In einer gut situierten französischen Familie vom Lande herrschen Spannungen, die sich nur mühsam hinter der Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit verbergen lassen. Als der Hausherr nicht mehr gewillt ist, seine Affäre mit der schönen Nachbarin vor der Öffentlichkeit geheim zu halten, und er seine Familie für die Geliebte verlassen will, wird diese plötzlich brutal ermordet ...
Henri Marcoux und seine Frau Thérèse leben auf ihrem Landgut nur mehr nebeneinander her; füreinander empfinden sie nur noch Hass. Henri flüchtet sich täglich zu seiner Geliebten, der attraktiven Nachbarin Léda. Seine Frau weiß von der Liebschaft ihres Mannes und gestattet sie ihm, solange er sie nicht verlässt. Für diesen Fall droht sie Henri mit einem Skandal und kündigt an, ihm und Léda das Leben zur Hölle zu machen.
Thérèse ein Dorn im Auge ist auch Laszlo Kovacs, ein alter Bekannter von Léda sowie der Verlobte von Tochter Elisabeth, den sie mit Henris Hilfe aus dem Hause schaffen will. Das ungenierte Verhalten Laszlos, seine gnadenlose Ehrlichkeit und seine unbürgerlichen Ansichten sind der biederen Thérèse ein Gräuel. Auch Richard, der eigentümliche, musikbesessene (Mutter-)Sohn des Hauses, kann Laszlo nicht ausstehen. Doch dieser hat sich bereits im Anwesen der Marcoux eingenistet, wo er sich aushalten und verköstigen lässt, seiner Elisabeth nah sein kann, betrunkene Freunde anschleppen und Kontakt zur benachbarten Léda halten kann. Aufgrund seiner engen Freundschaft zu Léda ermutigt Laszlo den ihm wohl gesonnen Schwiegervater in spe, endlich zu seinen Gefühlen zu stehen und seine Frau zu verlassen, die ihn längst anwidert.
Henri hält das Versteckspiel vor den Kindern und der Öffentlichkeit nicht mehr aus. Nach einem heftigen Ehestreit provoziert er einen Skandal, indem er sich in der nahe gelegenen Stadt mit seiner Geliebten zeigt. Kurz darauf wird Léda ermordet aufgefunden. Die Polizei verdächtigt Roger, den Freund des koketten Hausmädchens Julie. Für Thérèse scheint nun endlich Schluss zu sein mit den jahrelangen Demütigungen; fehlt nur noch das Verschwinden Laszlos. Doch dieser denkt nicht daran, ihr diesen Gefallen zu tun, zumal er den wirklichen Mörder zu kennen glaubt ...
Claude Chabrols dritter Film ist eine brillant fotografierte, kunstvoll-kühl gestaltete Adaption des Kriminalromans "Die schöne Dame von nebenan" ("The Key to Nicholas Street", 1952) von Stanley Ellin. Das frühe Werk des 1930 geborenen Mitbegründers der Nouvelle Vague zeigt zwar noch Einflüsse von Vorbildern wie Alfred Hitchcock und Fritz Lang, jedoch lässt sich in "Schritte ohne Spur" bereits deutlich die eigene Handschrift des französischen Autorenfilmers ablesen.
Wie er es als sozialkritischer Chronist der französischen Bourgeoisie später immer wieder getan hat, schaut Chabrol auch hier schon hinter die Fassade eines fragwürdigen bürgerlichen Milieus.
"Vor dem Hintergrund einer trügerischen Sonntagsidylle in Südfrankreich konstruiert Chabrol ein exakt berechnetes Spiel um Macht, Familienterror, Gefühlsheuchelei und bourgeoise Rituale. Die ätzende Moralkritik versteckt sich hinter scheinbar distanzierter Beobachtung."
Schauspieler Jean-Paul Belmondo in der Rolle des freimütigen Laszlo wurde durch "Schritte ohne Spur" erstmals einem breiteren Publikum bekannt, bevor er im gleichen Jahr mit "Außer Atem" seinen endgültigen Durchbruch schaffte. Im Chabrol-Krimi brillieren ebenfalls die weiblichen Hauptdarstellerinnen Antonella Lualdi und Madeleine Robinson als Widersacherinnen Léda und Thérèse.
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