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Slam 2011

Nektarious Vlachopoulos aus Pforzheim und das Team Totale Zerstörung aus Leipzig mit André Hermann und Julius Fischer sind die neuen Meister

> Dennis Hopper und Rilke

Slam 2011

Nektarious Vlachopoulos aus Pforzheim und das Team Totale Zerstörung aus Leipzig mit André Hermann und Julius Fischer sind die neuen Meister

Slam 2011

02/10/08

Rilke rockt

Interview mit Dennis Hopper


Er liebt Poetry-Slams und liest am liebsten aus Rainer Maria Rilkes Werken – ARTE sprach mit der Schauspiellegende Dennis Hopper über die Faszination an Rilke.

ARTE: Herr Hopper, gehen Sie auch zu Poetry-Slams? Was halten Sie davon?

Dennis Hopper: Eine ganze Reihe von Leuten, die ich kenne – Sean Penn, Viggo Mortensen, Michael Madsen –
machen andauernd Lyriklesungen, zu denen ich gehe. Jeder steht dann auf und liest ein Gedicht – das macht einfach Riesenspaß.

ARTE: Für den ARTE-Themenabend "Die Poetry Slam!Revue" am 3.12. 2007 lesen Sie aus Rainer Maria Rilkes „Briefe an einen jungen Dichter“. Was fasziniert Sie an diesem Werk?

Dennis Hopper: Die wichtigste Aussage von Rilke ist ja, dass sich jeder junge Künstler im Stillen fragen muss: Wenn es dir versagt wäre, schöpferisch tätig zu sein, würdest du dann sterben? Wenn die Antwort „Ja“ ist, dann hat man wirklich keine Wahl. Dann muss man ein einsames Wesen werden, ein Künstler. Und wenn die Antwort „Nein“ ist, dann ist das Schreiben oder eine andere kreative Tätigkeit eben keine Überlebensnotwendigkeit. Aber egal, welche Richtung man schließlich einschlägt: Alles, worüber Rilke in den „Briefen an einen jungen Dichter“ spricht, wird das Leben des jeweiligen Lesers beeinflussen. Der Empfänger der Briefe beschloss, kein Künstler zu werden und stattdessen ins Militär einzutreten. Und ich bin sicher, dass diese Entscheidung sein Leben viel reicher machte.

ARTE: Was ist mit den vielen jungen Poeten, die ständig zu Poetry-Slams gehen und oft als einzige denken, sie wären großartige Dichter? Hätten diese Leute nicht besser auf Rilke gehört und sich gegen eine Künstlerlaufbahn entschieden?

Dennis Hopper: Rilke sagt, dass nichts einem Künstler fremder ist als Kritik. Jeder Mensch muss selbst entscheiden und aus seinem Leben das machen, was er oder sie für das eigene Wesen als richtig erachtet. Mir steht kein Urteil darüber zu, was gut und was schlecht ist. Solange die Leute selbst meinen, dass es wichtig ist, ist das in Ordnung.

ARTE: Glauben Sie, Rilke kann auch heute noch für uns interessant und bedeutsam sein?
Dennis Hopper: Die „Briefe an einen jungen Dichter“ sind heute so relevant wie in ihrer Entstehungszeit zwischen 1903 und 1908. Ich finde, jeder, der ein Künstler ist, oder der daran denkt, einer zu werden, sollte sie gelesen haben. Für mich gibt es kein besseres Buch über das künstlerische Schaffen.


Wer Tipps zum Kreativen Schreiben braucht, kann sich von Dennis Hopper beraten lassen in dem Film „Muss ich schreiben? Briefe an einen jungen Dichter“. Den Film aus dem Themenabend "Die Poetry SLAM!Revue" am 3.12.2007 können Sie hier sehen (Windows Media Video, 8'38)

Muss ich schreiben? Briefe an einen jungen Dichter
Dokumentation, Deutschland 2007, Erstausstrahlung, 16:9, 15 Min.
Regie: Hermann Vaske

Erstellt: Thu Nov 29 09:30:17 CET 2007
Letzte Änderung: Thu Oct 02 14:45:14 CEST 2008