09/08/06
Schlaganfall bei Kindern
In Deutschland erleiden mehr als 500 Kinder pro Jahr einen Schlaganfall, ein Drittel davon bereits im Mutterleib. Ein Schlaganfall ist die Folge einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Diese kann entweder durch die Verstopfung eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel oder durch den Riss eines Blutgefäßes bei einer Hirnblutung hervorgerufen werden. Bei einem Schlaganfall gehen Nervenzellen zugrunde und wichtige Funktionen des Gehirns fallen aus.
Ursachen:
Betroffene Kinder haben meist angeborene körperliche Defekte wie Herzfehler, Gefäßfehlbildungen im Gehirn oder Blutgerinnungsstörungen. Auch die Verletzung eines Blutgefäßes im Gehirn (z.B. durch einen schweren Schlag auf den Kopf) und eine dadurch ausgelöste Blutung kann einen Schlaganfall verursachen. Ebenfalls unter Verdacht stehen bestimmte Infektionskrankheiten wie z.B. Windpocken. Bei rund einem Drittel der betroffenen Kinder kann man die Ursache nicht herausfinden.
Symptome:
Kommt es im letzten Drittel der Schwangerschaft zu einem Schlaganfall beim ungeborenen Kind, können erfahrene Ärzte Hinweise dafür im Ultraschall erkennen: Das Kind wächst langsamer und bewegt sich weniger. Auch im Gehirn des Ungeborenen sind Auffälligkeiten zu sehen. Erleidet das Kind erst kurz vor, während oder kurz nach der Geburt einen Schlaganfall, kommt es zu Krampfanfällen, Atemproblemen und Trinkunlust. Bei älteren Kindern können die Symptome Lähmungen einer Körperhälfte, das Herabhängen eines Mundwinkels, Sprachprobleme bis hin zum Koma sein. Rund drei Prozent der betroffenen Kinder sterben an den Folgen des Schlaganfalls.
Diagnose:
Ein Schlaganfall wird durch Ultraschalluntersuchung des Kopfes sowie mit Hilfe einer Computer- oder Kernspintomographie diagnostiziert.
Therapie:
Eine Operation wird dann durchgeführt, wenn das Gehirn durch einen Bluterguss angeschwollen ist. In diesem Fall muss in einem operativen Eingriff vorübergehend ein Knochendeckel aus der Schädeldecke herausgenommen werden, damit sich das Gehirn ausdehnen kann. Ist der Schlaganfall nicht durch eine Hirnblutung, sondern durch ein Blutgerinnsel verursacht worden, wird das Gerinnsel zuerst aufgelöst. Um weitere Gerinnselbildung zu verhindern, bekommen die Patienten dann in der Regel über drei bis vier Jahre blutverdünnende Medikamente. Liegen eine bleibende Verengung der Blutgefäße oder Blutgerinnungsstörungen vor, muss diese Behandlung meist das ganze Leben lang weitergeführt werden. Begleitend zur medikamentösen Therapie werden z.B. Krankengymnastik, Schwimmtherapie und therapeutisches Reiten eingesetzt, um Lähmungen und Bewegungsstörungen zu mindern. Bei einer Ergotherapie lernen die Kinder wieder alltägliche Dinge auszuführen wie z.B. einen Löffel zu halten oder Schuhe zuzubinden. Ist das Sprachzentrum betroffen, wird eine Sprachtherapie erforderlich. Zehn Prozent der Kinder behalten schwere Langzeitschäden, d.h. motorische und geistige Behinderungen zurück. Bei rund 40% bleiben Störungen, die nicht so offensichtlich sind, wie z.B. Rechenprobleme oder auch Angst- und Aggressionsstörungen. Das Risiko eines erneuten Schlaganfalls liegt nach einem Schlaganfall im Mutterleib bei drei, bei einem Schlaganfall nach der Geburt bei zehn Prozent. Wichtig, wenn ein Schlaganfall aufgetreten ist, sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen: Im ersten Jahr alle sechs Wochen. Weitere Untersuchungen finden dann vor der Einschulung, nach der Grundschule und vor dem Eintritt ins Berufsleben statt.
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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
15. August 2006 um 14.00
Wiederholung vom 22. März 2005
Redaktion: Heidemarie Petters Koproduktion ZDF -ARTE G.E.I.E.
Erstellt: 15-11-05
Letzte Änderung: 09-08-06