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Akteure-Manga in Deutschland - 19/01/06

Sarah Mayer

Manga-Workshops


Sie ist hauptberuflich gelernte Graphikerin aber in ihrer Freizeit widmet sie sich intensiv dem Manga-Zeichnen. Sarah Mayer ist eine begnadete Mangaka, die ihr Können allerdings nicht für sich behält, sondern in Workshops anderen Fans das Manga-Zeichnen Schritt für Schritt beibringt.

Mang'Arte: Wann und wie sind Sie das erste Mal in Kontakt mit Mangas gekommen?
Was Manga und Anime überhaupt ist, hatte ich erstmals mit der 3. Ausgabe des Magazins „Animania“, das sich fast ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt, erfahren. Dieses erschien etwa Anfang 1995. Danach war mir dann auch schon relativ schnell klar, dass fast sämtliche Serien, die ich mir im Fernsehen bis dahin angesehen hatte, japanischer Herkunft waren.
Die ersten Mangas hatte ich mir dann in einem Manga- und Animeladen in München besorgt, sowie 1999 bei meiner ersten Japanreise. Danach kamen dann recht schnell auch die deutschen Ausgaben von Akira und dann natürlich schon Sailor Moon und Dragon Ball, die ja den Mangaboom in Deutschland erst so richtig eingeleitet haben.

Mang'Arte: Wie haben Sie das Manga-Zeichnen gelernt und was waren dabei die größten Schwierigkeiten?
Im Prinzip habe ich es mir selbst beigebracht, da es zu der Zeit ja noch keine Bücher über dieses Thema in Deutschland gab. Ich habe sehr viel aus besagten Animania Heften abgezeichnet, teils auch Standbilder vom Fernseher...! Das ist auch etwas, was ich anderen immer rate, wenn sie am Anfang Schwierigkeiten mit dem Zeichnen von Mangafiguren haben. Denn meiner Meinung wird man gerade durch das Abzeichnen am Besten mit dem Stil vertraut. Nach und nach habe ich dann einen eigenen Stil entwickelt und immer mehr versucht, auch selbst eigene Charaktere zu erschaffen, anstatt immer nur nachzumachen. Besonders schwer fiel es mir damals, die Figuren nicht immer zu statisch aussehen zu lassen, sondern sie auch in natürlicher Bewegung zu zeichnen.

Mang'Arte: Haben Sie einen Mangaka als Vorbild, der Ihren Stil prägt oder nach dem Sie sich richten?
Ich bin sehr begeistert von den Werken von Clamp (X, RG Veda, Tsubasa), Narumi Kakinouchi (Vampire Princess Miyu), Sanami Matoh (Fake), Satoshi Urushihara (Plastic Little, Legend of Lemnear) und Mutsumi Inomata (Weathering Continent), an deren Stil ich mich anfangs sehr stark orientierte, gerade was das Zeichnen von Augen und Kleidung anging, bis ich dann, wie gesagt, versuchte meinen eigenen Stil zu finden.

Mang'Arte: Erkennen Sie Unterschiede zwischen den japanischen Mangas, den koreanischen Manhwas und den taiwanesischen Manhuas, was das Zeichnen und die Darstellungsweisen betrifft?
Ich würde nicht sagen, dass es wirklich auffällige Unterschiede gibt. Die japanische Mangaszene ist unglaublich vielseitig, es gibt wirklich für jeden Geschmack und jede Vorliebe den passenden Mangastil und die passende Story. Dies gilt meiner Meinung nach ebenso für die koreanischen und taiwanesischen Comics. Gerade beim Zeichenstil kann man meines Erachtens nicht sagen, das ist typisch japanisch, das ist typisch koreanisch, da es einfach so unendlich viele verschiedene Stile gibt.

Mang'Arte: Welche Körperpartien sind bei Manga-Figuren besonders schwer zu zeichnen?
Hände und Füße bereiten in der Regel die meisten Schwierigkeiten. Anfangs ist es auch unheimlich schwer Haare zu zeichnen, die nicht wie eine einheitliche Gummikappe, sondern schön locker aussehen. Aber mit ein bisschen Übung bekommt man den Dreh recht schnell heraus.

