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ARTE Reportage - Mittwoch, 7. Juni 2006 - 21.35 - 08/06/06

Raketenbauer im Gazastreifen

Transkription


Raketenbauer im Gazastreifen
Von Paul Martin und Ahmed Mashharawi - ARTE GEIE / World News &Features – England 2006
>> Video (22’)

Eine Obstplantage in einer der ehemaligen Siedlungen, die Israel im letzten Jahr geräumt hat. Heute eine ideale Deckung für die Al-Aksa-Brigaden, die der verstorbene Palästinenserführer Yassir Arafat gegründet hatte. Hier die Abu-Rish-Fraktion, deren Raketen nahegelegene israelische Städte in Angst und Schrecken versetzen sollen. Gerade führen die Männer eine weitere riskante Operation durch. Israel wird garantiert massiv zurückschlagen… und das innerhalb von Sekunden, noch während die Flugkörper durch die Luft jagen… Die Männer müssen sich schnellstens aus dem Staub machen. (00:42)
Paul Martin: - Wie weit reichen diese Raketen?
- Sie schaffen die 14 Kilometer bis zum israelischen Hafen Ashkelon.
- Wollen Sie noch stärkere Waffen bauen, mit größerer Reichweite, um noch mehr Menschen zu treffen?
- Und ob! Unsere Geschosse schlagen immer stärker zu und treffen immer weiter entfernte Ziele. Das freut mich natürlich.

In der Tat, die Raketen werden immer besser. Im Flüchtlingslager Jabaliya gibt es eine Raketenfabrik, andere Mitglieder der Al-Aksa-Brigaden mischen tödliche Cocktails… sie verwenden nicht nur selbstgemachte Chemikalien, sondern – wie uns gezeigt wird - auch das hochexplosive TNT: - Diese Rakete hat eine große Reichweite, etwa bis nach Ashkelon. Darüber freue ich mich sehr. Der Sprengkopf besteht aus Steinen und TNT. So wird sie eingesetzt.
Der Raketenkrieg ist nichts Neues – doch inzwischen hat er eine weit größere Bedeutung.

Die Qassam-Rakete wurde von der Hamas entwickelt – das Know-how lieferte die Hisbollah, die vom Iran unterstützte islamistische Gruppe im Libanon. Andere Milizen zogen nach. Vor dem Abzug aus Gaza im vergangenen September genügte Munition mit kurzer Reichweite, um ab und zu Siedlungen zu beschießen oder israelische Soldaten in ihren Stellungen anzugreifen. Die aus dem Gaza-Streifen abgefeuerten Raketen hatten eine zu geringe Reichweite, um israelische Städte und Dörfer zu treffen.

Seit die Israelis abgezogen sind, haben militante palästinensische Gruppen ihre Lager in höher gelegenen Stellungen eingerichtet. Sie dienen auch als Abschussbasis für Raketen und liegen nunmehr viel dichter an der israelischen Bevölkerung auf der anderen Seite des Grenzzauns. Das ländliche Idyll des israelischen Kibbuz Karmiyya trügt – hier wurden einige der jüdischen Familien untergebracht, die im vorigen Jahr die nördlichsten Siedlungen des Gazastreifens verlassen mussten. Gegen ihren Willen wurden sie wenige Kilometer nördlich nach Israel umgesiedelt. Doch ihre Häuser stehen unter Beschuss der Raketenbrigaden.
Das war das neue Zuhause des acht Monate alten Osher Amar und seiner Eltern Batel und Yuval. Anfang des Jahres lag Osher in seinem Kinderwagen vor dem Haus, als eine Qassam-Rakete in die Wand einschlug. Splitter verletzten seine Schädeldecke. Er überlebte nur knapp.
Dana Shitrit, 32, Einwohnerin von Karmiyya: - Es gab Komplikationen mit dem Auge. Das Auge trat nach außen. Er war ja erst acht Monate alt, noch ganz klein. Das ganze Gehirn hatte sich mit Blut gefüllt.
PM: - Wie denken Sie über die Leute, die diese Raketen abfeuern?
- Ich habe Mitleid mit ihnen, aber noch mehr mit uns.
- Warum haben Sie Mitleid?
- Weil man mit Terror keinen Frieden und sowieso überhaupt nichts erreicht.

