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Napoleon

Genialer Feldherr, vorausdenkender Reformer oder einfach nur Tyrann? Ob verehrt oder verachtet, der Mythos Napoleon lebt. 1804 ist Napoleon auf dem Höhepunkt (...)

Napoleon

Im Focus: Napoleon - 31/08/09

Spuren bis heute

Französische Revolutionsmaße - Der Meter löst die Elle ab

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Im Deutschland des ausgehenden 18. Jahrhunderts wird mit vielerlei Maß gemessen. Die Franzosen bringen Ordnung ins Durcheinander.

Wer im ausgehenden 18. Jahrhundert einen Markt in Deutschland besucht, der muss vielerlei Maße im Kopf haben. Gemessen wird in Elle, Zoll, Eimern und Biertonnen. Wobei eine Biertonne nicht gleich eine Biertonne sein muss. Und eine Elle kann unterschiedliche Längen haben. Es kommt eben darauf an, in welcher Region man gerade ist. Ganz schön verwirrend.

Buchtipp:
Eckart Kleßmann
Napoleon und die Deutschen
 
Der Historiker Eckart Kleßmann hat das Begleitbuch zur vierteiligen Dokumentation geschrieben. Das Buch ist beim Suhrkamp-Verlag erhältlich.

In nachrevolutionären Paris sind als Referenz für den Handel Metermaße in den Straßen zu finden. Die Kaufleute im Rheinland müssen als eine der Ersten die neuen Einheiten übernehmen, die seit der Revolution in Frankreich gelten. Meter, Liter und Kilogramm werden es zu lang währendem Ruhm bringen. Sogar der Kalender wird umgestellt. Eine Woche hat nun zehn Tagen. Der kirchliche Sonntag fällt weg. Fast wäre sogar noch die Uhr aufs Dezimalsystem umgestellt worden. Zehn Stunden sollte der Tag haben, 100 Minuten die Stunde. Doch diese Neuerungen setzen sich nicht durch. Meter, Liter und Kilogramm jedoch gelten noch heute in weiten Teilen der Welt.


Das Tagebuch von Förster Fleck, 1812
>> Unsere Lage wurde langsam dramatisch. Die Vorräte schrumpften immer mehr. Die Kommandos, die wir ausgesandt hatten, kamen immer öfter mit leeren Händen zurück.<<

Im Sommer 1812 bewegt sich Napoleons Grande Armee nach Russland. Ein Soldat aus Kassel hält seine Erinnerungen in einem Tagebuch fest: Förster Fleck. Das Buch gibt es noch heute. In der Universitätsbibliothek Göttingen im Büchermagazin unter der Signatur M24 liegt das abgegriffene Büchlein.

Darin beschreibt Förster Fleck minutiös die langen Märsche, den Hunger und das Leiden der Soldaten: Hitze, Mücken und Sümpfe machen das Vorankommen schwierig. Förster Fleck hält in seinen Erinnerungen fest, wie die Lage sich zuspitzt. Die Vorräte schrumpfen und das Beschaffen von Nachschub gestaltet sich schwierig. Die Soldaten werden von den Bauern angegriffen, deren Höfe sie plündern wollen. Das große Gefecht lässt auf sich warten: Die russischen Soldaten weichen einfach immer weiter zurück und locken Fleck und seine Kameraden immer tiefer ins feindliche Land hinein. Dort finden sie nichts zu essen, da die Dörfer oft verlassen und die Vorratskammern ausgeräumt sind. Fleck beschreibt, wie der Truppe mulmig zumute wird, als sie am Wegesrand gefallene französische Soldaten der Vorhut findet. Doch für die jungen Männer gibt es kein Zurück.

Napoleons Armee auf dem Rückzug: Im Winter 1812 müssen die Soldaten aufgeben. Nach der Katastrophe im brennenden Moskau, sind nun der Winter und Krankheiten die größten Gefahren. Der Soldat Förster Fleck aus Kassel wird Augenzeuge von schrecklichen Szenen. Verwundete Soldaten liegen am Wegesrand, dem Tode geweiht. Förster Fleck beschreibt in seinen Memoiren ein ganz besonders schreckliches Ereignis: In einer Scheune finden die Soldaten verstümmelte Soldaten, die dort vor sich hin vegetieren. Umso größer die Verzweiflung bei Förster Fleck, als er einen Bekannten aus Kassel unter den Todgeweihten entdeckt. Denn die Soldaten können nicht helfen. Sie müssen weiter und ihr eigenes Überlegen sichern. "Wir erreichten das alte Schlachtfeld von Borodino. Was wir dort entdeckten war grauenhaft."

Mehr zur Situation der deutschen Soldaten und zum ersten modernen Krieg unter: Der Preis der neuen Kronen



Erstellt: 02-06-06
Letzte Änderung: 31-08-09