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Zitaten - Ballade

„Europa – was ist das eigentlich?“, so fragen sich viele Europäer seit den Anfängen des Aufbaus eines gemeinsamen Europas. Die Definitionen von Historikern, (...)

Zitaten - Ballade

17/06/09

Simone Veil (Frankreich)

und die Verantwortung des Parlaments


Simone Veil, 1927 in Nizza geboren, wird 1944 im Alter von 17 Jahren nach Auschwitz deportiert. Nach der Rückkehr aus dem Konzentrationslager widmet sie sich dem Jurastudium und beginnt ihre berufliche Laufbahn im Justizministerium. 1970 übernimmt sie als erste Frau die Stelle der Generalsekretärin des Obersten Richterrates. Von 1974 - 1979 bekleidet sie den Posten der Gesundheitsministerin. Für die Franzosen ist ihr Name für immer untrennbar mit der gesetzlichen Liberalisierung der Abtreibung verbunden, die sie 1975 nach hartem Kampf im Parlament durchsetzt.
Als Kandidatin der Zentrumspartei wird Simone Veil im Jahre 1979 in das Europäische Parlament gewählt, als dessen Präsidentin sie von 1979 bis 1982 ihre föderalistische und supranationale Vision Europas verteidigt und sich unermüdlich für Frieden, Freiheit und Wohlergehen der europäischen Völker einsetzt.
Im Oktober 2007 erschienen die Memoiren der damals achtzigjährigen Simone Veil unter dem Titel „Une vie“ (Verlag Stock). Hinter dem schlichten Titel „Ein Leben“ verbirgt sich das außerordentliche Schicksal einer politisch engagierten und selbstbewussten Frau. Im 7. Kapitel, „Bürgerin Europas“, zeichnet sie schonungslos und in allen Einzelheiten ihre Zeit als Europapolitikerin nach, an die sie sich in vielerlei Hinsicht gerne erinnert. (Das Buch erscheint 2009 im Aufbau-Verlag Berlin in deutscher Übersetzung.)

Denn zum ersten Mal in der Geschichte Europas, die so oft von Spaltungen, Feindseligkeiten und gegenseitiger Vernichtungswut geprägt war, haben die Europäer zusammen ihre Abgeordneten in eine gemeinsame Versammlung gewählt, die […] mehr als 260 Millionen Bürger vertritt. Diese Wahl stellt zweifellos für den Aufbau Europas nach der Unterzeichnung der Verträge wieder ein entscheidendes Ereignis dar.

„ Jeder von uns ist sich – unabhängig von seiner politischen Zugehörigkeit – der Tatsache bewußt, daß dieses historische Ereignis der Direktwahl des Europäischen Parlaments in einem entscheidenden Augenblick der Geschichte der Völker der Gemeinschaft stattfindet. Alle Mitgliedstaaten der Gemeinschaft sehen sich nämlich heute einer dreifachen Herausforderung gegenüber, der Herausforderung des Friedens, der Freiheit und des Wohlstands, und, wie es  scheint, ist es nur im europäischen Rahmen möglich, dieser Herausforderung zu begegnen.

Wir alle erkennen, daß diesen Herausforderungen, die überall in Europa gleich stark empfunden werden, nur gemeinsam mit Aussicht auf Erfolg begegnet werden kann. Gegenüber den Supermächten verfügt allein Europa über das erforderliche Gewicht, das keines seiner Mitglieder mehr für sich allein besitzt. “
Aus einer Ansprache beim Festakt des Europäischen Parlaments am 18. Juli 1979 anlässlich der ersten Direktwahlen zum Europäischen Parlament. Der vollständige Wortlaut der Rede Simone Veils kann beim Archivdienst des Europäischen Parlaments in Luxemburg angefordert werden.

Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 17-06-09