Afrika oder Spanien? Island oder Vereinigte Staaten? Pop oder Funk? Rock oder Jazz? Die Musik des diesjährigen Sommers passt in keine Schublade: Sie vermischt die verschiedensten Einflüsse und kennt keine Grenzen. Reise um die Welt in zehn Etappen.

Akron/FamilySet 'Em Wild, Set 'Em Free
Crammed DiscsWebsite 
Die amerikanische Flagge auf dem Cover des neuen Albums von Akron/Family legt den Gedanken an die Erfolgsplatte „There's a Riot goin'on“ von Sly & the Family Stone nahe. Und auch „Set 'Em Wild, Set 'Em Free“ ist bunt gemischt: Funk, Free Jazz, Acid Rock, Afro-Beat.

MúmSing Along To Songs You Don't Know
Morr MusicWebsite 
Múm ist ein aufsteigender Stern am Himmel der Pop-Musik. Das neue Album „Sing Along To Songs You Don't Know“ der verträumten Isländer ist ein gelungener Mix aus Electronica-Pop und Fiesta und ein temperamentvoller Brückenschlag zwischen südlichem Ambiente und Mitternachtssonne.
Roberto Carlos Lange, ein enger Vertrauter von Guillermo Scott Herren (ebenfalls auf dem Album), alias Prefuse 73, und Savath & Savalas (ein Duo, an das man bei „Awe Owe“ oft denken muss) entführt seine Fans nach Spanien. Genauer gesagt nach Barcelona, und zwar in Begleitung seiner Freunde Nori Tanaka vom Jim O’Rourke Trio und Jason Ajemian vom Chicago Underground Trio. Ein großartiger Wurf in puncto Modern Folk.

Sunset RubdownDragonslayer
JagjaguwarWebsite 
Unter dem Namen Sunset Rubdown legt der Kanadier Spencer Krug, auch Mitglied von Wolf Parade und Swan Lake (das Reinhören in das unlängst bei Jagjaguwar erschienene „Enemy Mine“ lohnt sich), sein drittes Album „Dragonslayer“ vor: Es passt in keine Schublade und ist ebenso unvergleichlich wie unverzichtbar. Sunset Rubdown speit Feuer.

Grizzly BearVeckatimest
Warp RecordsMyspaceLe site 
In nur wenigen Jahren hat sich Grizzly Bear zu einer tonangebenden Band gemausert. Zu ihrem neuen Album „Veckatimest“ haben sie sich offenbar von fernen Landschaften und geheimnisvollen (Schatz)Inseln inspirieren lassen. Eingespielt wurde das exzentrische Opus unter anderem in einer New Yorker Kirche.

Passion PitManners
Frenchkiss Records 
Die neuen MGMT? Vielleicht. Passion Pit ist in erster Linie das Projekt von Michael Angelakos, der das Erbe der Beach Boys gern mit aktuelleren Ingredienzen mischt. „Manners“ ist sein erstes Album, das Werk eines jungen Genies, dem wir von nun an auf der Spur bleiben und uns dabei im Tanzrhythmus wiegen.

Sonic YouthThe Eternal
Matador RecordsWebsite 
Dass diese New Yorker Band ewig jung geblieben ist, beweist sie mit „The Eternal“, dem jüngsten Opus in einer langen Reihe von rund 20 Alben und zig anderen Projekten. Schallgewitter im Anzug!
Polyphonic Spree, Sufjan Stevens …: Der Name von Annie Clark - alias St. Vincent – ist ebenso eng mit diesen beiden verbunden wie ihr schwungvoll-pfiffiger Popstil. Auf ihrem neuen Album ist die „schöne Maid“ mal Femme fatale, mal zerbrechliches Mädchen, mal beste Freundin. Die schöne CD erinnert an einen Film-Soundtrack.
Séverin, ehemals Mitglied des Pariser Pop-Duos „One-Two“, schlüpft in einen Anzug à la Gainsbourg und lässt vierzehn bildhübsche Mädchen singen. „Elle“-Leserinnen (wegen der Mode) und Liebhaber des Pops à la Katerine (insbesondere in Begleitung der Winchester-Schwestern und von Helena Noguerra) werden diese kitschig-pastellfarbenen „Bonbons“ bewundern.

GossipMusic for Men
ColumbiaWebsite 
Die üppige Beth Ditto und ihre Mitstreiter werden uns den ganzen Sommer über mit ihrem deftigen Punk-Soul-Album „Music for Men“ erfreuen. Es ist offensichtlich stark von ESG beeinflusst und wurde von dem legendären Rick Rubin (Run DMC, Johnny Cash) produziert.
Emmanuel Dosda