Schriftgröße: + -
Home > Schule > Lehrerumfrage > Schweiz

01/09/04

Schweiz

Vier Lehrer des Schulhauses Rotmonten in St.Gallen in der Schweiz haben an unserer Umfrage teilgenommen.

Chris Aronis, 25 Jahre alt, ist Lehrer in der Primarschule und unterrichtet in der Mittelstufe die Fächer Mathematik, Deutsch, Französisch, bald auch Englisch, Mensch & Umwelt, Sport, Musik, Zeichnen und Werken.

Wie viele Stunden unterrichten Sie in der Woche? Wie viel Zeit arbeiten Sie zu Hause für die Schule?
Ich unterrichte 29 Lektionen. Die Vorbereitungen erledige ich in der Schule. Ebenso die Korrekturen und was sonst noch anfällt an Büro- und Verwaltungsarbeit. Dazu kommen die regelmäßigen Elterngespräche. Die Arbeit außerhalb des Schulhauses, wie das beschaffen von Material, der Einkauf von Büchern oder Infos und Ideen suchen nimmt etwa 2 bis 3 Stunden pro Woche in Anspruch.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Jeder Tag ist anders, unvorhergesehen. Das hängt natürlich stark mit den Kindern zusammen, welche oft „unberechenbar“ sind. Mir gefällt das. Unser Auftrag zu unterrichten, also zu lehren ist spannend. Es macht mir Freude, Lösungswege auf zu zeigen und den Kindern so in schwierigen Situationen weiter zu helfen. Auch Themen aufbereiten ist interessant. Dann irgendwann weit unten in der Skala, aber nicht abzustreiten steht die lange Dauer der Ferien.

Was verursacht im Schulalltag Probleme?
Es werden immer mehr Aufgaben der Schule übertragen. Dass die Schule diese übernimmt scheint selbstverständlich zu sein. Es braucht oft große Anstrengungen als Schule auf die veränderten Umweltbedingungen und neuen Aufgaben eingehen zu können. Dabei zeigt sich, dass die Hürden intern noch erhöht werden, weil ein Teil der Lehrkräfte unflexibel reagiert. Als junge Lehrkraft habe ich manchmal auch mit den Eltern in der Zusammenarbeit Schwierigkeiten, wenn diese nicht sehen, dass man selbst das Beste will für ihr Kind.


Tobias Haag, 25 Jahre alt, ist Lehrer in der Primarschule und unterrichtet in der Mittelstufe die Fächer Mathematik, Deutsch, Französisch, bald auch Englisch, Mensch & Umwelt, Sport, Musik, Zeichnen und Werken.

Wie viele Stunden unterrichten Sie in der Woche? Wie viel Zeit arbeiten Sie zu Hause für die Schule?
Ich unterrichte 28 Lektionen in der Woche. Dies ergibt etwas mehr als 23 Stunden in der Woche. Die Schule beginnt am Morgen um 8 Uhr. Normalerweise bin ich um 7 Uhr in der Schule und erledige einen Teil der Vorbereitung sowie administrative Arbeiten. Über Mittag bleibe ich gewöhnlich hier und nutze neben dem Essen die Zeit fürs Vorbereiten. Am Nachmittag nach der Schule bleibe ich für gewöhnlich noch eine Stunde in der Schule. Zuhause investiere ich wöchentlich etwa 8 Stunden. Die meisten Vorbereitungen für die Schule mache ich aber in der Schule selber. Arbeiten, die ich zuhause mache, sind vor allem Korrekturen, Literatur sichten.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Ich liebe den Kontakt mit den Schülern, den Tag mehr oder weniger frei einteilen zu können und mein eigener Chef zu sein. Es gefällt mir, jemandem etwas beibringen zu können.

Was verursacht im Schulalltag Probleme?
Im Schulalltag sind es immer wieder andere Dinge, die Probleme bereiten: Dies kann ein schwieriger Kontakt mit Eltern sein. Ein anderes Mal ärgert man sich über das Verhalten der Kinder. Am nächsten Tag gibt es ein organisatorisches Problem und wieder einen Tag später läuft der Computer nicht. Probleme kommen und gehen und wechseln sich in ihrer Art ab. Leider ist es oft so, dass alles auf einmal kommt. Das Gute daran ist, dass man dafür auch wieder ruhigere Zeiten hat.



Bettina Rothenberger, 24 Jahre alt, ist Lehrerin in der Primarschule und unterrichtet in der Unterstufe die Fächer Mathematik, Deutsch, Mensch & Umwelt, Sport, Musik, Zeichnen und Werken.