Dem kleinen Osher geht es schon viel besser… Für die Ärzte ist es ein Wunder, dass er keine bleibenden Schäden davontrug – oder starb. Osher und seine Eltern sind von Karmiyya weggezogen – Die Mutter sagt, sie habe solche Angst, dass sie nicht einmal mehr ihre Freunde dort besuchen mag. Sie umsorgen Osher – sie wissen, dass er noch lange nicht geheilt ist.
Batel Amar, Oshers Mutter: - Ich rief nach meinem Mann. Er konnte mir nicht antworten. Blut lief ihm aus Nase und Ohr. Sein Hemd war voller Blut. Ich dachte, beide wären tot. Ich hatte große Angst. Dann kam der Krankenwagen. Mein Vater hat ihn gefahren.
Israel schlägt vor allem mit Hubschraubern zurück. Hier die Cobra-Eliteeinheit auf einem Luftstützpunkt bei Tel Aviv. Der Helikopter ist mit schwerem Bordgeschütz und Raketen ausgerüstet.
Ein Hubschrauberpilot: - Das ist der optische Teil des Feuerleitsystems für die Raketen und das Geschütz. Wir bekommen das Bild der Kamera hier ins Cockpit und richten die Waffen entsprechend ein.

Dieser Pilot – er hält seinen Namen geheim – gehört zu einer Reserve-Einheit: im zivilen Leben leitet er eine Softwarefirma.
Sein Auftrag lautet schlicht, die Raketentrupps zu töten. Er ist überzeugt, dass er damit Leben rettet: - Ich sehe meine Einsätze als Rettungseinsätze. Vor etwa einem Jahr traf eine Qassam-Rakete diesen vierjährigen Jungen und seinen Großvater am Eingang zum Kindergarten. Ich empfinde meine Einsätze gegen die Qassam-Raketentruppen wie einen Versuch dieses Kind zu retten - und seine Freunde, die sich Tag für Tag vor den vielen Qassams fürchten, die von palästinensischen Terroristen abgefeuert werden.

PM: Können Sie nach so einem Einsatz nachts ruhig schlafen?
- Manchmal lassen mich die moralischen Konflikte, vor denen ich bei einem Einsatz stehe, nicht los. Aber oft dreht sich dieser Konflikt darum, dass ich NICHT geschossen habe. Ob ich nicht DOCH hätte schießen sollen, um vielleicht einen Terroristen unschädliche zu machen.
Ein Cobra-Kampfhubschrauber unterwegs zum Einsatzort: - Der Pilot versichert uns, dass nur die Fahrzeuge aufgespürt werden, in denen die Raketentrupps zu ihren Einsätzen fahren… dann wird das Geschoss… mit tödlicher Präzision abgefeuert. Meistens treffen diese Luftschläge palästinensische Raketentrupps, aber nicht immer.

Die Leichenhalle des Shifa-Krankenhauses in Gaza. Der 28-jährige Mohammed al-Dahdouh steuerte einen Raketentrupp des Islamischen Dschihad. Als ein Hubschrauber eine Rakete in seinen Wagen feuerte, prallte dieser gegen ein anderes Fahrzeug, in dem Zivilisten saßen. Die Leiche des 5-jährigen Mohannad Amn, der zusammen mit seiner Mutter Naima und seiner Großmutter Hanan starb. Später am selben Tag – Bewaffnete tragen den Raketenschützen und Sprengstoffexperten Mohammed al-Dahdouh zu Grabe.
Der Islamische Dschihad gibt eine Erklärung ab. Die neuen Waffen seien so gut, dass “Der zionistische Feind schleunigst die Siedler aus Ashkelon evakuieren sollte, da unsere Raketen sie Tag und Nacht verfolgen werden.”
Vorige Woche schlugen drei Qassam-Raketen des Islamischen Dschihads in der Nachbarschaft des neuen israelischen Verteidigungsministers Amir Peretz ein. Dieser warnte vor “einer Katastrophe für Gaza”.

Der Raketenkrieg findet auch auf See statt. Ein israelisches Kanonenboot sucht vor der Küste des Gazastreifens nach Waffen. Am einfachsten lassen sich Waffen und Sprengstoff aus Ägypten mit dem Boot einschmuggeln. Am nächsten Morgen entdecken die Israelis ein verdächtiges Schnellboot, das von Süden her über das Mittelmeer kommt. Ein ungleiches Rennen. Die Israelische Marine sagt, man habe gesehen, wie Kriegsmaterial über Bord geworfen wurde – das Taucher später heraufholten. Angeblich wurde eine halbe Tonne hochexplosives TNT geborgen. Der zweite große Fang innerhalb einer Woche, Teil eines tödlichen Katz-und-Maus-Spiels, das den Raketenbrigaden den Sprengstoffnachschub unterbinden soll.
Yoram Lax, israelischer Marineoffizier: - Unseren Streitkräften ist es gelungen, eine weitere große Schmuggelaktion von Kriegsmaterial zu verhindern. Es wäre letztlich in israelischen Städten explodiert und hätte israelische Bürger getroffen.