Mang'Arte: Sie bieten Workshops an, in denen man das Manga-Zeichnen lernen kann. Wo kann ich mich dafür anmelden und wie läuft so ein Workshop ab?
Genau genommen biete nicht ich selbst die Workshops an, sondern der Knaur Verlag. Dieser hatten im Frühjahr 2005 eine Manga-Aktion in deutschen Buchhandlungen, in deren Zuge sie mich fragten, ob ich nicht Lust hätte, samstags Zeichenkurse in Buchhandlungen zu halten, da sie von dem Zeichenkurs auf meiner Homepage (www.myu-myu.de) sehr begeistert waren. Unerwarteter weise haben diese Kurse soviel Anklang gefunden, dass ich das ganze Jahr über fast jedes Wochenende ausgebucht war und ich auch schon Anfragen für nächstes Jahr bekommen habe ( Termine stehen ebenfalls auf meiner Homepage). Ob man sich für diese Kurse anmelden muss, ist dann von der Organisation der jeweiligen Buchhandlung abhängig und natürlich vom vorhandenen Platz und der Nachfrage. In der Regel waren sie aber bisher auch alle kostenlos.  In diesen Kursen erkläre ich die Grundlagen für das Zeichnen von Mangafiguren, also Augen, Kopf, Körper, Hände, Füße und Haare anhand einer Flipchart und lasse die Teilnehmer jeden Teil dann selber ausprobieren. Außerdem gehe ich immer wieder mal rum, um eventuell Tipps zu geben. Zum Schluss gibt es dann noch eine kleine Demonstration zum Thema Colorieren und danach stehe ich dann noch für alle weiteren Fragen zur Verfügung.

Mang'Arte: Gibt es zu Ihren Kursen auch ein begleitendes Lernbuch, in dem die einzelnen Schritte des Zeichnens erklärt werden?
Ein wirkliches Begleitbuch gibt es derzeit leider nicht. Meist liegen in den Buchhandlungen die bisher veröffentlichten Mangazeichenbücher aus. Die Teilnehmer bekommen außerdem ein Hand-out von mir, auf dem das Wichtigste aus dem Kurs noch einmal zusammengefasst ist. Allerdings arbeite ich derzeit an einem Mangazeichenbuch, das im September 2006 im Knaur Verlag erscheinen wird. Dieses wird dann sicherlich auch in den Buchhandlungen ausliegen.

Mang'Arte: Kann jeder Mangas zeichnen oder braucht man dafür ein künstlerisches Talent?
Ich bin der Meinung, dass jeder, der Spaß daran hat, das Manga-Zeichnen lernen kann. Wenn man ein bisschen künstlerisches Talent hat, dann geht es mit Sicherheit schneller und ist anfangs wohl nicht so frustrierend. In der Regel dauert es aber um die 1-3 Jahre, je nachdem wie viel man zeichnet, bis man mit seinen Zeichnungen so richtig zufrieden ist.

Mang'Arte: Ist das Interesse unter Manga-Fans groß, selbst zeichnen zu lernen oder reicht es den meisten aus, auch weiterhin Mangas einfach zu lesen?
Soweit ich das bisher mitbekommen habe, ist das Interesse selbst zu zeichnen sehr groß, wobei sicher auch einige recht bald wieder aufgeben, wenn es halt nicht gleich so aussieht, wie man sich das vorgestellt hat. Und mit wachsender Fangemeinde wächst natürlich auch das Interesse am Zeichnen. Es gibt inzwischen viele Gruppen, die sich immer mal wieder treffen, unter anderem auch zusammen zeichnen und Tipps und tricks austauschen.

Mang'Arte: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Können Sie sich vorstellen, eigene Mangas zu veröffentlichen?
Wie schon erwähnt arbeite ich ja derzeit an einem Mangazeichenbuch („Shoujo für Einsteiger“). Ein eigenes Manga wäre bestimmt einmal eine sehr interessante Sache, leider fehlt mir derzeit noch eine richtig gute Story. Zusätzlich lässt mir mein derzeitiger Job nicht sehr viel Zeit für ein so großes Projekt wie ein ganzes Manga. Und da es leider immer noch so ist, dass man in der Regel vom Comiczeichnen allein in Deutschland nicht leben kann, wird das vorerst nur ein Hobby bleiben. Aber ich denke mir, was nicht ist, kann ja noch werden. Sollte mir mal eine Superstory über den Weg laufen, werde ich mich bestimmt mal daran versuchen. Ob das dann gut genug ist, um von einem Verlag veröffentlicht zu werden oder ob ich es einfach auf die Homepage stelle, wird sich zeigen. Auf jeden Fall möchte ich auch den Zeichenkurs auf meiner Homepage weiter ausbauen, um allen Jungzeichnern Tipps und Tricks zum Thema Manga-Zeichnen geben zu können!

Interview wurde von Patricia Czarkowski geführt. Januar 2006.

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Mang'Arte
Das Online-Magazin für das „andere“ Manga

www.arte-tv.com/mangarte

#15 - Januar 06
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Erstellt: 19-01-06
Letzte Änderung: 19-01-06