Schriftgröße: + -
Home > Europa erkunden > Sarah Wiener

Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Österreich

Nach vielen Jahren in Deutschland kehrt Sarah Wiener für die kulinarischen Abenteuer zurück nach Österreich, in ihre Heimat.

> Sarah Wiener in Italien > Interview

Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Österreich

Nach vielen Jahren in Deutschland kehrt Sarah Wiener für die kulinarischen Abenteuer zurück nach Österreich, in ihre Heimat.

Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Österreich

Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener - 15/12/08

Sarah auf kulinarischer Entdeckungsreise quer durch Italien

Interview mit Sarah Wiener


Weitere Artikel zum Thema

Warum Italien (1/7)
Die neuen Spielregeln (2/7)
Ihr italienisches Lieblingsgericht (3/7)
Die persönliche Herausforderung (4/7)
Sarahs Italienisch (5/7)
Michele, der Dolmetscher (6/7)
Das Team (7/7)


Es ist schon die dritte Staffel, die Sie für ARTE drehen. Diesmal geht es quer durch Italien. Warum Italien?
Nach der Frankreich-Serie bot es sich einfach an. Die ursprüngliche Idee war, eine Tour durch ganz Europa zu machen, das hat sich aber in der Umsetzung als sehr schwierig erwiesen. Wir haben einen Piloten in Slowenien gedreht und hatten dort mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Italien wollten wir sowieso machen. Und da ich ein großer Fan von Italien bin und fast alle Menschen die italienische Küche für eine der besten Küchen weltweit halten, war es dann ein Leichtes zu sagen: „Gut, lasst uns nach Italien gehen!“

Die Spielregeln sind etwas anders als bei den vorherigen Malen…

Wir wollten nicht einfach das Konzept der Frankreich-Serie kopieren. Wir wollten gerne etwas Neues ausprobieren, mit einem anderen Spannungsbogen! Es ist auch ein anderes Format, das fast doppelt so lang ist. So sind wir auf die Idee gekommen, diesmal nicht nur punktuell spezielle Regionen oder klassische Produkte oder Speisen zu erforschen, sondern eine ganze Region. Und dass ich außerdem nicht nur „Lehrling“ bin, der etwas nachkocht, sondern Forscher, der seine eigene Interpretation am Ende jeder Folge kreiert. Sein eigenes Rezept aus den spezifischen Zutaten der Region.

Haben Sie ein italienisches Lieblingsgericht?

Nein, habe ich nicht. Ich kenne ja nur einen Bruchteil der italienischen Küche, ebenso wie in Frankreich und in anderen Ländern. Aber was ich sehr an der italienischen Küche mag, ist, dass sie einen erstaunlich großen vegetarischen Anteil hat, im Gegensatz zur deutschen oder französischen Küche. Ich mag, dass die Italiener dank ihres Klimas und der Sonne besonders wohlschmeckende Grundprodukte haben. Ich mag auch die Einfachheit der italienischen Küche: Du nimmst ein, zwei, drei, vier Zutaten und machst etwas daraus. Das entspricht auch meinem Wesen. Es ist relativ einfach, es geht relativ schnell, ist relativ klar und übersichtlich – und es schmeckt dann auch noch! Müsste ich mich für eine Küche entscheiden, von der ich mich bis zum Ende meinses Lebens einzig und allein ernähre, dann wäre das ganz sicher die mediterrane Küche!

Da Sie die mediterrane Küche ja schon relativ gut kennen, was erhoffen Sie sich von Ihrer kulinarischen Entdeckungsreise in Italien? Neue Kniffe, neue Tricks? Was ist die persönliche Herausforderung?

Zum einen kenne ich Italien ja gar nicht richtig. Ich kenne ein bisschen die Toskana und Oberitalien, den Piemont. Ich war vor ewigen Zeiten auch schon mal in Sizilien, aber zu sagen, dass ich Italien und die italienische Küche kenne, wäre wirklich vermessen. Ich kenne ja nicht mal Österreich! Deswegen war es schon sehr, sehr spannend zu sehen, wie schaut es eigentlich in der Basilikata aus? Wie in der Campagna? Wie ist es in Kalabrien, wie in Veneto? Und woher kommt eigentlich der Mozzarella di Buffala, wo macht man die Colatura? Wo isst man eigentlich mehr Milchprodukte und Butter? Wo gibt es viel Speck, wo Fisch? Wo ist die Küche leichter, schwerer und so weiter. Das sind Dinge, die ich ja vorher gar nicht so genau hätte benennen können. Natürlich kennt jeder Pizza und Pasta und Insalata Mista und Frutti di Mare, und das war es dann meistens. Aber ebenso wie die französische ist die italienische Küche ja viel mehr als diese Hand voll Klassiker, die sich durch Europa gewälzt haben. Nehmen wir zum Beispiel die Insalata Caprese, also Mozzarella mit Tomate und Basilikum, die vor 20 Jahren noch keiner kannte und die heute jeder kennt und die man überall bekommt, nicht nur in italienischen Restaurants. Solche Speisen sind durch die Massenherstellung gar nicht mehr das, was sie einmal waren. Und eben das zu erforschen, diese Grundprodukte und diese Ursprünglichkeit, einen handgeformten Mozzarella aus Büffelmilch aus der Region, wo er ursprünglich herkommt, machen zu dürfen, essen zu dürfen, verkochen zu dürfen, das ist das große Abenteuer!