Ein Sportclub in einem besseren Viertel von Gaza-Stadt – der wahre Zweck des Clubhauses blieb geheim, bis die Sache aufflog.
Das Dach des Clubhauses ist zerschossen. Drei militante Fatah-Mitglieder, die hier trainierten und Raketenangriffe vorbereiteten, starben bei einem israelischen Hubschrauberangriff.
Mitglieder der “Mudschaheddin der Al-Aksa-Märtyrer” und Raketenexperten: - Die in die Fahne der Fatah gehüllten Leichen der drei Kämpfer werden zu Grabe getragen, nur wenige Stunden nach ihrem Tod. Die kriegerische Musik der Al-Aksa-Brigaden tönt durch die Straßen von Gaza. Der Trauergemeinde bietet ein überraschendes Bild von Solidarität.
Die grünen Fahnen der Hamas und Hamas-Führer Ismail Haniya. Seine Gruppe beteiligt sich nicht an den Raketenangriffen, doch Haniyas Anwesenheit wird hier als stillschweigende Unterstützung verstanden. Auf dem Friedhof zeigen die militanten Al-Aksa-Anhänger in den leeren Särgen, das Blut ihrer Kameraden. Die Erde ihrer Heimat wird die Leichname der Männer bedecken.
Hamas-Führer Ismail Haniya: - Diese Morde werden das Palästinensische Volk stärker vereinen, es wird mehr Mut und Entschlossenheit gegen die Angriffe der israelischen Besatzung beweisen.
Später am selben Tag: Totenwache für den 23-jährigen Yassin Barghout, einer der Führer der Raketeneinheit der maskierten Al-Aksa-Kämpfer. Deren Vertreter vor Ort stellt klar, dass Al Aksa nicht vorhat, den Konflikt mit Israel zu entschärfen.
Abu Yusif, Bereichskommandeur Al Aksa Märtyrer Mudschaheddin: - Wir werden sie genauso angreifen, Schlag um Schlag. Auf ihre Bomben antworten wir mit Bomben. So läuft das bei Al Aksas – Mudschaheddin-Bataillon!
Kriegführung mit anderen Mitteln: per Internet. Hassan Bakr verdient sein Geld mit Finanzberatung und Spekulationen an den Börsen von New York und Hong Kong: heute ist der Goldpreis auf über 700 Dollar gestiegen.
Doch seine wahre Leidenschaft ist die Darstellung dessen, was er für das Heldentum und die gerechte Sache der Mudschaheddin hält: - Das ist leider nur eine ganz schlechte Qualität, wie man sieht.
Ein Teil davon ist auf der Website der Mudschaheddin zu sehen, die Hassan gestaltet hat. Eine Diashow zeigt einige der fünfzehn Raketen-Mudschaheddin, die seit Ende letzten Jahres getötet wurden.
- Das ist ein kleines Handyvideo. Hier sind sie zu sehen, bevor sie getötet wurden…
Hassan produziert auch CD-Roms und Videos über Aktionen der Raketenbrigaden… sie sind in den vielen Videotheken von Gaza erhältlich. In den Videos zeigt er nur die Gesichter von Brigadenmitgliedern, die getötet wurden wie sein Bruder Suhail.
Allen getöteten Mudschaheddin-Führern wird dieser Kult zuteil. Bald werden auch Hauswände und Laternenpfähle mit Plakaten beklebt sein. Teil eines ausgeklügelten Systems der Heldenverehrung.

Frau Bakr, Gattin eines Arztes, bedauert den Tod ihres Sohnes nicht: - Jeder kann zu jeder Zeit sterben. Als mein Sohn starb, verteidigte er seine Heimat, und das ehrt ihn. Denn jeden Tag hören wir, dass viele auf offener Straße sterben, obwohl sie gar nichts getan haben. Die Israelis erschießen sie trotzdem. 13:33
Hassan Bakr: - Ein Märtyrer kann die Erlösung von siebzig Angehörigen oder Landsleuten erreichen und bekommt einen Ehrenplatz im Paradies.
Ein neuer Tag, ein neues Begräbnis. Suhails Leichnam wird aus dem Haus getragen – begleitet von den üblichen Gewehrschüssen, Parolen und martialischer Musik. Und dem Zorn der Familie Bakr. Das Wrack von Suhails nagelneuem Wagen steht bei den Bakrs in der Einfahrt. Kinder spielen auf den Sitzen, auf denen Suhail und sein Kamarad starben. Warum dieses makabre Denkmal?
Hassan Bakr: - Dieser Wagen ist ein Symbol, das der ganzen Welt mitteilen soll, dass wir noch immer existieren, und dass wir weiter für unsere Freiheit kämpfen.
Adel Barghout, Bruder von Yassin Barghout (tot), Kämpfer der Al-Aksa-Mudschaheddin:- Es ist notwendig und wichtig, dass wir unseren Feind bekämpfen und Palästina befreien. Wir führen diesen Dschihad weiter. Wir kämpfen für unsere Rechte.
PM:- Sie hassen die Juden?
- So Allah will, sollen sie alle sterben und zur Hölle fahren. Dann wären wir erleichtert - unser ganzes Volk wäre erleichtert.
- Sie sprechen von Abermillionen von Menschen!
- Kein Problem, möge Allah ihnen allen den Tod bringen.

