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Welt am Draht (1/2)

Fred Stiller tritt die Nachfolge von Professor Vollmer als Leiter am "Institut für Kybernetik und Zukunftsforschung" (IKZ) an, nachdem sein Vorgänger ums Leben gekommen ist. Stiller vermutet, dass Professor Vollmers Tod kein Unfall war...

Freitag, 8. Juni 2012 um 20.15 Uhr

Wiederholungen:
28.06.2012 um 01:10
Welt am Draht (1/2)
(Deutschland, 1973, 101mn)
ZDF
Regie: Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder, Fritz Müller-Scherz
Kamera: Michael Ballhaus, Ullrich Prinz
Musik: Gottfried Hüngsberg
Schnitt: Marie-Anne Gerhardt, Ursula Elles
Darsteller: Klaus Löwitsch, Barbara Valentin, Mascha Rabben, Karl-Heinz Vosgerau, Wolfgang Schenck, Günter Lamprecht, Ivan Desny, Joachim Hansen, Kurt Raab, Margit Carstensen, Ingrid Caven, Gottfried John, Rudolf Lenz, Ulli Lommel (Journalist Rupp)
Autor: Daniel F. Galouye
Produktion: WDR
Produzent: Peter Märthesheimer, Alexander Wesemann

Nativ HD

Fred Stiller tritt die Nachfolge von Professor Vollmer als Leiter am "Institut für Kybernetik und Zukunftsforschung" (IKZ) an, nachdem sein Vorgänger unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist. Stiller vermutet, dass Professor Vollmers Tod kein Unfall war. Und tatsächlich deutet bald alles auf eine großangelegte Verschwörung hin, bei der die Grenzen zwischen Sein und Schein verschwimmen.

Nachdem Professor Vollmer unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist, wird Fred Stiller sein Nachfolger als Leiter des "Instituts für Kybernetik und Zukunftsforschung" (IKZ). Überzeugt davon, dass Vollmers Tod kein Unfall war, stellt Stiller eigene Nachforschungen an. Er findet heraus, dass das IKZ unter der Verantwortung seines obersten Chefs Herbert Siskins mittels des Supercomputers "Simulacron 1" eine künstliche Welt erschaffen hat. Die scheinbare Wirklichkeit wird von einer Überzivilisation, der Siskins angehört, nur simuliert. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen der Zukunft können dadurch genau vorausgesagt werden.
Die darin lebenden "Simulationseinheiten" ahnen jedoch nichts von ihrer virtuellen Existenz. Bis auf Eingeweihte wie jene Person mit dem Decknamen "Einstein", der schließlich der Sprung von einer Wirklichkeitsebene in die nächsthöhere gelingt. Als Stiller diese Lücke im System und Einsteins Anwesenheit in seiner Umgebung aufdeckt, stellt sich ihm die erschreckende Frage, ob er nicht auch nur Teil einer Simulation ist. Und ob Professor Vollmer nicht ausgeschaltet wurde, weil er genau darüber zu viel wusste.

Nach der Vorlage "Simulacron-3" des US-Schriftstellers Daniel F. Galouye hat Rainer Werner Fassbinder mit seinem zweiteiligen Fernsehfilm ein visionäres Meisterwerk über die erschreckenden Dimensionen einer künstlichen Welt geschaffen. Eine Thematik, die später auch in Filmen wie "eXistenZ" von David Cronenberg, "Dark City" von Alex Proyas oder der "Matrix"-Trilogie der Wachowski-Brüder aufgegriffen wurde. Fassbinders Film erfuhr zudem ein Remake in Josef Rusnaks "The Thirteenth Floor". Ideengeber des ursprünglichen Filmprojekts war Peter Märthesheimer, der zunächst als WDR-Redakteur mit Fassbinder zusammenarbeitete, später als Produzent und Drehbuchautor.
In der Rolle von Fred Stiller glänzt Klaus Löwitsch. Der große Charakterdarsteller gewann 1998 für seine Rolle in "Das Urteil" den Bayerischen Fernsehpreis und den Adolf-Grimme-Preis. Für die außerordentliche Kameraführung ist der international gefeierte Kameramann Michael Ballhaus verantwortlich, der mit Rainer Werner Fassbinder 16 Filme drehte. Ballhaus hat neben Fassbinder mit Größen wie Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, Frank Oz und Wolfgang Petersen gearbeitet und erhielt neben drei Oscarnominierungen unter anderem 2007 den Bayerischen Filmpreis sowie den Europäischen Filmpreis als Ehrenpreis für seine Leistungen.
Im Rahmen der Berlinale 2010 feierte der Film "Welt am Draht" in der Sektion "Berlinale Special" seine Premiere in der restaurierten Kinofassung. "Eine faszinierende Mischung aus Krimi, Abenteuerfilm und düsterer Zukunftsvision, die die komplexen Erzähl- und diversen Wirklichkeitsebenen mit verblüffender Geradlinigkeit zu vermitteln versteht." (Lexikon des Internationalen Films). Nach annähernd 40 Jahren hat der Film nichts von seiner Originalität, seiner Scharfsinnigkeit und Raffinesse eingebüßt. Lange nicht mehr ausgestrahlt und in der nun vorliegenden restaurierten Fassung noch niemals im Fernsehen gezeigt, ist der Film ein wahres Highlight im Programmschwerpunkt um den 30. Todestag des deutschen Ausnahmeregisseurs Rainer Werner Fassbinder.