mit : Bastian Trost, Mehdi Nebbou, Loretta Pflaum, Gundi Ellert, Wolfgang Pregler
FotogalerieSynopsis: Johannes (Bastian Trost) ist von Berlin nach München gezogen, wo dem jungen Virologen eine Doktorandenstelle am renommierten Lehrstuhl von Professor Behringer (Wolfgang Pregler) angeboten wurde. Dort befreundet er sich mit dem algerischstämmigen Kollegen Farid (Mehdi Nebbou). Obwohl Johannes Mehdi Freundschaft und Kollegialität anbietet, kommen ihm bald erste Zweifel an Farids wahrer Identität, denn er Verfassungsschutz hat versucht, ihn als Informanten zu gewinnen, um den Verdacht auf seine Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung zu überprüfen. Die Konkurrenzsituation am Arbeitsplatz und die Rivalität um die Zuneigung von Beate erschüttern Johannes’ moralisches Koordinatensystem nachhaltig.
Kritik: Alles sieht in den ersten Bildern von Benjamin Heisenbergs „Schläfer“ nach einem idyllischen Sonntagsspaziergang von Mutter und Sohn aus. Doch ist die nette Dame im Freizeitdress mit dem entspannten bayerischen Zungenschlag eine Geheimdienstmitarbeiterin, die gerade mit allerhand psychologischen Tricks versucht, einen jungen Informanten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus anzuwerben. Es ist die Zeit kurz nach den Anschlägen vom 11. September, die Politik hat neue Gesetze verabschiedet, welche die strengen Datenschutzbestimmungen zum Schutz der bürgerlichen Freiheiten unmerklich ein Stück weit ausgehebelt haben. Und so fällt die Saat der Angst und des Zweifels auch bei dem jungen Wissenschaftler Johannes auf fruchtbaren Boden, auch wenn er das Bespitzelungsangebot zunächst empört von sich weist. Dieser Johannes, in seiner leisen, freundlichen Art überzeugend gespielt von Bastian Trost, ist ein junger Mann, der es sich trotz beruflichen Ehrgeizes zugute hält, ein integrer, sozial denkender und rücksichtsvoller Mensch zu sein. In seiner Wahlheimat München ist er bei der alten Oma untergekommen, deren Pflege er mit großer Selbstverständlichkeit übernimmt. Und auch mit Farid, dem aus Algerien stammenden Kollegen, will er – das macht er am Anfang ihrer Freundschaft unmissverständlich klar - in kein Konkurrenzverhältnis treten. Doch der junge Münchner Regisseur Heisenberg zeigt anhand privater und beruflicher Alltagssituationen, wie sich in Zeiten der politischen und privaten Verunsicherung die Wahrnehmung dieses jungen Wissenschaftlers verändert, wie leicht Verunsicherung, Angst, Zwiespalt und Misstrauen anstelle einer unbeschwerten Freundschaft treten können. Die vom Professor geschürte Konkurrenz am Arbeitsplatz und die Eifersucht tun ihr Übriges.
Die Tragödie, die dies für alle Beteiligten bedeutet, lässt Heisenberg selten in Form offener Konflikte ans Tageslicht treten. Die aus der Korrumpierung resultierende Entfremdung und innere Verarmung ist ein schleichender Prozess, der sich nicht automatisch mit Begriffspaaren wie Schuld/ Unschuld gleichsetzen lässt. Sogar der Kulminationspunkt dieser negativen persönlichen Entwicklung – der im Moment äußerster persönlicher Not begangene Verrat - hat etwas sehr Profanes an sich: der Protagonist schweigt, anstatt seinen Freund und Kollegen mit einem (wahren) Alibi aus der Patsche zu helfen. Heisenberg erweist dabei genauer Beobachter, der die moralische Brüchigkeit des Menschen kennt, ohne sie zu verurteilen. So verrät seine Hauptfigur Johannes seinem Freund Farid in der Kneipe - als wolle er seinen Verrat vorab entschuldigen: „Das Schlimmste im Leben ist, dass man jeden verstehen kann.“ Schläfer erzählt auf beklemmende Art und Weise von einem Dilemma unserer Zeit – alles ist relativ, Argument und Gegenargument sind bekannt und im Moment der Entscheidungsfindung gleich präsent: anstelle von couragiertem Handeln kommt es zur Patt-Situation, zu Lähmung und Stillstand. Was bleibt, ist der aus Unsicherheit und Angst gespeiste Trieb des Menschen, überleben zu wollen. Und die in Form eines Gebets geäußerte und an den Himmel adressierte Bitte nach Erlösung. Keine besonder idyllischen Aussichten also.Martin Rosefeldt
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Schläfer
Regie: Benjamin Heisenberg
Darsteller: Bastian Trost, Mehdi Nebbou, Loretta Pflaum, Gundi Ellert, Wolfgang Pregler
Land / Jahr: Österreich / Deutschland/ 2005
Format: 1 . 1,85 / Dolby SRD
Laufzeit: 100 Minuten
Cannes 2005 - Un Certain Regard






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Ist sein neuer Kollege und Freund Farid (Mehdi Nebbou) wirklich ein Schläfer, ein islamischer Terrorist in Warteposition, fragt sich der junge Wissenschaftler Johannes (Bastian Trost)?
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