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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 03. März 2005 - 03/03/05

Silentium

Ein Film von Wolfgang Murnberger


Murnbergers Film bietet alle Qualitäten,
die auch ein Haas-Roman seiner Fangemeinde beschert

Synopsis: Ausgerechnet der Schwiegersohn des Festivalpräsidenten begeht kurz vor den Opernfestspielen in Salzburg auf spektakuläre Art und Weise Selbstmord. Gut, dass Privatdetektiv Simon Brenners Beschäftigungsverhältnis als Kaufhausaufpasser abrupt endet und sich die Witwe des zu Tode Gekommenen an ihn wendet – ihre These: der Sturz ihres Mannes war Mord. Schon bald tauchen Brenner und sein Krankenwagen fahrender Freund Berti ein in die dunklen Machenschaften eines Knabenkonvikts, deren Führungsriege seltsamerweise in engem Kontakt mit dem Festivalleiter steht.

Kritik: Die Welt ist ein ewiger Kreislauf, in dem die Reste von Knackwürschteln zu Leberkäs und Leberkäsreste wiederum zu Knackwürschteln verarbeitet werden. Diese Erkenntnis gehört ins philosophische Grundrepertoire von Simon Brenner, des melancholischen, in mittlerweile fünf Romanen des österreichischen Schriftstellers Wolf Haas zu Ruhm gekommenen Privatdetektivs. Zum zweiten Mal ist Brenner alias Josef Hader nun nach Komm, Süßer Tod unter der erneuten Regie des Haas-Freundes Wolfgang Murnberger auf der Leinwand zu sehen.

In der idyllischen Mozart(-kugel)stadt Salzburg scheint Brenner, dessen Augenringe ob seiner notorischen Kopfschmerzen noch tiefer gefurcht sind als sonst, ganz auf den Hund gekommen zu sein, schnüffelt er sich doch als Kaufhausdetektiv durch die Damenunterwäscheabteilung eines Kaufhauses. Da es sich bei der feinen Dame, die er auf frischer Tat beim Wäscheklau ertappt, jedoch um die Tochter des Festspielpräsidenten handelt, ist der geschasste einstige Kieberer (österr.: Kriminalkommissar) bald wieder vogelfrei. Die aber verhilft ihm bald darauf zu einer neuen Aufgabe – die Umstände des Todes ihres in den Tod gesprungenen Mannes aufzuklären. Ihre These, es handle sich dabei um Mord, ist nicht von der Hand zu weisen, hatte sich der Ehemann doch auf unliebsame Weise mit dem Erzbischof der Stadt angelegt, indem er ihn beschuldigt hatte, dieser habe ihn als Jungen in einem Knabenkonvikt sexuell missbraucht.

So erschleicht sich Brenner als Obdachloser getarnt bald das Vertrauen des Sportbeauftragten des Knabenheims (schön bigott: Joachim Krol) und darf als Hausmeisterhilfe anheuern. Was Brenner hinter den altehrwürdigen Klostermauern erblickt, ist zunächst verwirrend, dann zusehends unheimlicher, schließlich einfach nur noch unappetitlich und für Brenner und seine Freunde natürlich lebensbedrohlich. Er wird von ferngesteuerten Modellflugzeugen (in Anspielung an Cary Grant in Hitchcocks Der Unsichtbare Dritte) über den Platz gejagt und sein tätowierter WG-Genosse segnet bald das Zeitliche) Und – wie es in Österreich so üblich ist – ist natürlich fast die gesamte Haute Volée der Stadt in den von Brenner aufgewirbelten Skandal verwickelt. Da ist man froh, dass dem in Bedrängnis geratenen Privatdetektiv wenigstens sein Freund Berti, der bereits in „Komm, Süßer Tod“ am Steuer eines Krankenwagens saß, zu Hilfe kommt.

Für den österreichischen Kinostart im vergangenen Sommer förderlich war es natürlich, dass zeitgleich der Skandal in einem Priesterseminar in St. Pölten aufgedeckt wurde. Doch Murnbergers Film ist mehr als die übliche Kirchenschelte, sondern arbeitet mit vielen augenzwinkernden, ins Groteske übersteigerten Übertreibungen, die den christliche Symbolschatz nach Belieben persiflieren und parodieren. Wenn Brenner etwa das überdimensionierte Kreuz in die Holzwerkstatt tragen muss und darunter zusammenbricht, ist klar, dass Murnberger neben Thrillerelementen auch die Absurdität des Ganzen am Herzen liegt.

Großartig besetzt (mit Jürgen Tarrach als lüstern speichelnder, Champagnerduschen-süchtiger Operndiva, Christoph Schlingensief als neurotischem Regie-Kauz und Udo Samel als moralisch bankrottem Operndirektor) hebt „Silentium“ zu großer Kinoform an. Rasant geschnitten, mit eindrucksvollen, Brenners Kopfschmerzen illustrierenden visuellen Spezialeffekten versehen, unterlegt mit großartigem Soundtrack (Sofa Surfers) und Sounddesign und durchdrungen von österreichischem Schmäh, bietet Murnbergers Film alle Qualitäten, die auch ein Haas-Roman seiner Fangemeinde beschert.

Martin Rosefeldt
Silentium
Regie: Wolfgang Murnberger
Drehbuch: Murnberger, Josef Hader nach dem gleichnamigen Roman von Wolf Haas
Darsteller: Josef Hader, Simon Schwarz, Joachim Krol, Udo Samel, Jürgen Tarrach, Christoph Schlingensief u.a.
Österreich 2004, 110’

Erstellt: 28-02-05
Letzte Änderung: 03-03-05