Montag, 23. Juli 2012 um 21.55 Uhr
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Don Carlos
(Deutschland, 2012, 173mn)
NDR
Musik: Mark Badur
Darsteller: Victoria Trauttmansdorff, Mirco Kreibich, Christoph Bantzer (Graf von Lerma), Alicia Aumüller (Prinzessin von Eboli), Lisa Hagmeister (Elisabeth von Valois), Jens Harzer (Marquis von Posa), Hans Kremer (Philipp II.), Matthias Leja (Herzog von Alba), André Szymanski (Der Großinquisitor)
Autor: Friedrich Schiller
Kostüme: Pauline Hüners
Ausstattung: Florian Lösche
Dramaturgie: Susanne Meister
Maske: Julia Wilms
Inszenierung: Jette Steckel
Fernsehregie: Henning Kasten
Ton: Ullrich Hübener
Video: Annemarie Drexler
Im historischen Gewand des von der Inquisition beherrschten Spaniens schreibt Friedrich Schiller "Don Carlos", ein Zeitstück über die Zwänge des absolutistischen Deutschlands, an denen er leidet. In der Inszenierung von Jette Stecklist stand Schillers komplexes Intrigenspiel seit der Premiere am 22. Januar 2011 bereits über 25 Mal auf dem Spielplan des Hamburger Thalia Theaters, sorgte überregional für Aufsehen und ist jetzt in einer fürs Fernsehen erarbeiteten Fassung zu sehen.
Am 29. August 1787, kurz vor Ausbruch der Französischen Revolution, wird Friedrich Schillers "Don Carlos" in Hamburg uraufgeführt. Im Planspiel einer komplexen Intrige am Hof Philipps II. deckt Schiller das "geheime Räderwerk" menschlicher Handlungen auf. Indem er die Zergliederung der Seelen innerhalb einer Gesellschaft offen legt, zeigt Schiller Gefangene des Systems, die um Selbstbestimmung kämpfen.
Das komplexe Intrigenspiel hat auch heute nichts von seinem Reiz eingebüßt. Die Inszenierung von Jette Steckel am Hamburger Thalia Theater ist hochkarätig besetzt: Das Ausnahmetalent Jens Harzer wurde in der Kritikerumfrage von "Theater heute" für seine Rolle als Marquis de Posa zum Schauspieler des Jahres 2011 gewählt und bekam somit diesen Titel zum zweiten Mal. In der Titelrolle brilliert der Boy-Gobert-Preisträger Mirco Kreibich. Durch radikale Striche verdichtet die Regisseurin Jette Steckel das Stück auf die Handlung und die Hauptkonflikte und versetzt die Figuren "in einen Kosmos, der sie zu einer Körperlichkeit zwingt", so die Regisseurin.
Der Infant von Spanien liebt seine Stiefmutter, Königin Elisabeth, die ihm einst als Braut versprochen war. Er begehrt gegen seinen Vater auf und "verstrickt sich ausweglos zwischen politischem Idealismus, Liebesblindheit und Selbstzerstörung", fasst "Theater heute" zusammen. Sein Freund Marquis de Posa - der Strippenzieher und die zentrale Figur in Steckels Inszenierung - hält an der Vision eines gerechten Staates und der Gedankenfreiheit seiner Bürger fest. Er begibt sich in ein riskantes Spiel mit dem König, ohne den Jugendfreund Carlos über seine Pläne aufzuklären. Als Prinzessin von Eboli aus verschmähter Liebe den Infanten an den König verrät, sind das Unheil und die Tragödie der Männerfreundschaft nicht mehr aufzuhalten.
"Jette Steckel verleiht dem 1787 in Hamburg uraufgeführten Werk eine schillernde Gegenwärtigkeit, erhält dem Abend dank der bisweilen atemberaubenden Präsenz der Schauspieler einen unangestrengt wirkenden Spannungsbogen", schrieb das "Hamburger Abendblatt". Für diese Inszenierung erhielt die 28-jährige Regisseurin den Rolf-Mares-Preis der Hamburger Theater in der Kategorie "Herausragende Inszenierung".