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transmediale.09 - Berlin - 11/03/09

Sonolevitation: Evelina Domnitch, Dmitry Gelfand & TeZ

Ein Artikel von Jens Hauser


Sonolevitation – eine physikalische Performance als Auftaktveranstaltung der diesjährigen Transmediale “Deep North”… doch was hat die Inszenierung von Schwerelosigkeit mit dem Klimawandel, dem Kampf um Bodenschätze unter den schmelzenden Polarkappen, oder der Störung des ökologischen Gleichgewichts zu tun?

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Das umtriebige russisch-weissrussische Künstlerpaar Evelina Domnitch und Dmitry Gelfand nähert sich dem Festivalthema durch die Hintertür: Der Über-Blick auf das Ausnahmephänomen irdischen Lebens gelingt am besten aus dem Weltall. Schon Astronauten und Kosmonauten waren zuvor spontan von der Kontemplation des Blauen Planeten derart beeindruckt, dass sie ihn sobald für schützenswerter hielten als es die rein terrestrische Perspektive im Kontext des Kalten Krieges erlaubte. Nun inszenieren Domnitch und Gelfand, einem Schulklassenexperiment nicht unähnlich, hier Schwerelosigkeit im Kleinen. Auf einer stehenden Tonwelle mit einer Frequenz von 15kHz lassen sie feine Zentimeter-grosse Goldplättchen kreisen, die akustisch in der Schwebe gehalten werden und unterschiedlich schnelle Rotationsbewegungen in Abhängigkeit ihrer Positionen vollführen. Zusammen mit dem Klangkünstler TeZ schaffen Domnitch und Gelfand ein vielschichtiges Klanguniversum, welches sich direkt aus den beobachteten Prozessen generiert. Die kleinste Drehung der an futuristische Flugzeuge erinnernde Plättchen wird hörbar.

Die Überwindung der Schwerkraft hat hier eine metaphorische Dimension, welche die Physik-Performer mit einem Zitat des 1935 verstorbenen russischen Mathematikers und Physikers Konstantin Tsiolkovsky, der als Vordenker der Raketentechnik gilt, illustrieren: "Die Erde ist die Wiege der Menschheit, doch es ist unmöglich sein ganzes Leben in einer Wiege zu verbringen." Gleichermassen beziehen sich Domnitch und Gelfand aber auch auf kunstgeschichtliche Vorläufer, vor allem auf Yves Kleins Faszination für die Gestaltungsmöglichkeiten, die der Leere entspringen. Kleins monochrome Arbeiten mit seiner eigens entwickelten Farbe Blau “IKB” haben ebenfalls Weltraumbezug – andererseits wog er Leere mit Gold auf. So ist Sonolevitation auch eine versteckte Hommage an den Nouveau Réaliste. Dessen Monotone Symphonie sollte idealerweise ja auch den Zuhörer in einen Zustand von Schwerelosigkeit versetzen.

Sonolevitation ist Teil einer Werkserie, in der Domnitch und Gelfand stets unterschiedliche materielle Phänomene metaphorisch nutzen: Neben 10.000 Peacock Feathers in Foaming Acid ist vor allem Camera Lucida auf vielen Festivals zu sehen gewesen – für letztere Installation bekamen die Künstler auf der Ars Electronica 2007 eine Lobende Erwähnung in der Kategorie Hybrid Art. Geplant ist in diesem Jahr nun auch die Eröffung ihres neuen Künstlerlabors im Studio Optofonica in Amsterdam.

Links

>> Die Website von Evelina Domnitch und Dmitry Gelfand
>> Die Website von Studio Optofonica

Interview mit Evelina Domnitch, Dmitry Gelfand & TeZ








Erstellt: 09-03-09
Letzte Änderung: 11-03-09


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