Montag, 6. Februar 2012 um 22.05 Uhr - 10/02/02
Schießen Sie auf den Pianisten
(Tirez sur le pianiste) François Truffaut, Frankreich 1960 - 79 Min.
Truffauts Klassiker der Nouvelle Vague: Der begabte Pianist Charlie Kohler fristet sein Dasein an einem alten Klavier in einer schäbigen kleinen Bar. Dort lernt die Kellnerin Léna ihn kennen - und kommt seiner traurigen Vergangenheit auf die Spur...
Wer ist Charlie Kohler? Abend für Abend bringt er mit der Tanzmusik, die er auf einem alten Klavier spielt, die kleine Bar des Kneipiers Plyne in Schwung. Ansonsten ist Charlie sehr verschlossen und froh, wenn man ihn in Frieden lässt und nicht zu viele Fragen stellt. Doch als sich Charlie und die Kellnerin Léna, die ebenfalls in Plynes Bar arbeitet, verlieben, kommt die junge Frau Charlies Vergangenheit auf die Spur: Der war unter seinem wahren Namen Edouard Saroyan einst ein begabter Pianist, der seinen Lebensunterhalt als Musiklehrer verdiente. Bis seine Ehefrau ohne sein Wissen seine Karriere in Gang brachte, indem sie mit einem einflussreichen Konzertagenten ins Bett ging.
Später brachte sie sich aus Scham über ihre Tat um - und der niedergeschlagene Edouard Saroyan landete als Charlie Kohler am verstimmten Klavier der kleinen Bar Plynes. Doch Léna will ihm helfen, wieder auf die Karriereleiter seines früheren Lebens zurückzufinden. Zusammen mit Charlie kündigt sie bei Plyne. Dieser lässt sich den plötzlichen Abgang der beiden allerdings nicht gefallen. Es kommt zu einem Handgemenge, bei dem Charlie Plyne tötet. Ab sofort ist das Paar auf der Flucht. Und schon kurze Zeit später ist nicht nur die Polizei hinter Charlie und Léna her...
"Schießen Sie auf den Pianisten" gehört zu einem der ersten Werke François Truffauts und zu den berühmtesten Filmen der französischen Filmbewegung Nouvelle Vague. Auf der Basis eines amerikanischen Kriminalromans von David Goodis erzählt Truffaut die tragische Geschichte eines begabten aber traurigen Pianisten, dessen Leben durch seine halbkriminellen Brüder ein zweites Mal aus den Fugen gerät, gerade als er nach einer ersten zerstörten Lebensphase eine neue Liebe findet. Der Film behandelt auf ungewöhnliche Weise die Themen Liebe und Erfolg im beruflichen wie privaten Sinne. Nach seinem großen Kinoerfolg "Sie küssten und sie schlugen ihn" (1959) erlaubte sich Truffaut ein Jahr später mit "Schießen Sie auf den Pianisten" ein risikofreudiges Projekt: Die US-amerikanische Kriminalgeschichte wird in der Hauptrolle von dem französischen Schauspieler Charles Aznavour interpretiert und folgt einer unvorhersehbaren Dramaturgie, die wie viele Filme der damaligen Zeit mit ungewöhnlichen Kameraeinstellungen und Improvisationseinlagen filmisch umgesetzt wurde.
Die Bezüge des Films zu den verschiedenen Künsten - unter anderem Musik, Literatur und Film - sind ein weiteres Markenzeichen der großen Klassiker der Nouvelle Vague, die François Truffaut Ende der 50er Jahre zusammen mit Filmemachern wie Jean-Luc Godard und Claude Chabrol ins Leben rief. Die Verfolgungsjagden und die Darstellung zweier Gauner machen den Film zusätzlich zu einer Hommage an den amerikanischen Gangsterfilm, dem sich auch andere französische Regisseure der 60er Jahre immer wieder gerne widmeten. In den Folgejahren erregte François Truffaut mit Filmen wie "Jules und Jim" (1962), "Fahrenheit 451" (1966), "Geraubte Küsse" (1968) oder "Die letzte Metro" (1980) Aufmerksamkeit.
Technischer Stab :
Schwarz-Weiß
Regie: Francois Truffaut
Buch: Francois Truffaut, Marcel Moussy
Mit: Charles Aznavour - (Charlie Kohler/Edouard Saroyan), Marie Dubois - (Léna), Michèle Mercier - (Clarisse), Nicole Berger - (Thérésa Saroyan), Serge Davri - (Plyne), Claude Mansard - (Momo), Richard Kanayan - (Fido Saroyan), Albert Rémy - (Chico Saroyan), Jean-Jacques Aslanian - (Richard Saroyan), Daniel Boulanger - (Ernest), Claude Heymann - (Lars Schmeel), Alex Joffé - (Passant), Boby Lapointe - (Sänger), Catherine Lutz - (Oma), Alice Sapritch - (Hausmeisterin)
Kamera: Raoul Coutard
Schnitt: Claudine Bouché, Cécile Decugis
Ton: Jacques Gallois
Musik: Georges Delerue, Boby Lapointe, Félix Leclerc
Produzent: Pierre Braunberger
Produktion: Les Films De La Pleiade
Erstellt: 28-04-06
Letzte Änderung: 10-02-02