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ARTE Reportage

Das Magazin für aktuelle internationale Politik

Dossier
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Das internationale Nachrichtenmagazin. Jeden Samstag um 18.20 Uhr. Im Wechsel moderiert von Andrea Fies und William Irigoyen.


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Samstag, 23. Mai 2009 um 06.10 Uhr

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ARTE Reportage
(Frankreich, 2008, 30mn)
ARTE

16:9 (Breitbildformat)

Das Magazin für aktuelle internationale Politik wird immer samstags um 19.00 Uhr ausgestrahlt. Durch die Sendung führen abwechselnd Andrea Fies und Nathalie Georges.

Battisti: Terrorist oder Politischer Flüchtling

Seit fast 30 Jahren ist Cesare Battisti auf der Flucht vor der Strafverfolgung in seiner Heimat Italien, die ihn wegen terroristischer Anschläge sucht. Im März 2007 wurde er schließlich in Brasilien verhaftet, und demnächst könnte er nach Italien ausgeliefert werden. Die ARTE Reporter trafen ihn exklusiv als einziges Kamerateam in seiner Gefängniszelle in Brasilia. Nach seiner Flucht aus Frankreich im Jahr 2004 ist dies das erste Mal, dass Battisti sich von einer Fernsehkamera filmen lässt.
Sein Schicksal liegt in den Händen der brasilianischen Justiz: Eigentlich schützt Brasiliens Verfassung vor der Abschiebung, wenn es sich um politisch motivierte Gewalttaten handelt – bei Tätern, die der Gewalt abgeschworen haben. Auf diese Gnade hofft Cesare Battisti. Piero Mancini, ein weiterer italienischer Flüchtling wegen terroristischer Gewalttaten, genießt seinen Status als politischer Flüchtling in Brasilien.
In den bleiernen Jahren in Italien war Battisti Mitglied der bewaffneten linksextremen Gruppe PAC. 1982 wurde er in Abwesenheit wegen vierfachen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Obwohl er in all diesen Jahren immer wieder seine Unschuld beteuerte, verlangte Italien stets seine Auslieferung.
Anfang dieses Jahres gewährte ihm der brasilianische Justizminister den Status des Politisch Verfolgten – Battisti glaubte sich endgültig in Sicherheit. Und doch sitzt er noch immer in Haft. Für ihn hängt jetzt alles ab von der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, der in den nächsten Tagen sein Urteil fällt – ob er freigelassen wird oder abgeschoben nach Italien.
Cesare Battisti fühlt sich verfolgt vom italienischen Staat. Sein Fall erregt enormes Aufsehen. Die Affäre Battisti provozierte eine diplomatische Krise zwischen Brasilien und Italien. Der überwiegende Teil der Medien hat sich auf die Seite der italienischen Strafverfolger gestellt. Und für Italien arbeitet eines der größten Anwaltsbüros des Landes, um Battisti direkt aus der Zelle in Brasilien in ein italienisches Gefängnis zu überführen.
Die Mehrheit der brasilianischen Regierung, die Gewerkschaften und die sozialen Verbände, stehen hinter der Entscheidung des Justizministers, Battisti ein Aufenthaltsrecht zu gewähren. Die politische Rechte will ihn abschieben.
Aus Frankreich unterstützt ihn die Kriminal-Schriftstellerin Fred Vargas: Unter Mitterand hatte Battisti mehrere Jahre Aufenthaltsrecht in Frankreich als politischer Flüchtling, der der Gewalt abgeschworen hatte. Fred Vargas steht an der Spitze eines Komitees zur „Befreiung“ Battistis. Sie übt politischen Druck aus und will in Brasilien Unterlagen vorlegen, die belegen sollen, dass die italienische Justiz ihn mit falschen Beweisen verurteilt hat.
Letzte Tage der Ungewissheit für Battisti: Er wartet in seiner Zelle im Gefängnis von Papuda auf das Urteil des Obersten Verfassungsgerichts.

Turkei : Der Friedensstifter von Diyarbakir

Sait Sanli (69) wurde schon einmal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Denn Sanli hat in 20 Jahren über 400 Blutfehden verhindert, indem er Frieden zwischen den verfeindeten Familien vermittelt hat.
Im kurdisch geprägten Südosten schlägt Streit und "verletzte Ehre" immer noch schnell in blutige Verbrechen um - zahlreicher Kampagnen der Regierung und verschärfter Gesetze zum Trotz. Sanli selbst wurde als Kind Opfer einer Blutfehde: Nachdem einer seiner Onkel jemanden im Streit getötet hatte, musste die Familie aus ihrem Dorf in der Nähe von Diyarbakir fliehen.
Als Sanli Jahre später von einer Blutfehde in der Zeitung las, die ihren Anfang wegen einer Kuh nahm, die auf der falschen Weide weidete, beschloss er gegen diese irrsinnige "Tradition" etwas zu tun. Seither erreichen den zierlichen Mann fast täglich per Eilpost, Telefon oder Boten Hilferufe, manche aus Orten, die hunderte Kilometer von Diyarkakir entfernt liegen. Zunächst eilt er dann zu der Familie, die Rache nehmen will - manchmal in Begleitung des örtlichen Imam. Ist es ihm gelungen, wenigstens eine "Feuerpause" auszuhandeln, geht er zur anderen Familie.
Das ganze kann Monate dauern, aber erfolglos sei er noch nie gewesen, sagt Sanli. Am Ende steht ein "Versöhnungsmahl". Der "Kofi Annan von Diyarbakir" stellt für seine Vermittlungsbemühungen nur zwei Bedingungen: Erstens müssen Mörder der Justiz übergeben werden, und zweitens müssen Witwen von der Familie des Täters Unterhalt bzw Entschädigung bezahlt bekommen.