Sie haben gerade viele italienische Worte gebraucht. Dass Sie gut französisch sprechen, haben wir gesehen. Wie sieht es mit Ihrem Italienisch aus?
Eigentlich war mein Ehrgeiz, dass ich während dieser Serie Italienisch lerne und meine letzte Folge auf Italienisch halte. Aber zum einen kann ich mich, glaube ich, auch in der letzten Folge nicht von Michele trennen, und zum anderen ist mein Italienisch zu miserabel. Die Zeit ist einfach zu kurz. Ich habe nie privat die Grammatik erforscht oder Vokabeln gelernt. Mein Italienisch ist wirklich ein Italienisch der Gosse, da sind durchaus Verbesserungsmöglichkeiten, und die möchte ich auch in den nächsten Monaten und Jahren noch ausbauen.

Wer ist denn Michele?
Mein Lieblingsitaliener. Mein Dolmetscher und mein kongenialer Partner in der Serie und mein großes Glück, weil er so ein sympathisches und ausgleichendes Temperament hat und eigentlich so untypisch italienisch ist, dass man vom Temperament her meinen könnte, ich sei eher Italienerin als Michele. Es macht einfach Spaß, mit ihm durch Italien zu fahren, Sachen zu entdecken, ihn ein bisschen auf den Arm zu nehmen und einfach mit ihm diese Reise machen zu dürfen.

Und das übrige Team?
Meinem Team habe ich alles zu verdanken. ICH werde immer interviewt, es ist MEINE Serie, ICH stehe vor der Kamera. Aber in Wirklichkeit stehen natürlich eine Menge von Händen, Köpfen, Körpern, Gefühlen von anderen dahinter, die diese Serie überhaupt erst möglich gemacht haben und möglich machen.
Mein Team, das sind mein Kameramann, mein zweiter Kameramann, der Tonmann, meine Herstellungsleiterin, die Aufnahmeleitung und Produktionsleitung und die Regisseurin. Wenn ich mein Team sehe, denke ich mir immer, „Ach, schön, jetzt bin ich wieder zu Hause!“ Das ist ganz wichtig, weil meine Umgebung einen unmittelbaren Einfluss auf meine Laune hat und auf die Stimmung, die ich letztendlich an den Tag lege. Es ginge nicht, wenn wir uns nicht gut verstehen würden und ich nicht die Möglichkeit hätte, auch manchmal einen Star-Bonus haben zu dürfen, also ein bisschen schwierig zu sein, kapriziös. Wenn man kein Verständnis dafür hätte, dass ich manchmal sofort meinen Milchkaffee brauche, weil ich vorher niemanden ansprechen kann, dann wäre all das gar nicht möglich. (lacht)
Wobei ich sagen muss, dass das nur die eine Hälfte von meinem Team ist, denn es gibt eine zweite Hälfte: Das sind die Frauen und die Männer, die im Schneideraum in Berlin sitzen und Tag und Nacht daran arbeiten, dass aus dem Wust an Bildern, die wir jedes Mal drehen, überhaupt akzeptable und anschaubare Folgen werden. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht so einfach ist, im dunklen und stickigen, heißen Schneideraum in Berlin zu sitzen und sich hundert Stunden von Material anzuschauen, während wir am Meer entlang fahren oder hineinspringen, uns in den Bergen immer die Wämste vollschlagen und uns sagen: „Ach, ist das schön“. Ich stelle mir vor, dass das ein bisschen hart ist. Aber manchmal ist es auch hart, vor der Kamera zu stehen. (lacht)




........................
Interview/Regie: Sabine Lange
Kamera: Antje Stahlschmidt
Schnitt: Markus Hübers

Erstellt: 04-11-08
Letzte Änderung: 15-12-08


+ aus Europa erkunden