Wenige Stunden vor einem weiteren Raketenangriff. Sami Abu Sharia, "Abu Mujahid", Führer der Al-Aksa-Mudschaheddin: - Der Widerstand gegen die israelische Besatzung wird immer mehr zunehmen. Früher oder später werden unsere Brüder von der Hamas zu uns zurückkehren.
PM: - Sind Sie enttäuscht von der Hamas, weil sie sich in den letzten Wochen und Monaten nicht an militärischen Aktionen beteiligt hat?
- Natürlich vermissen wir unsere Brüder von den Al-Qassam-Brigaden der Hamas, sie standen im Kampf stets an unserer Seite. Vom ersten Schuss der Al-Aksa-Intifada an.
Abu Mujahid starb am 8. April 2006.

Hamas-Premier Haniya will die Raketenangriffe gegen Israel nicht unterbinden. Er wendet sich an die Familien von Gefangenen der Israelis oder von so genannten “Märtyrern”: Männer, die im Kampf gegen den hebräischen Staat getötet wurden. Er hat sich geweigert, den Selbstmordanschlag im April in Tel Aviv, bei dem elf Zivilisten starben zu verurteilen. Und er verspricht den Familien der Kämpfer eine besondere Unterstützung, ungeachtet der enormen finanziellen Probleme der Autonomiebehörde.
Imail Haniya, Palästinensischer Premierminister: - Wir werden nicht resignieren oder untergehen; wir werden nicht kapitulieren, wir werden auf keinen Fall aufgeben. Er verspricht den Familien der “Märtyrer”: “Wir werden den Widerstand fortführen.” Aber er sagt nicht wie – oder womit. Das Volk jedenfalls will Raketen und Bomben!
Die Mutter eines Gefangenen: - Ja, sie sollen mehr Raketen abfeuern. Um unsere Gefangenen zu befreien bin ich bereit, auch mich in die Luft zu sprengen.
Eine Märtyrer-Frau: - Was halten Sie denn von israelischen Hubschraubern?! Sie töten uns und unsere Kinder Tag und Nacht. Mein Mann und mein Sohn wurden getötet, meine anderen beiden Söhne verwundet und mein Haus zerstört.
Spätabends in Gaza. Ein Wagen bringt einen Offizier der Issedin-al-Qassam-Brigaden zu einem seltenen Interview. Seit anderthalb Jahren ist es still um den bewaffneten Flügel der Hamas. Abu Obayda und seine Bewegung warten nur nur auf den richtigen Zeitpunkt.
"Abu Obayda", Issedin Al Qassam, (Militärischer Flügel der Hamas): - Die Strategie des Widerstands bleibt, aber man kann nicht endlos und immerzu kämpfen. Der Widerstand wird daher andere Formen annehmen und verschiedene Phasen durchlaufen.
PM: - Sie könnten also eine Pause vertragen?
- Ich kann keine Einzelheiten liefern, inwieweit der Widerstand anders sein wird als während der Al-Aksa-Intifada. Aber er wird sich entsprechend der Bedürfnisse entwickeln.
- Wird es weiterhin Selbstmordattentate geben? Gehören Sie zu Ihrem Programm?
- Sie gehören zu unserer Taktik und werden durchgeführt, wenn sie notwendig erscheinen.

Daraufhin verschwindet er wieder in der Dunkelheit.

In den letzten Monaten feuerten die Israelis Tausende von Artilleriegeschossen auf Teile des Gaza-Streifens. Die Israelis sagen, sie würden auf unbewohntes Land schießen – angrenzendes Land, von dem die Armee und Siedler im vorigen Jahr abzogen sind. Das Startgelände für die Qassam-Raketen. Angeblich werden nur Gebiete beschossen, in denen sich die Raketentrupps bewegen. Der israelische Beschuss darf gefilmt werden – aber Interviews sind steng verboten.

