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Cannes 2009

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Cannes 2009 - Offizieller Wettbewerb - 24/05/09

Spring Fever

Ein Film von Lou Ye


( Arte Bewertung: 5 ) Vom Leiden und der Leidenschaft einer Dreierbeziehung. Ein Film von Lou Ye.

  • Interview arte.tv: Lou Ye

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Synopsis: Luo Haitao bekommt den Auftrag auszuspionieren, ob Wang Ping seine Frau betrügt. Wang Ping hat einen leidenschaftlichen Lover und Luo Haitao selbst beginnt eine Affäre mit ihm, in die er sogar seine Freundin mit hineinzieht.

Kritik: "Spring Fever" ist eine Art umgekehrte Version von "Jules und Jim" (1962), dem Klassiker von François Truffaut in Sachen unglückliche Dreierbeziehung. "Spring Fever" ist ein Film über innere Entwicklungen, Leiden und Leidenschaft. Die äußere Handlung ist dabei minimal. Lou Ye hat bei seinen Dreharbeiten aus der Not eine Tugend gemacht: Nach seinem letzten Film "Summer Palace" (2006), der ebenfalls seine Premiere in Cannes feierte, wurde der Filmemacher von der chinesischen Regierung mit fünf Jahren Berufsverbot belegt. Lou Ye drehte trotzdem, heimlich in Nanjing. Er nutzte dabei authentische Drehorte, kaum künstliches Licht und drehte aus der Hand mit einer kleinen, digitalen Kamera. Völlig unauffällig also.

Spring Fever
China 2009, 115 Min.
Regie: Lou Ye
Mit Qin Hao, Chen Sicheng, Tan Zhuo, Wo Wei, Jiang Jiaqi
Offizieller Wettbewerbsbeitrag
Dieser Stil erinnert in seiner Rastlosigkeit und Getriebenheit an die belgischen Dardennes-Brüder, die ebenfalls gern gesehene Stammgäste in Cannes sind. Die bewegte Handkamera rückt den fünf Hauptdarstellern richtig nah auf den Leib. Sie spiegelt dabei die innere Unentschlossenheit, den Kampf, die Leidenschaft wieder, all die Emotionen, die in den Charakteren toben. "Spring Fever" erzeugt dabei eine körperliche Präsenz, wie sie nur selten in Filmen zu sehen und zu spüren ist. Zwei Männer haben sich in einem chinesischen Film wohl noch nie mit solcher Zärtlichkeit, Energie, Kraft, Liebe und Verletztheit körperlich vor der Kamera geliebt. Kameramann Zeng Jian kreiert Bilder von bedingungsloser Nähe und Direktheit, die nie kitschig verspielt noch pornografisch werden. Wohltuend minimal ist auch die Musik, so dass der Zuschauer ungestört und unmanipuliert stets bei den leidenschaftlich Liebenden und Leidenden verweilen kann. Der Körper der Frau ist allerdings nie zu sehen. Er erzählt sich in den eifersüchtigen und liebenden Blicken derselben und auch über die Körper der Männer.

Lou Ye überhöht die komplizierte und verflochtene Beziehung keineswegs. Er versucht vielmehr von Anfang an, diese in eine Normalität einzubauen. Die Anfangsszene des Films zeigt zwei Männer im Auto. Einer sagt, dass er mal austreten muss. Beide Männer pinkeln. Schnitt. Beide haben leidenschaftlichen Sex. Danach lesen sie sich manchmal vor, aus einem Buch von Yu Dafu, der um 1920 gelebt hat. Das Vorlesen und auch Motive von Blüten, die zu Beginn und am Ende des Films auftauchen geben "Spring Fever" eine zusätzliche poetische Ebene, die aber nie strapaziert wird.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 06-05-09
Letzte Änderung: 24-05-09