Wie viele Stunden unterrichten Sie in der Woche? Wie viel Zeit arbeiten Sie zu Hause für die Schule?
Ich unterrichte 23 Lektionen in der Woche. Dies entspricht einem Pensum von siebzig Prozent. Die Arbeit zu Hause beläuft sich auf etwa 20 Stunden in der Woche. Manchmal arbeite ich im Schulzimmer, manchmal bereite ich zu Hause vor.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Es gibt keinen einzigen Tag, von dem ich sagen könnte, dass er ein Routinetag ist. Menschen, insbesondere Kinder faszinieren mich. Das selbständige Arbeiten finde ich Klasse! Kinder geben mir manchmal die Möglichkeit, in eine Welt einzutauchen, die ich schon vergessen hatte.

Was verursacht im Schulalltag Probleme?
Eltern, welche die Erziehung des Kindes auf die Schule abschieben. Die unterschiedlichen Leistungsstärken einer Klasse sind inhaltlich eine Herausforderung. Darüber hinaus erfordern kulturelle Prägungen der Kinder verschiedener Herkunft eine große Flexibilität und Initiative, um die Integration zu fördern. Nicht zuletzt entstehen manche Probleme aus den unterschiedlichen Einkommensstufen der Eltern, oder gar von Kinder aus einkommensstarken Familien. Einige Kinder genießen einen sehr hohen Lebensstandart und konsumieren sehr viel. Es kommt nicht selten vor, dass der Bezug zur Umwelt, namentlich auch zur Natur, verloren geht. Zudem sind wohlstandsverwahrloste Kinder auch sozial schwierig zu führen.



Andi Rütsche, 35 Jahre alt, ist Lehrer in der Primarschule und unterrichtet in der Mittelstufe die Fächer Mathematik, Deutsch, Französisch, bald auch Englisch, Mensch & Umwelt, Sport, Musik, Zeichnen und Werken.

Wie viele Stunden unterrichten Sie in der Woche? Wie viel Zeit arbeiten Sie zu Hause für die Schule?
Mit einem 70% Pensum unterrichte ich 21 Lektionen in der Woche. Dazu kommen noch regelmäßig Sitzungen und Elterngespräche. Wann immer möglich, erledige ich die Vorbereitungs-, Nachbereitungs- und Korrekturarbeit in der Schule. Trotzdem muss ich noch ca. zehn Stunden wöchentlich zu Hause arbeiten.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Die fördernde Arbeit mit den Kindern steht im Vordergrund. Die Kinder zu fördern und sie in ihrer Persönlichkeitsbildung zu unterstützen vermittelt Befriedigung. Dass ich meine Schritte unabhängig planen und durchführen kann, macht den Beruf zusätzlich attraktiv. Es ist ein Job mit großen Freiräumen für kreative Ideen und Visionen. Da wir in der Schweiz auf unserer Schulstufe sämtliche Fächer unterrichten, kommt die Abwechslung nicht zu kurz.

Was verursacht im Schulalltag Probleme?
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Anforderungen an die Schule sehr stark von ihrem Standort bestimmt werden. Die Beziehung Gesellschaft und Schule hat sich in den urbanen Gebieten zwar stärker, in allen Gebieten aber ähnlich verändert. Von der Schule werden immer mehr Leistungen erwartet. Die Kinder sind nicht mehr nur fachlich auf verschiedenen Niveaus, sondern auch im Sozialverhalten und in der persönlichen Entwicklung. Deshalb bindet die soziale Arbeit immer mehr Ressourcen. Dabei ist in den letzten Jahren ein klarer Anstieg der Defizite bei den Schülern festzustellen. Auslöser sind vermehrt die Überforderung der Eltern im Umgang mit Kindern und das fehlende Bewusstsein der Verantwortung, das die Eltern im Bereich Erziehung haben. Dazu kommt, dass durch die Rezession der Neunziger Jahre wieder vermehrt beide Elternteile einer Erwerbsarbeit nachgehen und die Betreuung der Kinder ungenügend ist. Im Gegensatz zu früheren Generationen, sind die Kinder heute durch die Umwelt weit mehr gefordert. Sie sind unzähligen Einflüssen ausgesetzt. Das Fernsehen spielt dabei eine zentrale Rolle. Es bietet den heranwachsenden Persönlichkeiten zu viele Vorbilder. Und nimmt ihnen gleichzeitig die Zeit, sich zu entfalten, weiter zu entwickeln, da sie nicht aktiv sind. Zu guter letzt sollen sie gute Konsumenten werden.

Erstellt: 01-09-04
Letzte Änderung: 01-09-04