Zwei als Lehrer tätige Jesuitenpater sollen dort in den 70er und 80er Jahren mindestens 30 Kinder und Jugendliche sexuell und körperlich missbraucht haben. Danach erhoben immer mehr ehemalige Schüler katholischer Bildungsstätten schwere Vorwürfe gegen kirchliche Seelsorger und Lehrkräfte, auch wegen der gängigen Praxis der körperlichen Züchtigung. Auch der Bruder des Papstes Georg Ratzinger soll in den 80er Jahren als Chorleiter der Regensburger Domspatzen Kinder geprügelt haben.

Im Gegensatz zur Erklärung des Papstes, der zu Reue und Buße angesichts der zahlreichen Missbrauchsfälle aufrief, kommen aus dem Klerus auch verstörende Signale. Die Berichterstattung über pädophile und schlagende Priester verglich der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller mit der Haltung der Nazis. Der Augsburger Bischof Walter Mixa gibt der sexuellen Revolution der 68er-Generation die Schuld. Mixa steht nun aber selbst im Kreuzfeuer der Kritik. Mittlerweile haben 8 ehemalige Heimkinder eidesstattlich erklärt, sie seien von dem damaligen Stadtpfarrer im bayerischen Schrobenhausen mehrmals geschlagen worden.

Die Grünen-Politikerin Sabine Künast verlangte von der katholischen Kirche inzwischen klare Äußerungen zu einem Entschädigungsfonds, aus dem z. B. Therapien finanziert werden könnten.

Erstellt: 15-04-10
Letzte Änderung: 16-04-10