Sylvia Staude/Frankfurter Rundschau 9.8.2011
KrimiZEIT-Bestenliste November 2011
Wenn am Ende der nicht mehr junge Kommissar Greving und der pensionierte Lehrer Mauser am Wasser sitzen und entspannt paffen, muss man unwillkürlich an "Tatort"-Abspann-Bilder denken. Aber Rainer Gross´ nach "Grafeneck" zweiter Kriminalroman pflegt durchweg dieses beschauliche Tempo - es bleibt Zeit zum Reden, Nachdenken, Grübeln, über das Böse natürlich auch und warum der Mensch gern Krimis liest: Wenn man eine Geschichte mitsamt Täterergreifung und Motiv konstruiert, meint da der Kommissar, gibt man "der Dunkelheit ein ansehbares Gesicht". Gross´Gesichter sind einmal mehr der Vergangenheit zugewandt. Wie schon in "Grafeneck" steht im Hintergrund die Ermordung Behinderter durch die Nationalsozialisten; aber es zeigt sich im Lauf der Ermittlungen auch, dass Kindesmissbrauch keine kürzliche Erfindung ist. Tatsächliche und metaphorische Skelette kommen ans Licht. Besonders erfreulich ist Gross´
sorgsame, stark regional gefärbte Sprache.







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