Zum Thema Schein fällt jedem sofort eine Redewendung ein: "Der Schein trügt", sagt man. Aber der Schein ist ambivalent, sonst würden wir ihn nicht als solchen erkennen. Er verleitet uns, auf ihn hereinzufallen, er zeigt uns jedoch gleichzeitig, dass dem so ist.
Der untreue Ehemann beispielsweise verrät sich, wenn er ausweichende Antworten gibt und seiner Frau dabei nicht in die Augen sieht. Wenn der Pokerspieler blufft, verrät ihn die Schweißperle auf seiner Stirn, die er nicht kontrollieren kann. Der Schein trügt, aber da wir ihm nur manchmal auf den Leim gehen und wir oft das Trügerische an ihm erkennen, täuscht der Schein nur scheinbar.

Dokumentationsreihe, Frankreich 2010, ARTE F, Synchronfassung, Stereo
Regie: Philippe Truffault

Alexander Schnell, geboren 1971 in Berlin, ist Dozent für Philosophie an der Universität Paris-Sorbonne, koordiniert den Master-Mundus-Studiengang "EuroPhilosophie" und ist Lehrbeauftragter an der Universität Toulouse Le Mirail. Seine Fachgebiete sind der deutsche Idealismus (Kant, Fichte, Schelling) und die Phänomenologie. Im Juni 2010 erschien sein Buch "En deçà du sujet. Du temps dans la philosophie transcendantale allemande" .
Web Bonus:
Direkt nach der Sendung unterhalten sich Raphaël Enthoven & Alexander Schnell über die Sendung, was sie erwartet hatten, was sie besonders gelungen fanden und was vielleicht zu kurz kam...
In der Sendung zitierte Literatur:
- René Descartes
Meditation über die Grundlagen der Philosophie
Meiner Verlag - Plinius der Ältere
Naturgeschichte
Übersetzung Marion Gebel
Reclam Verlag - Raymond Roussel
Locus Soluzs
Übersetzung Cajetan Freund
Suhrkamp Verlag - Alexander Schnell
En deçà du sujet
Presses universitaires de France - Baruch de Spinoza
Die Ethik
Übersetzung Jakob Stern
Reclam Verlag - Platon
Das Gastmahl oder Von der Liebe
Übersetzung Kurt Hildebrandt
Reclam Verlag





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