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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 03. März 2005 - 11/08/08

Shandurai und der Klavierspieler

Ein Film von Bernardo Bertolucci


Zwei Menschen,
ein Palazzo

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Synopsis: Die afrikanische Medizin-Studentin Shandurai und der zurückgezogen lebende englische Pianist Jason Kinsky teilen sich einen Palazzo in Rom. Sie arbeitet als seine Haushälterin. Er verliebt sich in sie. Doch Shandurai ist verheiratet. Ihr Mann sitzt in Afrika im Gefängnis - sie ist vor der Diktatur in ihrem Heimatland nach Italien geflohen.

Kritik: Bertolucci hat viele Meisterwerke abgeliefert. Monumentale Filme wie 1900 (1975/76), Der letzte Kaiser (1986) oder Der Himmel über der Wüste (1990), die durch ihren epischen Erzählstil und ihre ausladenden, wunderschönen Landschaften zu begeistern wussten. Mit seinem wortkargen Film Shandurai und der Klavierspieler knüpft der italienische Romantiker stilistisch jedoch an die Tradition von Der letzte Tango in Paris (1972) an. Zwei Menschen – die unterschiedlicher nicht sein könnten – teilen sich einen ausladenden Palazzo in Roms Altstadt.

Bertolucci hat zahlreiche poetische Bilder gefunden, um über das Zusammenleben des scheuen Pianisten und der extrovertierten afrikanischen Studentin zu erzählen. Dialoge gibt es wenige, aber die Musik der beiden spricht für sie. Während Jason Kinsky versonnen Beethoven und Mozart auf seinem Klavier spielt, hört Shandurai lebensfrohe afrikanische Rhythmen aus ihrem kleinen Radio. Diese beiden Musikstile mögen sich nicht annähern, geschweige denn vermischen. Doch Bertolucci versucht es, unaufhaltsam. Sein Film wirkt wie ein poetisches Experiment im ‚crossover’. Das hat für den Zuschauer zwar durchaus einen gewissen Reiz, wirkt aber dennoch aufgesetzt.

Empfanden die ungleichen Liebenden in Der letzte Tango in Paris eine permanente sexuelle Spannung zwischen sich, so flüchtet Shandurai vor jeglicher Beziehung mit Jason Kinsky – schliesslich ist sie verheiratet mit einem tapferen Mann, der ganz zu Beginn des Films von der afrikanischen Militärdikatur ins Gefängnis geworfen wurde. Für Shandurai bleibt der Pianist bis zuletzt Mr. Kinsky – zu Jason wird er nie für sie. Selbst als sie ihm einen Liebesbrief schreibt, betitelt sie ihn mit ‚Dear Mr. Kinsky...’ Eine schwierige Konstellation hat er sich da ausgedacht, der italienische Grossmeister, an der er schliesslich scheitert. Bewusst lässt Bertolucci zwar das Ende offen, und schafft sich dadurch ein moralisches Hintertürchen. Doch die Handlung läuft ins Leere, und seine Figuren wirken seltsam leblos.

David Thewlis (Naked) überzeugt durch sein zurückgenommenes, subtiles Spiel als scheuer Pianist. Gar zu plakativ dagegen wirkt Thandie Newton als Shandurai, die mit lauten polternden Gesten die extrovertierte Studentin mimt. In einem Moment des Films verdichtet sich genau dieses Empfinden: wenn Jason Kinsky am Klavier sitzt und Shandurai bittet gleichzeitig zu saugen. Hoovergedrön mischt sich mit feiner Musik – das Ergebnis ist unmusikalisch, wie der ganze Film.

Nana A.T. Rebhan
Shandurai und der Klavierspieler
Italien/England 1998, 93 Min.
Regie: Bernardo Bertolucci
Mit: David Thewlis, Thandi Newton, Claudio Santamaria

Erstellt: 28-02-05
Letzte Änderung: 11-08-08