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Kino auf ARTE - 19/10/11

Sie fuhren bei Nacht

(They Drive by Night)
Spielfilm, USA 1940, ZDF
Regie: Raoul Walsh; Buch: Jerry Wald, Richard Macaulay; Kamera: Arthur Edeson; Komponist: Adolph Deutsch; Schnitt: Thomas Richards; Produzent: Warner Brothers, Jack L. Warner, Mark Hellinger; Produktion: Warner Bros.
Mit: George Raft - (Joe Fabrini), Ann Sheridan - (Cassie Hartley), Ida Lupino - (Lana Carlsen), Humphrey Bogart - (Paul Fabrini), Alan Hale - (Ed Carlsen)

Die Brüder Joe und Paul Fabrini schlagen sich in den USA der abflauenden großen Depression als selbstständige Spediteure durch. Als ihr Lkw bei einem Unfall Totalschaden erleidet, heuern sie bei der Firma Ed Carlsens an. Eds Frau Lana Carlsen verliebt sich jedoch so sehr in Joe, dass sie eher ihre Ehe und sein Leben zerstört, als ihn ziehen zu lassen ... ARTE zeigt den Film im Rahmen der Reihe "Könige der Straße".



George Raft und Humphrey Bogart spielen die Brüder Joe und Paul Fabrini, die sich in den gerade von der "Great Depression" erholenden Vereinigten Staaten als selbstständige Spediteure durchschlagen. Doch ihre Existenz ist von Kredithaien bedroht, denen sie noch die letzten Raten für ihren Lkw schulden. Und die Auftraggeber ihrer Fuhren, die sich weigern, rechtzeitig zu bezahlen, machen ihnen das Leben ebenfalls schwer.
Doch die Brüder holen sich ihr Recht, zur Not mit der Faust. So kommen sie an Geld, das sie umgehend für eine Ladung Zitronen ausgeben. Der Verkauf ist so lukrativ, dass sie ihre Schulden abzahlen und mit neuer Ladung zurückfahren können. Just als sich ihr Glück zu wenden scheint, schläft Paul am Steuer ein und verursacht einen Unfall, bei dem er einen Arm verliert.
Jetzt muss Joe seine geliebte Unabhängigkeit gegen einen Job in der Firma seines Freundes Ed Carlsen eintauschen. Er weiß nicht, dass er den Job vor allem Carlsens Frau Lana verdankt, die schon länger ein Auge auf ihn geworfen hat. Doch Joe widersteht ihren Avancen - zum einen, weil er in der schlagfertigen Barfrau Cassie die Liebe seines Lebens gefunden hat; zum anderen, weil er seinen alten Freund Ed nie hintergehen würde.
Doch Lana ist von ihrem lauten, neureichen und oft betrunkenen Mann derartig angewidert, dass sie ihn nach einer durchzechten Nacht ermordet. Als sie merkt, dass auch diese als Unfall getarnte Tat ihr keinen Weg zu Joe eröffnet, beschuldigt sie ihn des Mordes.

Drehbuch nach dem Roman von A.I. Bezzerides
"They Drive by Night" ist ein trotz seiner außergewöhnlichen Besetzung eher selten gezeigter Film der Hollywoodlegende Raoul Walsh. Walsh, der vom Gangsterfilm ("White Heat" mit James Cagney) über den Abenteuerfilm ("High Sierra" mit Humphrey Bogart) bis hin zum Piratenfilm ("Captain Horatio Hornblower" mit Gregory Peck) in vielen Genres zu Hause war, knüpft hier an die Tradition der sozialkritischen Warner Brothers Filme an.
Der Film ist eine verblüffende Mischung aus realistischem Sozialdrama - für die das Studio bekannt war - und einem auf die spätere "Schwarze Serie" verweisenden Melodram. Die Schauplätze der ersten Hälfte des Films - Tankstellen, Raststätten, Fahrerkabine, etc. - haben noch wenig von dem Nachtglanz der gleichen Orte in späteren Filmen der "Série noire" wie "The Postman Always Rings Twice". Doch Ida Lupino gibt mit ihrer neuartigen Darstellung der "femme fatale" dem Film eine Richtung, die eindeutig einen Weg für die Thriller und Melodramen der "schwarzen Serie" öffnet.
Bemerkenswert, neben der Regie, ist die Besetzung: Der aus unzähligen Schurkenrollen bekannte George Raft wird hier entgegen seinem Rollenimage als grundehrlicher Lkw-Fahrer besetzt. Und Humphrey Bogart - kurz bevor er mit "High Sierra" und "Maltese Falcon" zur Inkarnation des harten, zwielichtigen Hollywoodhelden wurde - spielt hier den Part des biederen, verheirateten Bruders, der lieber heute als morgen einen bequemen "9 to 5-Job" annehmen möchte.
Regie, Darsteller und die wunderbar schnellen, witzigen Dialoge ("What do you think of love at first sight? - It sure safes a lot of time") machen aus dem Film eine Perle der Studioproduktion.

Sie fuhren bei Nacht
Dienstag 8. November 2011 um 14.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Usa, 1940, 91mn)
ZDF

Erstellt: 19-10-11
Letzte Änderung: 19-10-11