Freitag, 8. Juni 2012 um 10.30 Uhr
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ARTE Reportage
(Frankreich, 2012, 52mn)
ARTE
Das Magazin für aktuelle internationale Politik wird immer samstags gegen 18.15 Uhr ausgestrahlt. Durch die Sendung führen abwechselnd Andrea Fies und Nathalie Georges. Auf der Grundlage seines redaktionellen Sendeauftrags wirft "ARTE Reportage" den etwas anderen Blick auf wichtige Ereignisse des Weltgeschehens.
Philippinen: Gold fürs nackte Überleben
In den Bergen des Regenwaldes der Insel Mindanao im Süden der Philippinen liegen die größten Goldvorräte des Landes. Entdeckt wurden sie 1982 von sogenannten Small-Scale-Minern, die im Kleinbergbau mit primitiven Methoden das Golderz fōrdern.
Sie operieren illegal ohne Lizenz, der Staat bekommt keinen Anteil von der Goldförderung. Nun hat die Regierung das 8100 Hektar große Gebiet um den Ort Diwalwal im Compostela-Tal in einem Bieterverfahren für internationale Großkonzerne ausgeschrieben. Die Minenarbeiter wehren sich und kämpfen ums Ūberleben, denn keiner der 40.000 schlecht ausgebildeten Arbeiter würde bei einem der großen Minenkonzerne einen Job bekommen. Trotz des hohen Goldpreises sind die Minenarbeiter arm, denn die primitiven Fördertechniken mit Hammer und Meißel sind wenig effektiv. Sogar die Kinder der Bergarbeiterfamilien müssen mit Anpacken und sammeln die Steine mit Golderz, so groß ist die Not im Ort. Weil zur Extraktion des Goldes im Kleinbergbau im offenen Verfahren Quecksilber eingesetzt wird, sind die Natur und die in den Produktionsstätten lebenden Menschen hochgradig mit Quecksilber kontaminiert.
Hartmut Schwarzbach hat drei Wochen lang den Überlebenskampf einer sechsköpfigen Familie in Diwalwal begleitet: Vater Jimmy Laindag (30) im Bergwerk und seine Frau und Kinder beim Sammeln des Golderzes unter größter Lebensgefahr an der Hauptverladerampe des Ortes. Der Vater ist stolz, wenn er seinen Kindern Reis kaufen kann, denn auf dem Land mußte die Familie vorher bitter hungern.
China gegen EU: Vom Recht auf Fisch
Seit Ende der 80er Jahre streiten sich die EU und China diskret um die Fanggründe in West-Afrika: Es geht um die Rechte in den fischreichen Gewässern vor Mauretanien und wie man sie zwischen China, der EU und Mauretanien gerecht verteilen könnte.
Europa zahlt 305 Millionen Euro auf vier Jahre für etwa 400 000 Tonnen Meeresprodukte, das ist der weltweit teuerste Vertrag für Fischereirechte. Die EU achtet peinlich genau darauf, die vereinbarten Fischfangquoten einzuhalten und wirbt gleichzeitig für die Demokratie als Regierungsmodell. China zahlt viel weniger für die Fischfangrechte, die Chinesen halten sich aus allen politischen Diskussionen raus aber finanzieren gerne in die Infrastruktur des Landes.
Mauretanien wägt alle Vor- und Nachteile genau gegeneinander ab und treibt die Preise für die Rechte gerne hoch. Immerhin bestreiten sie ein Viertel ihres Jahresbudgets mit dem Geld aus China und der EU. Doch die Wissenschaftler des Landes schlagen Alarm, denn sie konstatieren einen besorgniserregenden Rückgang der einst reichen Fischbestände. Die internationalen Hilfsorganisationen werfen den ausländischen Fischnationen die Plünderung des Meeres vor – denn den mauretanischen Fischern auf ihren Pirogen geht nicht mehr viel Fang in ihre Netze. Sie aber müssen ihre Familie mit ihrer Hände Arbeit ernähren können.
Was gibt’s Neues: Die Anti-Roma-Kampagne
Im Juli 2010 startete der damalige französische Präsident Sarkozy eine publikumswirksame Kampagne gegen die Roma: Er wies die Polizei an, ihre illegalen Camps abzureißen und die Familien kollektiv in ihre Heimatländer abzuschieben.
Daraufhin beschwerten sich Rumänien, Bulgarien und die EU über den harschen Umgang der Franzosen mit den Roma: Frankreich stigmatisiere eine Ethnische Minderheit und verstoße gegen die Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Für viele Hilfsorganisationen machte die französische Regierung die Roma zum Sündenbock, indem sie „Roma“ mit „Kriminell“ gleich setzte. Heute, zwei Jahr später, scheint die damals in allen Medien geführte Kontroverse schon wieder vergessen. Was also ist daraus geworden? Viel Lärm und kaum Resultate – außer, dass die Lage der Roma sich in Frankreich und im Rest der EU seitdem eher noch verschlechtert zu haben scheint.