Hier das Ergebnis… ein Feld im nördlichen Gaza-Streifen an der Grenze zu Israel. Die Bauern sehen keinen Sinn in diesen Angriffen – außer der Vernichtung ihrer Ernte. Der Lärm der Geschosse ist Furcht erregend.
Ein Landwirt: - Sie sausen einem über den Kopf. Das macht “sssnnnnnnnnn”. Es raucht, dann schlägt das Ding auf und explodiert lautstark.
Für die Einwohner von Bet Lehia versuchen die Israelis nicht nur, die Raketentrupps abzuschrecken, ihre Absicht sei es auch, die Palästinenser einzuschüchtern und ihre Wirtschaft zu schädigen. Im April trafen die israelischen Granaten in mindestens zwei Fällen Zivilisten.
Diese Familie verlor ein 8-jähriges Mädchen, Hadil, als eine Granate das Dach ihres Bauernhofes durchschlug. Der Vater ist wütend, auf BEIDE Seiten: - Die Palästinenser dürfen keine Raketen in Gegenden abfeuern, wo überall Wohnhäuser stehen. Wenn überhaupt, sollen sie das weit weg von unseren Häusern machen. Andererseits beschießt die israelische Armee Tag und Nacht unsere Felder. In den letzten vier Tagen gab es von hier aus gar keine Raketenangriffe, trotzdem geht der Beschuss weiter.
Mechi Fendel, Frau eines Rabbiners, Sderot : - Genau hier haben die ersten Qassam-Raketen eingeschlagen; der Bürgermeister wohnt hier. Sehen sie diese Lichter dort?
Auf diesem Feld. Sderot ist eine weitläufige Stadt. Ein leichtes Ziel.

Eine Schule in der eher einkommensschwachen Stadt Sderot… am Vortag schlug eine Qassam-Rakete durch das Dach, in die Toiletten und den Klassenraum nebenan. Dem Rektor scheint es wie ein Wunder, dass die Kinder gerade keinen Unterricht hatten: - Gott sei Dank, wir sind wie durch ein Wunder verschont geblieben. Hier schlug die Qassam-Rakete in unsere Toiletten ein. Sie wurden völlig zerstört. Wir danken Gott für dieses große Wunder.
PM: - Gibt es nicht Opfer auf beiden Seiten?
- Wie können Sie das miteinander vergleichen? Das kann man doch überhaupt nicht vergleichen. Wir töten keine Kinder und alte Menschen, wir zielen jedenfalls nicht auf sie. Wir töten Terroristen.
Die 17-jährige Ella Abukassis wurde vergangenes Jahr von einer Rakete getötet, nur wenige Meter von ihrem Elternhaus entfernt. Heute stehen Blumen und eine weiße Bank an der Stelle, an der Ella starb. Ihre Musik – sie war eine begabte Flötistin – hat sie bis zu ihrem Grab begleitet.

Mechi Fendel: - Das Land leidet, wir können es nicht verkraften, dass unsere Kinder so getötet werden. Es sind unsere Kinder, unsere Jugend, unsere Zukunft. Dass wir das durchmachen müssen. Von den fünf Menschen, die von Qassam-Raketen getötet wurden, waren vier Jugendliche. Die 17-jährige Ella und ein paar kleinere Kinder, vier Jahre alt, ein Jahr alt. Das geht doch nicht. So können wir nicht leben. Die Menschen trauen sich nicht mehr nach draußen. In einer geheimen Zeremonie geloben die Mudschaheddin der Al Aksa, den Raketenkrieg fortzusetzen.
Neun Kameraden wurden in den letzten Monaten getötet. Die nun praktisch führungslose Mudschaheddin-Gruppe steckt in einer Krise…. Seit Wochen haben sie keine Raketen mehr abgefeuert.

Auf dem Jüdischen Friedhof Psalmen zum Gedenken an Ella.
Und Hassan, schweigend am Grab seines Bruders.

Die Sonne geht über dem Mittelmeer unter. Eine friedliche Stimmung. Doch der Raketenkrieg geht auch nach Sonnenuntergang weiter – und ein Ende ist nicht in Sicht.


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Paul Martin
London-based Paul Martin, the executive producer, has covered the Middle East since he spent four years in Cairo from 1978 to 1983 for the BBC. He now is a specialist in the Arab world, writing frontline reports for major newspapers and making television reportage. This year his TV reports have been broadcast on Channel 4 and More 4 in England, and on ITV, as well as on other European channels.
Among his scoops: this week, a report on arms smuggling in tunnels under the Gaza Strip and Egypt.

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Wiederholungsamstags um 9h00

Erstellt: 08-06-06
Letzte Änderung: 08-06-06