Kritik: "Spring Fever" ist eine Art umgekehrte Version von "Jules und Jim" (1962), dem Klassiker von François Truffaut in Sachen unglückliche Dreierbeziehung. "Spring Fever" ist ein Film über innere Entwicklungen, Leiden und Leidenschaft. Die äußere Handlung ist dabei minimal. Lou Ye hat bei seinen Dreharbeiten aus der Not eine Tugend gemacht: Nach seinem letzten Film "Summer Palace" (2006), der ebenfalls seine Premiere in Cannes feierte, wurde der Filmemacher von der chinesischen Regierung mit fünf Jahren Berufsverbot belegt. Lou Ye drehte trotzdem, heimlich in Nanjing. Er nutzte dabei authentische Drehorte, kaum künstliches Licht und drehte aus der Hand mit einer kleinen, digitalen Kamera. Völlig unauffällig also.

China 2009, 115 Min.
Regie: Lou Ye
Mit Qin Hao, Chen Sicheng, Tan Zhuo, Wo Wei, Jiang Jiaqi
Offizieller Wettbewerbsbeitrag

Lou Ye überhöht die komplizierte und verflochtene Beziehung keineswegs. Er versucht vielmehr von Anfang an, diese in eine Normalität einzubauen. Die Anfangsszene des Films zeigt zwei Männer im Auto. Einer sagt, dass er mal austreten muss. Beide Männer pinkeln. Schnitt. Beide haben leidenschaftlichen Sex. Danach lesen sie sich manchmal vor, aus einem Buch von Yu Dafu, der um 1920 gelebt hat. Das Vorlesen und auch Motive von Blüten, die zu Beginn und am Ende des Films auftauchen geben "Spring Fever" eine zusätzliche poetische Ebene, die aber nie strapaziert wird.
Nana A.T. Rebhan







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