Samstag, 4. August 2012 um 00.40 Uhr
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Ordinary People
(Frankreich, Schweiz, Serbien, 2009, 76mn)
ARTE F
Regie: Vladimir Perisic
Drehbuch: Vladimir Perisic, Alice Winocour
Kamera: Simon Beaufils
Schnitt: Martial Salomon
Darsteller: Relja Popovic (Dzoni), Boris Isakovic (Kouki), Miroslav Stevanovic (Ivan), Miroslav Isakovic (Micha)
Produktion: TS Productions, La Télévision Suisse Romande, Trilema, Prince Film SA, ARTE France Cinéma
Produzent: Anthony Doncque, Miléna Poylo & Gilles Sacuto
Sieben Soldaten, unter ihnen der junge Dzoni, werden ohne weitere Information auf einem abgelegen Bauernhof stationiert. Als ein Bus auf den Hof fährt, beladen mit verängstigten Menschen, entpuppt sich der rätselhafte Einsatz als unmenschliche Aufgabe.
Ein Bus fährt sieben serbische Soldaten an einen unbekannten Ort. Unter ihnen befindet sich Dzoni. Er ist neu in der Brigade und vermag sich nicht richtig zu integrieren. Der Bus hält an einem abgelegenen Bauernhof, umgeben von Feldern. Dzoni ist beunruhigt, und versucht, sich über den Grund ihrer Anwesenheit dort zu informieren. "Frag nicht so viel", antwortet man ihm.
Die Soldaten fangen an, in der drückenden Hitze zu warten, vertreiben ihre Langeweile mit Zigaretten. Da kommt ein Bus angefahren. An Bord stehen mehrere Männer eng aneinander geschmiegt. Als der Befehlshaber der Einheit den Rekruten erklärt, dass es sich bei den Gefangenen um Feinde handelt, wird Dzoni und seinen Kameraden klar, worin ihr Einsatz besteht ...
Wie werden gewöhnliche Menschen zu den schlimmsten Untaten fähig? Diese Frage lag bereits dem Stanford Prison Experiment zugrunde. Damals wurden freiwillige Studenten in zwei Gruppen aufgeteilt: auf einer Seite die Wächter, auf der anderen die Gefangenen. Die Studie sollte erforschen, wie gewöhnliche Individuen in der außergewöhnlichen Situation eines Gefängnisses reagieren würden. Das Ergebnis war so schockierend, dass das Experiment abgebrochen werden musste. Die "Wächter" hatten begonnen, die "Gefangenen" auf schlimmste Weise zu peinigen.
In Vladimir Perisics "Ordinary People" sind es keine Studenten, sondern sieben Soldaten in anonymer Uniform, die an einen unbekannten Ort gefahren werden. Sie haben keine Ahnung, warum sie da sind, und warten stundenlang auf ihren Einsatz, der sich als unmenschlich entpuppt: Sie sollen Menschen erschießen, und das aus dem einfachen Grund, dassie man sie ihnen als "die Feinde" vorgestellt hat.
Der Film "Ordinary People" will eine universale Botschaft vermitteln; seine Handlung könnte man auf jedes Kriegsgebiet, auf jeden historischen Kontext übertragen. Überall, wo einfache Menschen zu Henkern ihrer Mitmenschen wurden, überall wo Massenhinrichtungen angeordnet wurden.
"Ordinary People" ist eine minimalistische, monotone und gleichzeitig faszinierende Darstellung des Krieges, ohne Schlachtfelder, ohne Panzergefecht, ohne Heldentaten. Das unmenschliche Geschehen wird auf kalte, brutale Weise vorgeführt. Und bildet einen dermaßen heftigen Kontrast mit der stillen, beweglosen Art des Films, dass einem unbehaglich wird.
Perisic will den Zuschauer zum Nachdenken anregen über seine eigenen Vorstellungen von Moral und Ethik. Über Gehorsamkeit und Rebellion. Perisic will uns vor der Gleichgültigkeit warnen, mit der diese Soldaten andere Menschen töten, davor, mit welcher Selbstverständlichkeit sie auf Empathie und eigenständiges Denken und Handeln verzichten.
Der Regisseur versetzt den Zuschauer in eine ungemütliche Lage mit der Frage: Wie hättest du gehandelt? Wenn Hinrichtungen von herkömmlichen Menschen verübt werden und nicht durch Monster, wie man es sich zur Beruhigung vorstellen mag, könntest nicht auch Du zum Henker Deiner Mitmenschen werden?