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Der Glücksritter vom Roten Meer Schriftsteller, Spion, und Haschischhändler: Henri de Monfreid stürzt sich in das abenteuerliche Leben am Roten Meer. Auch die (...)

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04/09/08

Reisende Schriftsteller

  • Pioniere in der Fremde
Dein Nachbar, das unbekannte Wesen! Zu den ältesten Reiseberichten dieser Welt zählt man die des Griechen Herodot, der als einer der ersten Forschungsreisenden überhaupt gilt, und seines Landmannes Xenophon. Letzterer nahm am Kriegszug der griechischen Heerscharen durch das persische Reich teil. Der Barbar ist immer der andere, und so kann es nicht ausbleiben, dass dieser berühmte Vertreter des alten Griechenlandes aus seiner ausgeprägten Verachtung für die Völker der besuchten Länder wenig Hehl macht.
Im 10. Jahrhundert reist Ibn Fâdlan als Sekretär eines Botschafters des Baghdader Kalifen zu den Bulgaren. Seine genüsslich detaillierten Schilderungen kann man ebenfalls beim besten Willen nicht als Lobgesang auf die Sitten und Gebräuche seiner Gastgeber bezeichnen.
Noch erstaunlicher ist die Reise des Chinesen Fa Hsien, der im 4. Jahrhundert durch Indien zog. Nachdem der chinesische Mönch die heiligen Pilgerstätten der Buddhisten aufgesucht hat, übersetzt er deren religiöses Schriftgut und beeinflusst somit nachhaltig die Entwicklung des buddhistischen Mönchtums in China.


  • Der unwiderstehliche Reiz des Andersartigen
Unser kollektives Bewusstsein ist so nachhaltig von den Reiseberichten des 19. Jahrhunderts geprägt worden, dass unsere Vorstellungen von fremden Ländern und bunter Exotik auch heute noch in den Werken Gauguins ihren exemplarischen Ausdruck finden.
Der Geist der Aufklärung hinterlässt einen Menschentypus, der wissensdurstig alles Neue in sich aufsaugt und es philosophischen Betrachtungen unterzieht. Die "primitiven" Sitten der Völker, die er besucht, versetzen ihn nicht selten in einen wahren Verzückungstaumel. Seine Nachfolger zeigen schon individualistischere Züge: Nicht wenige dieser Autoren entpuppen sich selbst als echte Charaktere.
Manchen Reiseschriftstellern (wie Pierre Loti, Chateaubriand) genügt es schon, nur vorübergehend in fernen Landen zu verweilen, andere (wie Robert Louis Stevenson, Rimbaud) lassen sich dort auf Dauer nieder. Unter ihnen finden sich nicht nur Schriftsteller, die reisen (Alexandre Dumas, Gérard de Nerval), sondern auch Abenteurer, die sich schriftstellerisch betätigen (Henry de Monfreid, Joseph Conrad, Lawrence von Arabien).
Langsam aber sicher wird das Reisen immer populärer. Wie ausgeprägt diese Tendenz damals schon ist, zeigt der Titel eines Werkes von Stendhal, welches 1838 erscheint:"Memoiren eines Touristen".



  • Selbstsuche in einer begrenzten Welt
Welchen Sinn hat noch das Reisen in einer Welt, die nichts Unbekanntes mehr bereitzuhalten scheint? Nicolas Bouvier hat darauf eine Antwort gegeben, die heute schon als klassisch gilt: "Man glaubt, dass man eine Reise machen wird, doch bald stellt sich heraus, dass die Reise einen macht – oder kaputtmacht". Ganz gleich ob Hin- oder Rückweg – nicht mehr das Ziel, sondern der Weg steht nunmehr im Vordergrund.
Die Beweggründe, die den Reiseschriftsteller antreiben, unterliegen ebenfalls einem Wandel. An die Stelle der reinen Erlebnisschilderung tritt die Selbstbetrachtung wie z. B. bei Henri Michaux, der vor allem Asien und Lateinamerika bereist hat. Für die Protagonisten der Beat Generation wird sogar der Trip in die künstlichen Paradiese zum geschätzten Vehikel.Von Jack Kerouacs Kultbuch "Unterwegs" ("On the Road") bis zu den Briefen, die William Burroughs uns nach seinen Tanger-Aufenthalten hinterlassen hat: Thema ist nach wie vor die Überwindung der räumlichen Distanz, aber der Ort, an dem man innehält, dient nur mehr als exotische Szenerie für die Selbstfindungsversuche des Autors.
Ob noble Yacht oder verbeultes Auto, keinesfalls sollte man der Versuchung nachgeben, ein modernes Transportmittel zu benutzen, denn es gilt, den Eindruck einer gewissen Entbehrung, der Bereitschaft zum Verzicht, zu vermitteln. So hat der unermüdliche Théodore Monod die Wüste gar zu Fuß durchquert. Welcher Ort könnte auch besser geeignet sein für die Begegnung mit sich selbst? "Von der Wüste zu sprechen, bedeutet das nicht vor allem zu schweigen, so wie sie es selbst tut?" schrieb der Naturforscher. Ein donnerndes Echo ist die Antwort auf diese Sentenz, denn Reisetagebücher finden heutzutage ein so begeistertes Publikum, dass man diesem literarischen Genre inzwischen eine eigene Biennale in Clermont-Ferrand gewidmet hat. Nicht nur das Reisen wird zusehends demokratischer, dasselbe Phänomen ist auch bei den Reiseschilderungen zu beobachten. Von der Einladung zur Reise bis zum Initiationsritus des Reisetagebuchs – kann es sein, dass der Kreis sich auf diese Weise schließt?

Erstellt: 30-03-06
Letzte Änderung: 04-09-08


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