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Berlinale 2005 - Wettbewerb - 14/02/05

Provincia meccanica

Ein Film von Stefano Mordini


Die wenigen gelungenen Szenen
können den Film nicht retten.

Synopsis: Marco und Silvia Battaglia sind ein eher unkonventionelles Paar. Zusammen mit ihren beiden Kindern, Sonia und Davis, einem Hund und einem Leguan bewohnen sie ein kleines Appartement. Marco arbeitet nachts. Alle sind gleichberechtigt. Ihr Leben ist sorglos, chaotisch und glücklich. Zumindest so lange bis das Jugendamt ihnen das Sorgerecht für die Tochter entzieht, weil diese ständig die Schule schwänzt. Von da an herrscht Chaos. Silvia reagiert mit Depressionen und lässt sich auf ein Abenteuer mit Marcos Freund Dragan ein, von dem sie schwanger wird. Als Marco davon erfährt, bezichtigt er Silvia ihn verraten zu haben. Silvia geht fort und hinterlässt einen verzweifelten Marco, der schließlich auch noch seinen Job verliert.....

Kritik: Der Film beginnt mit einem Schrei. Ob Schmerzens- oder Freudenschrei, bleibt dahingestellt. Er stammt auf jeden Fall von Silvia, die gerade entbunden hat. Silvia sieht man nur im Profil und daneben die Hand des frischgebackenen Vaters, Marco. Auf diesen ziemlich sentimentalen doch hübschen Vorspann folgen Bilder von der Hochzeit des jungen, glücklich strahlenden Paares. Was dann kommt, ist die harte Realität. Die junge Frau und ihre Mutter streiten sich am Telefon. In der Wohnung von Silvia und Marco herrscht ein unbeschreibliches Durcheinander. Die Kinder finden in dem Übermaß an Freiheit weder Halt noch Orientierung. Hund und Leguan machen das Chaos perfekt. Und mittendrin der Ehemann, hingefläzt vor dem Fernseher, auf den er wortlos starrt. Spätestens jetzt ist klar, worauf es hinaus läuft: Nette unkonventionelle Familie kriegt ihr Leben nicht in den Griff und muss Verrat und Schicksalsschlägen trotzen.

Stefano Mordini hat zweifellos John Cassavetes aufmerksam studiert, doch irgendwie haut es bei ihm mit dem Rhythmus nicht so ganz hin. Bei Cassavetes „Minnie & Moscowitz“ war trotz einiger Umwege zu erkennen, worauf die Geschichte hinsteuert, doch bei „Provincia Meccanica“ ist das anders. Hier überwiegt das Gefühl, in einer Sackgasse zu landen. An den Schauspielern liegt es nicht. Stefano Accorsi ist von der ersten Sekunde an großartig und rührend. Man nimmt ihm den ehrlich liebenden, etwas romantischen und naiven Träumer ab, der überzeugt ist, dass ein Leben in Einsamkeit nicht möglich ist. Irgendwie steht er immer neben sich. Ungeschickt kämpft er für die Verwirklichung seiner Träume und um die Rettung seiner Ehe. Valentina Cervi, bezaubernd wie eine junge Rock’n Roll Lady, ist umwerfend sinnlich mit ihren Gesten und ihrem kajalumrandeten etwas hilflosen Teenagerblick.

Das chaotische, fast schon verantwortungslose Paar, schwebt stets am Rande einer Katastrophe. Und dennoch schlägt es sich nicht schlecht. Doch den wenigen, gelungene Szenen stehen leider viele lange, langatmige, misslungene gegenüber. Was dieser unkonventionellen Familie wiederfährt, widerspricht jeder Logik und scheint oft an den Haaren herbeigezogen. Eine Sozialarbeiterin, ein Magier mit düsteren Vorahnungen, eine verklemmte Mutter und ein zwielichtiger russischer Matrose machen das Ganze nicht unbedingt besser. Doch es gibt auch ein paar Lichtblicke: Vater und Sohn, die sich im Bildschirm des Fernseher spiegeln, der Leguan, Marco in einem Schwarm von Küken. Aber diese wenigen gelungenen Szenen können den Film nicht retten. Es sind nur kleine Glitzersteine in einem Haufen aus schmutzigem Geschirr.

Delphine Valloire
Provincia meccanica
(Smalltown, Italien)
(Italien 2004, Länge: 107 Minuten)
Regie: Stefano Mordini
Darsteller: Stefano Accorsi, Valentina Cervi, Ivan Franek…

Erstellt: 12-02-05
Letzte Änderung: 14-02-05