Reportage in der Sendung vom 6. September sehen
Aufgewachsen in der Bronx in New York als Kind jüdischer Emigranten aus der Ukraine, dann Schüler eines Bauhaus-Künstlers - entdeckte Bass früh seine Liebe zur Filmkunst. Mit seinem abstrakt anmutenden Stil und seiner Vorliebe für Farbkontraste betrat er Neuland. 1955 entwirft Bass seinen ersten Vorspann - für den Film von Otto Preminger "Der Mann mit dem goldenen Arm". Er erzählt die Geschichte eines Heroinsüchtigen, Bass giesst sie in das Bild der provozierend geballten Faust: es ist die Geburtsstunde des modernen Vorspanns.
Alice Rawthorne, Museums-Direktorin: Vor Saul Bass waren die Vorspanne so langweilig, dass sie auf die Vorhänge projiziert wurden, die vor der Kinoleinwand hingen. Es war einfach die Liste der Schauspieler und des Film-Teams. Als Bass den wundervollen Vorspann für den Film "Der Mann mit dem goldenen Arm" herausbrachte, hängte er an jede Filmrolle einen Zettel mit dem Vermerk, der Vorführer solle vor dem Vorspann die Vorhänge aufmachen.
Als Bass für Hitchcock-Filme wie "Vertigo" arbeitet, ist er auf dem Höhepunkt seiner Kunst angekommen. Aus dem einst lieblos gestalteten Vorspann wird die Ouverture zu einer Oper, eine Art symbolische Vorwegnahme des Films. Gleich zu Beginn von "Psycho" spiegeln die Schraffierungen, die den Bildschirm zerschneiden, den Wahnsinn der Hauptfigur wider. In Hitchcocks "Psycho" kümmert sich Saul Bass sogar um den Szenenaufbau und - er entwirft ein Story Board für den berühmten Mord unter der Dusche. 1968 wendet sich Saul Bass von Hollywood ab. Seiner Auffassung nach ist der Vorspann zu einem nutzlosen Requisit verkommen. Bass kehrt zur Werbegrafik für Grosskonzerne zurück, widmet sich aber auch dem avantgardistischen Film und inspiriert so Generationen von Grafikern. In den 80er-Jahren überzeugt ihn Martin Scorsese, zum Kinobetrieb zurückzukehren.
Alice Rawthorn: Als Martin Scorcese ein kleiner Junge war, träumte er offenbar von imaginären Filmen, bei dener er Regie führen würde. Und jedes Mal sollte es Saul Bass sein, der den Vorspann entwirft.
Zusammen mit seiner Frau Elaine drückt Saul Bass vier Filmen von Scorcese seinen Stempel auf. Er stirbt ein paar Monate nach dem Vorspann zu "Casino", seinem letzten Meisterwerk. Saul Bass hat uns viel hinterlassen: seine Bilder, die sich in unsere Bilderwelt eingraviert haben.
Reportage : Claude Clorennec, Charles Valade
Saul Bass
bis 10. Oktober 2004
Design Museum
Shad Tames
London SE1 2YD
>> Website des Design Museum in London
Links
>> Saul Bass on the web
>> Artikel über die Ausstellung Saul Bass in London
Bild
Vertigo, 1958, Regisseur: Alfred Hitchcock, Design: Saul Bass, © AMPAS
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ARTE Kultur
Von Montag bis Samstag um 20.00
Angaben unter Vorbehalt






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