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Kino auf ARTE - 01/02/12

Schießen Sie auf den Pianisten

(Tirez sur le Pianiste)
Spielfilm, Frankreich 1960, ARTE F, Schwarz-Weiß
Regie: François Truffaut; Buch: François Truffaut, Marcel Moussy; Kamera: Raoul Coutard; Schnitt: Claudine Bouché, Cécile Decugis; Ton: Jacques Gallois; Musik: Georges Delerue, Boby Lapointe, Félix Leclerc; Produzent: Pierre Braunberger; Produktion: Les Films de la Pléiade
Mit: Charles Aznavour - (Charlie Kohler/Edouard Saroyan), Marie Dubois - (Léna), Michèle Mercier - (Clarisse), Nicole Berger - (Thérésa Saroyan), Serge Davri - (Plyne), Claude Mansard - (Momo), Richard Kanayan - (Fido Saroyan), Albert Rémy - (Chico Saroyan), Jean-Jacques Aslanian - (Richard Saroyan), Daniel Boulanger - (Ernest), Claude Heymann - (Lars Schmeel), Alex Joffé - (Passant), Boby Lapointe - (Sänger), Catherine Lutz - (Oma), Alice Sapritch - (Hausmeisterin)

Charlie ist ein schweigsamer Pianist in der Tanzbar "Plyne". Eines Tages wird er unerwartet von seinem älteren Bruder Chico in der Bar aufgesucht. Chico wird von zwei geprellten Komplizen verfolgt und Charlie hilft ihm zu flüchten. Doch von da an haben es die Gangster auf Charlie abgesehen. Die hübsche Kellnerin Léna wird in die Geschichte mit hineingezogen und kommt schnell dahinter, dass Pianist Charlie nicht der ist, für den er sich ausgibt.



Wer ist Charlie Kohler, der Pianist der Tanzbar "Plyne"? Er scheint traurig, distanziert und geheimniskrämerisch. Barbesitzer Plyne und Kellnerin Léna wissen kaum etwas über Charlie. Da stürmt eines Abends der Kriminelle Chico in die Bar und stellt sich als Bruder von Charlie vor. Er bittet ihn um Hilfe, weil er von seinen geprellten Komplizen Ernest und Momo verfolgt wird. Obwohl Charlie nichts mit seinen zwielichtigen Machenschaften zu tun haben will, hilft er ihm durch die Hintertür zu entkommen. Doch die zwei Gangster lassen nicht locker.
Sie kriegen heraus, dass Charlie mit seinem jungen Bruder Fido zusammen wohnt und entführen den Jungen kurzerhand, um Chico zu erpressen. Währenddessen eröffnet Léna Charlie, dass sie weiß, dass er nicht der ist, für den er sich ausgibt.
Vor seiner Zeit in der Bar "Plyne" führte der schüchterne Charlie das Leben eines bekannten und gefeierten Konzertpianisten bis sich seine damalige Frau Thérésa nach einem heftigen Streit aus dem Fenster stürzt und er sie nicht daran hindert. Gewissensbisse und eine tiefe Melancholie prägen seither das Wesen des Pianisten. Doch Léna hält zu ihm; gemeinsam flüchten sie zu Chico in die verschneiten Berge, wo es zum finalen Schlagabtausch mit den Entführern kommt.

Nach dem immensen Erfolg seines Debütfilms "Sie küssten und sie schlugen ihn" (1959) hatte Truffaut Bedenken, auf seinen ersten Film, der zum Flaggschiff der Nouvelle Vague wurde, festgelegt zu werden. Er machte sich deshalb schnell daran, einen Nachfolgefilm zu drehen, und war in dessen Realisierung aufgrund seines vorangegangenen kommerziellen Erfolges komplett frei.
Truffaut wandte sich seiner Inspiration zu, dem amerikanischen Film Noir und versuchte die kontrastreiche Filmästhetik ins französische Kino zu übertragen. Mit "Schießen Sie auf den Pianisten" adaptiert er den Roman "Down there" des Schriftstellers David Goodis, der wegen seiner Romanverfilmung "Dark Passage" mit Humphrey Bogart in der Titelrolle bekannt geworden war. Für die Hauptrolle des schüchternen Pianisten engagiert Truffaut den fragil wirkenden Charles Aznavour, den er in Georges Franjus "La Tête contre les murs" gesehen hatte, und machte ihn zum Antihelden seines Films. Außerdem arbeitet Truffaut zum ersten Mal mit Kameramann Raoul Coutard, der bereits bei Jean-Luc Godards "Außer Atem" mitgewirkt hatte - der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit. "Schießen Sie auf den Pianisten" unterscheidet sich in seiner Machart und seinem Sujet stark von Truffauts Debütfilm und war an den Kinokassen ein kommerzieller Misserfolg. In den USA dagegen avancierte der französische Film schnell zu einem Kultfilm, der in einem New Yorker Kino viele Monate gespielt wurde.
In Truffauts filmischen Schaffen nimmt "Schießen Sie auf den Pianisten" eine besondere Stellung ein, als poetisches Manifest, frei in der Gestaltung und symptomatisch für die "schwarze Serie", die Truffaut in seinem späteren Werk bis zu seinem Tod 1984 mit Filmen wie "Die letzte Metro" (1980) und "Auf Liebe und Tod" (1983) weiter verfolgte.

Schießen Sie auf den Pianisten
Mittwoch 15. Februar 2012 um 03.40 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 1960, 78mn)
ARTE F

Erstellt: 01-02-12
Letzte Änderung: 01-02-12