Seitdem SCHULTZE mit einigen Kumpels von seinem Kali-Bergwerk in den Vorruhestand geschickt worden ist, packt ihn der Blues. Doch während seine Kollegen sich in seinem anhaltinischen Dorf in die Routine trostloser Freizeitbeschäftigungen flüchten, entdeckt Schultze durch Zufall das Leben in einem anderen Teil der Welt – Louisiana. Mit seinem Akkordeon bricht er auf, um die Musik eines fremden Kontinents zu entdecken.
Sein erster Langfilm sollte für den Absolventen der Filmhochschule in Babelsberg Michael Schorr ein großer Erfolg werden. Mit bescheidensten finanziellen Mitteln und ohne Drehgenehmigung zum Teil in den Südstaaten der Vereinigten Staaten realisiert, geriet das unorthodoxe Roadmovie zum Festival-, Kritiker- und Publikumserfolg. Auf dem Filmfest in Venedig erhielt er dafür 2003 den Regie-Spezialpreis. In ruhigen Bildern fängt Schorr die Melancholie eines sterbenden Ortes und seiner Bewohner ein und beobachtet seinen beeindruckend präsenten Hauptdarsteller Horst Krause bei seiner langsamen Verwandlung vom resignierenden Frühpensionär zum neugierigen Weltenbummler.
Die Kritik zum Film
SCHULTZE GETS THE BLUES ist ein extrem charmanter kleiner Film, der den Zuschauer von Anfang an zurücklehnen lässt. Nicht weit entfernt von Berlin, in einem kleinen Ort Sachsen-Anhalts lebt Schultze. In aller Ruhe, ohne überflüssige Schnitte und Einstellungen erzählt der Film über die Tage nach der Pensionierung. Schultze wäscht seinen Gartenzwerge das Gesicht, er spielt Schach mit seinen Kumpels, er kocht für sie, er besucht seine Frau im Altenheim.
Regisseur Michael Schorr - der vom Dokumentarfilm kommt, und dort bereits einige Preise abgeräumt hat - hat lange recherchiert, den Ort und seine Bewohner genau kennengerlernt. Viele von ihnen spielen mit in seinem ersten Spielfilm. Er selbst sagt dazu: "Die Grenzen zwischen Dokumentar und Fiktion wollte ich permanent überschreiten: Laiendarsteller trafen auf gestandene Profis, reale Orte und Situationen wurden fotografisch streng komponiert, die Wirklichkeit und der Film beeinflussten und veränderten sich gegenseitig." Sein Konzept geht gut auf, nicht nur in den deutschen Szenen, sondern ebenfalls in Amerika.
Interessiert begleitet der Zuschauer Schultze auf seine Reise, denn es macht Spaß, die skurrilen Plätze und Menschen mit ihm zu entdecken, etwa das ‚Wurstfest' in New Braunfels/Texas, Tanztreffs und Hausboote. Leider hat der Film auch einige kleine Schwächen. Der Zuschauer stellt sich Fragen, die unbeantwortet bleiben, etwa wie Schultze eigentlich auf das Hausboot kommt, und warum der Film so abrupt endet. Aber darüber lässt sich durchaus hinwegsehen, denn die hervorragend komponierten Bilder von Axel Schneppat und der subtile Humor des Regisseurs machen diese ein wenig irritierenden Momente mehr als wett. Mit Horst Krause (der Dicke aus Detlev Bucks WIR KÖNNEN AUCH ANDERS, 1992) als Schultze ist Michael Schopp eine geniale Besetzung gelungen.
Mit seiner Körperlichkeit, seiner Ruhe und Einsilbigkeit füllt er die Rolle mit einer Präsenz, die permanente Situationskomik garantiert.






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Permanente Situationskomik
Bildformat: 1.85:1 Anamorphic Widescreen
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