Seine Rolle als engagierter Intellektueller nimmt Sansal sehr ernst. Und das obwohl er erst mit 47 Jahren mit dem Schreiben angefangen hat. Unter dem Eindruck des Bürgerkrieges und des wachsenden islamistischen Terrors veröffentlicht er 1996 seinen ersten Roman Der Schwur der Barbaren. Der promovierte Ökonom – damals noch Spitzenbeamter im Industrieministerium – wird kurz darauf beurlaubt und 2003 wegen seiner regimekritischen Äußerungen aus dem Staatsdienst entlassen.
Doch weder das Berufsverbot noch die Morddrohungen können ihn davon abhalten, mit ätzendem Spott die Missstände in seiner Heimat anzuprangern. Unermüdlich und schonungslos schreibt er an gegen Diktatur, Islamismus und Korruption. Der mutige Romancier lässt sich von niemand einschüchtern. Den arabischen Nationalisten zum Trotz verfasst er seine Romane auf Französisch und reist trotz Drohungen der Hamas im Mai dieses Jahres zur Buchmesse nach Jerusalem.
Im Gespräch mit Vincent Josse beschreibt Boualem Sansal die Zustände in seinem Land und erklärt, weshalb trotz Arabischen Frühlings der Duft von Jasmin in Algerien kaum weht. Thema ist natürlich auch sein letzter halb-autobiographischer Roman: Rue Darwin, Die Darwin-Straße, erzählt die zerrüttete Kindheit eines Algeriers, der von seiner Zuhälter-Großmutter aufgezogen wird.
ARTE Journal, 18. Mai 2012






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