Ein Film von Amos Gitai
Offizieller Wettbewerbsbeitrag
Synopsis: Eine Gruppe osteuropäischer Frauen wird in der Wüste Sinai nachts von Beduinen verschachert und nach Israel verschleppt. Ihre ‚Reise’ führt sie über Talinn nach Haifa und von Cairo nach Ramallah über Eilat. Sie wissen nie, wo es als Nächstes hingehen wird. Die Reisbedingungen sind hart. Stets müssen sie um ihre menschliche Würde ringen. Von den Israelis werden sie zu Prostituierten gemacht und als menschliche Objekte behandelt.
Kritik: Der Film beginnt mit einer Gruppe osteuropäischer Frauen, die mit Beduinen um ein Lagerfeuer sitzt. Wir können sie nur spärlich erkennen, immer nur dann, wenn das Feuer zufällig für wenige Sekunden aufflackert, und die Gesichter der jungen Frauen erhellt. Kurz darauf werden sie nachts in der Wüste Sinai verschachert. Wie auf dem Markt wird um sie gefeilscht, und ihre Qualitäten werden angepriesen: „langes blondes Haar, sie ist noch Jungfrau, etc. Im Auto werden sie von ihrem neuen ‚Besitzer’ zu ihrer Arbeitsstätte gebracht, einem Nachtclub. Dort werden sie wie eine Ladung dreckiges Vieh behandelt, sie müssen sich fast nackt in einer Reihe aufstellen, und werden mit eiskaltem Wasser abgespritzt.
Der israelische Regisseur Amos Gitai erspart uns nichts, wir müssen uns jede Einzelheit ansehen. Seine beiden Hand-Kameras sind ganz nah dran an den Protagonisten. Sie umkreisen sie, wie ein Hund die Herde. Ihnen entgeht nichts. Sie sind so physisch, dass es schon fast schmerzhaft ist für den Zuschauer. Er bekommt stets genauso wenig Informationen wie die beteiligten Frauen selbst. Etwa in der Wüste, wenn die Gesichter nur durch das Lagerfeuer oder Taschenlampen erhellt sind. Gitai macht den Zuschauer so ebenfalls zu einem Betroffenen, und er weiß, wovon er erzählt. Er hat mehrere hundert Seiten von Zeugenaussagen von verschleppten und zur Prostitution gezwungenen Frauen gelesen, die von Menschenrechtsorganisationen in Israel veröffentlicht wurden. Er sagt gar, dass das, was er dort gelesen hat „noch schlimmer ist als das, was in seinem Film zu sehen ist.“
Doch er hat er keinen Dokumentarfilm gedreht, sondern einen Spielfilm. Deshalb gibt es auch eine sich langsam anbahnende Freundschaft zwischen zwei Frauen Rose und Diana, und eine Szene , die eine ganz eigene, faszinierende Intensität besitzt: Hanna Schygulla (die u.a. in 20 Filmen von Rainer Werner Fassbinder zu sehen war) schminkt die verängstigten Mädchen an ihrem ersten Abend im Nachtclub. Diana ist besonders unsicher, und Hanna Schygulla schafft es, sie zu beruhigen. In dieser nur wenigen Minuten dauernden Szene gelingt es Schygulla, ihr ihr ganzes eigenes Leben zu vermitteln, und sie schenkt ihr etwas für sie selbst sehr Wertvolles. Dadurch nimmt sie dem Mädchen etwas von ihrer Angst und schenkt ihr Nähe – ein seltenes Gut in diesem nüchtern realistisch gedrehten Film. Und doch zeigt Gitai kaum Sexszenen. Er will vermeiden, dass diese glamourös wirken könnten, wie dies in anderen Filmen mit Prostituierten oft der Fall ist. Er tut gut daran.
Das fast apokalyptisch anmutende Ende macht Hoffnung. Obwohl die Lage für die Mädchen zunächst mehr oder minder aussichtslos erscheint, kann es doch Ereignisse geben, die den gewohnten Rhythmus aus der Bahn werfen, und so eine Änderung der Verhältnisse ermöglichen. Diana rennt am Ende halbnackt die Strasse entlang. Irgendwann - Minuten später - merkt sie, dass sie der Hölle auf Erden entkommen ist, und sie schreit vor Freude über ihre wiedergefundene Freiheit.
Nana A.T. Rebhan
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Promised Land
Israel 2004, 90 Min.
Regie: Amos Gitai
Mit Rosamund Pike, Diana Bespenchi, Anne Parillaud, Hanna Schygulla
Offizieller Wettbewerbsbeitrag






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